Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Der Preis
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 510 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sio Robert Weltsch: noch andere Gewissenskonflikte für deutsche Beamte als den von Schettler erörterten —, sich entweder durch seine Obliegenheit bestimmen lassen oder ihr entsagen. Aber mutet ihm nicht zu, vorher ein Gewissensexamen abzulegen! Überlasset es ihm, ob er die Verpflichtungen eines Staatsbeamten auf sich nehmen will, und entscheidet er sich dafür, so lasset ihn sich bewähren. Aber dränget euch nicht in seine Seele! Im Anfang dieses Krieges erklärte der Staat unmißverständlich durch seine obersten Vertreter, nicht länger die Seelen seiner Bürger kontrollieren zu wollen, erklärte das deutsche Volk unmißverständlich durch seine geistigen Führer, die mit ihm verwachsenen fremdstammlichen und fremdreligiösen Elemente fortan als gleichen Rechtes mit sich selber betrachten und behandeln zu wollen. Nun aber werden mit einer Selbstgewißheit, als wäre solches nie geschehen, Seelenproben verlangt und Bedingungen aufgestellt. Hat man schon wieder „umgelernt"? War es nicht ein Anfang, war es nur ein Rausch? Wehe Deutschland, wenn es nur ein Rausch war! Martin Buber VOLK ODER PARTEI? I. Der Zionismus ist keine Partei; denn er ist das jüdische Volk. Diese These, die Moritz Bileski (im 4. Heft dieser Zeitschrift) als Resultat einer Analyse politischer Begriffe ausspricht, mag etwas Bestechendes haben, wenn auch die Deduktion in manchen Punkten anfechtbar erscheinen wird. Ich habe nicht die Absicht, Bileski auf das Gebiet rein logischer, oft terminologischer Untersuchung zu folgen; ich will also keine Polemik führen, sondern knüpfe um der Äquivokation willen, die mir eine Gefahr für den ideellen Gehalt des Zionismus zu sein scheint, an seine Ausführungen an. Nur einige Bemerkungen hierzu möchte ich parenthetisch vorausschicken. Wenn Bileski aus dem Begriff der Nation die logische Unmöglichkeit einer Existenz nationaler Parteien ableitet und sich dabei auf ein unglücklich gewähltes Zitat aus Delbrück stützt, so unterläuft ihm der verhängnisvolle Fehler der Gleichsetzung von Nation und Staat. Völlig unbegreiflich ist es dabei, wie man — in diesem Augenblick der Weltgeschichte! — von dem „für uns nicht in Betracht kommenden Ausnahmefall des Nationalitätenstaates" sprechen und die Ansicht äußern kann, das „pazifistische Ideal würde die Gegensätze der Nationen zu Parteigegensätzen herabmindern"! Als ob eine Minderung der Gegensätze dem Bestände oder Werte der Nation Abbruch täte und als ob die Politik die einzige Wirklichkeit wäre! Sicherlich ist eine Partei im landläufigen Sinne innerhalb des Staates die Vertretung eines Sonderinteresses, in einem national gemischten Staat ist aber der nationale Gesichtspunkt ein gleich wichtiges Scheidungsmerkmal, wie z. B. der wirtschaftliche, es gibt also auch nationale Sonderinteressen und deren Vertretung. Aber von dieser Tatsache können wir hier absehen; denn in unserem Falle handelt es sich offenbar um die Stellung des Zionismus im Judentum; daß Bileski auch die Parteigruppierung innerhalb des Zionismus zurückweist, ist ja keine logisch-