Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Arbeitergenossenschaften in Palästina [Rezension]
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 497 (sequence 4)
- Language
- German
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Zeitschriftenschau 497 schaften (Kwuzoth) berichtet. Er sagt: „Die Genossenschaften verdrängen die Verderber der jüdischen Arbeit — die Aufseher — vom Arbeitsfelde, sie übernehmen und führen die Arbeit auf eigene Verantwortung durch, sie zeigen den Arbeitgebern den Vorteil des jüdischen Arbeiters auch vom ökonomischen Gesichtspunkte aus, erobern dadurch feste Positionen für diesen und eröffnen dem jüdischen Arbeiter einen weiten Horizont für nationale und soziale Schöpfungen**. Er konstatiert, daß jene Kwuzoth, die aus dem seelischen Bedürfnis ihrer Mitglieder hervorgegangen sind, jenen überlegen sind, die ihre Entstehung der Übernahme einer bestimmten Arbeit verdanken. Zum Ausbau der Genossenschaften verlangt Harari einen „Wirtschaftsfonds" für Inventar, ihren Zusammenschluß zu einem Bunde, eine fachmännische Leitung und eine Kontrollkommission. Er legt dar, daß die Genossenschaft für die Ausbildung und das Wohl ihrer Mitglieder sorgt, so daß diese von dem Gefühl eines geordneten sozialen Zusammenlebens durchdrungen sind. Zu diesem Berichte ist zu bemerken, daß Harari nur die Okkupations- und Pachtgenossenschaften im Auge hat, die sich in Palästina gebildet haben, indes Wilkansky, der als leitender Agronom im Lande eine besonders große Erfahrung hat, seine Einwände nur gegen die Siedlungsgenossenschaft und in dieser speziell gegen den Großbetrieb und die Administration erhebt. Die weiteren zahlreichen Beiträge des interessanten Heftes beschäftigen sich mit anderen, die Arbeit des Nationalfonds betreffenden Fragen. Der Hauptzweck der Publikation, die Idee des Arbeitergenossenschaftswesens in Palästina kräftig zu fördern, wird sicher durch die angeführten wertvollen und instruktiven Beiträge über dieses Thema erreicht werden. Eine ganze Reihe von leitenden Gesichtspunkten können aus ihnen geschöpft werden: die Notwendigkeit des Systems der Arbeiter- Genossenschaften für die nationale Kolonisation, die richtige Art ihres Aufbaues und Ausbaues, ihren Kreditbedarf, die zweckmäßige Einteilung in gemeinsame und getrennte Bewirtschaftung, u. a. m. Ferner die für die Beurteilung der Ergebnisse in Palästina wichtige Tatsache, daß die Siedjungsgenossenschaft inMerchawja kein reines Blld der Ertragsfähigkeit der Siedlungsgenossenschaft geben kann, weil der Fehler gemacht wurde, ihr die Arbeit der Aptierung, in der sie noch heute steckt, aufzubürden. Zur Frage der benötigten Mittel äußert sich 0ettinger dahin, daß nach seiner Berechnung durch Bereitstellung eines Betrages von einer Million Francs 40 kleinere mit 15—20 oder 20 größere Genossenschaften mit 30—50 Mitgliedern mit Betriebsmitteln versehen werden könnten. Diese Summe für diesen Zweck aufzubringen — im Wege der Sammlungen für den schon bestehenden „Genossenschaftsfonds" des Jüdischen Nationalfonds — wird nach dem Kriege dank solch ausgezeichnetem Informationsmaterial, wie es die vorliegende Schrift ist, nicht allzu schwer sein. Die ersten Versuche können nur auf diesem Wege finanziert werden, denn es werden Jahre vergehen, bis die Genossenschaften ihre Rentabilität einwandfrei erwiesen haben werden und sich, auf diese gestützt, ohne Hilfe solcher Fonds werden Kredit schaffen können. Immerhin muß mit aller Energie dieses Ziel angestrebt werden, nicht nur im Interesse einer rascheren Ausdehnung der Kolonisation auf Grund der genossenschaftlichen Siedlungen, sondern auch deshalb, weil die Form, nach der ein „Fonds" den Arbeitern die Betriebsmittel leiht, zuviel Ähnlichkeit mit dem philanthropischen System hat, und die bekannten Nachteile einer solchen auch bei den besten Intentionen der Arbeitergenossen nicht gänzlich ausbleiben werden. Die in Europa bestehenden ländlichen Arbeitergenossenschaften haben alle ihren Betriebsfonds aus eigenen, wenn auch kleinen Mitteln geschaffen. In Palästina wird sich mit der Zeit etwas Ähnliches herausbilden, wenndieBetriebsgenossenschaften tatsächlich erst nach der Vollendung der Okkupation ihre Arbeit aufnehmen werden. Aber auch dann würden namentlich für den Ausbau von Pflanzungen und die sonstige notwendige Intensivierung der Wirtschaften größere Mittel nötig sein, als die Arbeiter jemals besitzen werden. Deshalb wird die Genossenschaft immer stark auf Kredit angewiesen sein, und diesen wird sie, wie es Oppenheimer von Anfang an betont hat, erst dann auf rein kaufmännischer Basis finden, wenn durch die ersten Versuche die Leistungsfähigkeit des Systems erwiesen sein wird. Adolf Böhm Heft 7. 33