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Der Jude · 1922-01-01 · Heft 8 · p. 571

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 8
Article
Der Marschalik besingt den Bräutigam
Date
1922-01-01
Page
571 (sequence 5)
Language
German
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Der Marsch alik besingt den Bräutigam „Charoteh g'doileh j'rozeh r'zoin haboireh". Taanen sich wider in ainem der Tales un Kittel un di Chagureh: „Mit uns alle drai Sachen mus doch der Mensch kumen zu Kwureh In der aibigen Direh". Iber dem ker dos der Mensch zu halten b'toroh uwischmireh, Iber dem ker dos der Mensch zu sogen b'kawoneh Thakdisch Pjoizrom B'nachas ruach b'ssofoh b'ruroh. Ain Chossen m'ssoirer zu sain koidem hachupeh is doch b'wadai a Choiweh. 57£ „Chaguroh" bedeutet: Charotoh g'dauloh j'rozeh rezaun habaureh,"*) Hängt wieder alles von „Talis" und „Kittel" und „Chaguroh" ab: Denn mit uns dreien geht der Mensch ins Grab, Ins oberste Zelt, Und so gehört es sich, daß der Mensch sich rein und bieder hält Und ferner schickt es sich, daß der Mensch mit lauterer Lippe die Heiligung Gottes spricht. Einen Bräutigam vor der Trauung zu ermahnen ist doch wahrhaftig unsere Pflicht. Der Marschalik (offenbar von „Marschall" abgeleitet, also ursprünglich Ordner, Leiter des Festes) ist der Lustigmacher bei den Hochzeiten. In Litauen kennt man mehr den Namen Badchen (vom hebräischen „bodauach": heiter sein). Als solcher sorgt er tatsächlich für gute Stimmung und Fröhlichkeit, indem er allerlei meist selbst verfaßte Lieder und Couplets zum besten gibt. Aber er ist auch in seiner Art der Geistliche und der Maggid des Hochzeitsfestes. Und als solcher ermahnt er Bräutigam und Braut und redet ihnen am Haupttage ihres Lebens ins Gewissen so eindringlich er kann. Von einer solchen Predigt (hier für den Bräutigam) geben wir oben ein Bruchstück wieder. Die Art ist die des Maggids, der ja sozusagen ein Talmudist aus dem Stegreif ist, einen Schnell- Talmudisten könnte man ihn nennen. Und dementsprechend ist auch der Inhalt ein Gemisch aus Sinn und Unsinn, aus angebrachten und unangebrachten Zitaten und einem tränenseliges Erinnern an die etwa verstorbenen Eltern des Brautpaares und anderem mehr. Die Wirkung aber bei dieser Zurechtweisung ist eine sehr starke. Die Frauen weinen und auch die Männer sind gerührt. Bei allem infolge der engen Verhältnisse Halb-Lächerlichen darf der höhere Zweck nicht verkannt werden. Er entspringt dem hohen Ernst des Juden, der bei allen Gelegenheiten, bei fröhlichen nicht zum geringsten, nach Ausdruck verlangt. — Die Singweise ist die der Festtags-Piutim, die durch ihre Klage dem sonderbaren Rezitativ einen religiösen Charakter verleiht. Begleitet wird der Badchen von den „Klesmorim", den Musikanten. Gewöhnlich sind es ein paar Geiger, ein Bratschist und ein Baß, manchmal auch ein oder zwei Holzbläser. A. N. *) „Wahrhafte Reue mildert den Willen des Schöpfers." 38*

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