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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 9 · p. 608

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 9
Article
Die wirtschaftliche Lage der Juden in Galizien
Date
1917-01-01
Page
608 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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6o8 Abraham Korkis: DIE WIRTSCHAFTLICHE LAGE DER JUDEN IN GALIZIEN 6. Die obige Schilderung der Wirtschaftslage der Juden in Galizien bedarf noch einer gewissen Ergänzung durch ein Streiflicht über manche Momente, welche für die wirtschaftliche Betätigung von Bedeutung sind oder mit ihr zusammenhängen, wie das allgemeine und fachliche Bildungswesen, die berufliche Organisation, die kreditorganisatorische Tätigkeit und die Aktionen verschiedener Faktoren für die Besserung der wirtschaftlichen Lage der Juden in Galizien. Was zunächst die Elementar- oder Volksschulbildung der Juden in Galizien betrifft, so kann seit einer längeren Zeitperiode ein bemerkenswerter Fortschritt, allerdings mehr beim weiblichen als beim männlichen Geschlecht, festgestellt werden, der im wesentlichen auf die Wirksamkeit der von der Baron Hirsch- Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes Errichteten und erhaltenen Schulen zurückzuführen ist. Doch läßt die Elementarbildung der Juden, namentlich der männlichen Bevölkerung, noch manches zu wünschen übrig, was wohl daraus zu schließen ist, daß der Prozentsatz der schulbesuchenden jüdischen Kinder hinter dem Prozentsatz der Bevölkerung zurückbleibt. Ist die Elementarbildung überhaupt die unerläßliche Vorbedingung einer jeden beruflichen Tätigkeit, so erfordert die spezielle Betätigung in der Landwirtschaft, in Industrie und Gewerbe, sowie in Handel und Verkehr eine besondere fachliche Vorbildung, wie sie gewöhnlich in allgemeinen Landwirtschafts-, Handels- und Gewerbeschulen und in Spezialfachschulen geboten wird. Nun sind derartige Lehranstalten in Galizien überhaupt ziemlich dünn gesät und die Pflege namentlich des gewerblichen und kommerziellen Unterrichtswesens entspricht keineswegs den Bedürfnissen des aufstrebenden Landes. Da aber die Juden als vorwiegend städtisches Element in der Industrie und im Handel zahlreich vertreten sind, sollte man erwarten, daß sie einen entsprechenden starken Anteil an dem Besuche der Gewerbe- und Handels- und der Fachschulen haben. Dieser Anteil ist jedoch, was insbesondere die allgemeinen Gewerbeschulen und gewerblichen Fachschulen anbelangt, nicht nur sehr gering, sondern weist sogar einen starken Rückgang auf. Soweit die Juden Galiziens gewerblichen Unterricht genießen, geschieht dies fast ausschließlich in den gewerblichen Fortbildungsschulen, welche jedoch ziemlich geringe fachliche Kenntnisse vermitteln. Auch für das kommerzielle Bildungswesen zeigen die Juden Galiziens trotz ihrer intensiven Beteiligung am Handel kein größeres Interesse. Gleichwohl unterscheidet sich die Stärke ihrer Frequenz in den kommerziellen Lehranstalten in mancher Beziehung' von der Frequenz in den Gewerbeschulen. So entspricht der Anteil der Juden an den kommerziellen Fortbildungsanstalten ungefähr ihrem Anteil an den gewerblichen Fortbildungsschulen, hingegen ist der Prozentsatz der Juden in den höheren und besonders in den niederen Handelslehranstalten erheblich größer als in den analogen gewerblichen Schulen. Ferner läßt sich eine wachsende Beteiligung der Juden an den kommerziellen Unterrichtsanstalten, namentlich aber an den niederen konstatieren. Nichtsdestoweniger muß die kommerzielle Fortbildung der im Handel tätigen Juden als unzureichend bezeichnet werden.

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