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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 9 · p. 609

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 9
Article
Die wirtschaftliche Lage der Juden in Galizien
Date
1917-01-01
Page
609 (sequence 2)
Language
German
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Die wirtschaftliche Lage der Juden in Galizien Diese Mängel haben die Aufmerksamkeit einiger Faktoren auf sich gelenkt welche sich für die Lage der Juden in Galizien und für deren Besserung interessieren. So hat die Baron Hirsch-Stiftung neben der Förderung des Volksschulunterrichtes und der Fortbildung Erwachsener für die Ausbildung jüdischer Handwerkslehrlinge Sorge getragen, welche sie bei befugten Meistern, zumeist außerhalb des Landes zu unterbringen suchte. An dieser Aktion nahmen auch der „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens", der „Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten", die „Baronin Klara von Hirsch-Kaiser- Jubiläumsstiftung" in Wien und der „Hilfsverein der deutschen Juden" in Berlin sowie manche Bne-Brith-Vereine durch Beaufsichtigung oder durch materielle Unterstützung teil. Im Laufe der Jahre wurden so über 4000 Jünglinge in den von den Juden bekanntlich stark besetzten Handwerken, wie vornehmlich im Schneidergewerbe, Tischlergewerbe, Klempnergewerbe und Schuhmachergewerbe unterwiesen, jedoch bloß ein Teil von ihnen dem Handwerksberufe im Lande tatsächlich zugeführt, da sie nicht immer den gesetzlichen Bestimmungen über die Gesellenprüfungen im vollen Maße entsprechen konnten und überhaupt entweder in den westlichen Ländern verblieben, oder nach Amerika auswanderten. Auch die J.CA, hat die berufliche Bildung der Juden Galiziens zu fördern gesucht, indem sie eine landwirtschaftliche Schule und Handwerkerschulen errichtete und überdies auch solche von anderen Institutionen erhaltene Anstalten subventionierte. Abgesehen von den seitens einzelner Gewerbekorporationen erhaltenen Fachschulen, welche für die Fortbildung der Gewerbetreibenden der betreffenden Gruppen überhaupt Sorge trugen, wurde die gewerbliche Fortbildung der Juden auch von manchen lokalen Faktoren und speziellen Stiftungen gefördert. Überdies bieten die von dem Landesausschusse, von dem seine Wirksamkeit auf Mittel- und Ostgalizien erstreckenden Gewerbeförderungsinstitut der Lemberger Handels- und Gewerbekammer sowie das analoge kommunale Kleingewerbeförderungs-Institut in Krakau durch Veranstaltung von Fachkursen auch den jüdischen Handwerkern Gelegenheit, sich technisch fortzubilden und mit den technischen Fortschritten vertraut zu machen, doch nehmen die jüdischen Handwerker an solchen Fachkursen nur geringen Anteil. Die berufliche Assoziation ist bei den Juden in Galizien schwach entwickelt. In den allgemeinen gewerblichen Zwangsgenossenschaften kann man überhaupt nur selten ein lebhafteres Interesse für die Förderung der wirtschaftlichen und Bildungsinteressen der Gewerbetreibenden und der Hilfsarbeiter finden. Die jüdischen Mitglieder und Angehörigen dieser Genossenschaften stehen nun ganz im Banne dieser Indolenz. Für besondere, freiwillige Organisationen, sei es zur bequemeren und billigeren Beschaffung von Rohstoffen oder zur Erleichterung der Produktion, zur Erleichterung des Absatzes der Erzeugnisse oder zum Zwecke der Beteiligung an öffentlichen Lieferungen haben die jüdischen Handwerker nur ^hr geringes Verständnis. Die^Versuche, die unternommen wurden, um derartige Assoziationen ins Leben zu rufen, sind zumeist wegen des Mangels an Gemeingetst erfolglos geblieben, bis auf einige wenige, welche jedoch von dem „Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens" und über dessen Bestreben von dem österreichischen Ministerium für öffentliche Arbeiten wirksam unterstützt wurden. Heft 9. 41

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