Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1916)
- Article
- Grundsätzliches zur zionistischen Gegenwartsarbeit
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 104 (sequence 5)
- Language
- German
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104 Salomon Lehnert: weniger von selbst hervorbringen werden. Natürlich gibt es Mischungen und Übergänge. Der Wesensunterschied der beiden Auffassungen scheint mir trotzdem von Bedeutung. Und der wesenhafte Nationalismus, wie ich ihn in dem Vorstehenden näherzubringen suchte, wird auch ein Ersatz für den so gewaltig groß gedachten Charter auf einer höheren Stufe der Entwicklung sein. Arnau a. E. Oskar Epstein JÜDISCHE VOLKSARBEIT Mitte Mai ist in Berlin in dem besonders von ostjüdischem Proletariat bewohnten Viertel von Studenten und Frauen ein „Jüdisches Volksheim" eröffnet worden, welches in allmählicher Entwicklung folgende Arbeitsgebiete um-, fassen wird: I. JUGENDERZIEHUNG. a) Im Kindergarten des Volksheims Aufnahme von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. b) Knabenklubs, Mädchenklubs: Je zehn bis zwölf Jungens oder Mädchen sind in einem Jugendklub zusammengeschlossen, an dessen Spitze ein Helfer oder eine Helferin als Leiter steht, die nicht als aufsichtführende Lehrer, sondern wie ältere Kameraden an dem Gemeinschaftsleben teilnehmen. Die Stunden in den Jugendkameradschaften werden ausgefüllt mit gemeinsamem Musizieren, Lesen, Spielen, Wandern und vor allem mit handwerksmäßigen Beschäftigungen. Eine gute jüdische Jugendbibliothek wird zu den nächsten Anschaffungen des Heims gehören. c) Jugendwerkstätten: Zwei Räume des Heims sind als Werkstätten hergerichtet, die an den Nachmittagen als Tischlerei, Buchbinderei und Werkstatt für Metallarbeiten benutzt werden. Die Leitung der Werkstätten liegt in Händen von Fachmännern und in Händen von Helfern und Helferinnen des Volksheims, die vorher Unterricht in Holzarbeiten, Buchbinderei usw. genommen haben. Es wird eine Hauptaufgabe des Volksheims sein, in der jüdischen Jugend von früh an Liebe zum Handwerk, Freude an der körperlichen Arbeit zu erwecken, um der Entwicklung zum Handel und zum Vermittlertum unter dem jüdischen Proletariat entgegenzuwirken. Dem gleichen Zweck dient d) Einrichtung landwirtschaftlicher Ferienkolonien: Eine Anzahl Knaben werden jede Ferien auf einem in der Nähe Berlins gelegenen Gut ihrem Alter gemäß landwirtschaftlich arbeiten, wobei das Leben auf dem Gut dem jugendlichen Geiste der Arbeiter angepaßt werden wird. Ferner werden eine Anzahl Kinder auf einem in der Umgebung von Berlin gelegenen Terrain an den Nachmittagen und an den Sonntagen mit Gartenbau und Gemüsebau beschäftigt werden, was später zur Einrichtung einer jüdischen Jugendgärtnerei führen soll. Es gilt