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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 493

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Der Rabbiner und die Gemeinde
Date
1921-01-01
Page
493 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen 493 diesem Einwand der Kleingläubigkeit sieht sich jede ideale Forderung gegenüber. Ein Ideal ist kein Rechenexempel, das ohne Rest aufgehen muß. Es verw i rkliehen wollen und damit mutig beginnen, ist schon ein Erfolg, der weitere nach sich zieht. F. L. Bernstein (Pr. Stargard) Über das Taylorsystem*) i. Es ist immer „so eine Sache", wie man hierzulande sagt, wenn ein Dichter sich theoretisch-kritisch auf das schwierige Gebiet der Betriebslehre begibt. Mit reinen Gefühls- Urteilen kommt man dem Taylor-Problem nicht bei, wenn man in der Betriebslehre dieses Amerikaners schon ein neues Problem sehen will. Wer (wie ich) mitten in der Betriebs-Wirklichkeit steht, sieht das keineswegs darin, und er befindet sich damit in Übereinstimmung mit den besten Kennern dessen, was man, etwas oberflächlich, „Taylor-System" heißen kann. Was Max Brod gegen dieses anführt, läßt sich ohne Einschränkung gegen jegliche Arbeitsie istung vorbringen, die nach einer bestimmten Regel ausgeführt wird und deren ordnungsmäßige, dieser Regel entsprechende Leistung ohne Aufsicht und Zwang gar nicht denkbar ist. So schön ein bißchen Faulenzen und vernachlässigtes Arbeiten an sich sein mag, der Kampf ums Dasein ist nun eben einmal, leider Gottes, ein Kampf, und zwar ein harter und ernster! In ihm obsiegt nur der Mensch und das Volk, das aus den Schätzen des Bodens und der Natur die neuen Werte, die unsere heutige Kultur braucht, mit der geringsten Kraftausgabe in höchster Vollkommenheit erzeugt. Und das unterliegende Volk verarmt an allen lebensnotwendigen Werten. Dies und kein anderes ist das einzige Problem, um das es sich hier handelt, und um dessen Lösung führende Geister aller Zeiten sich bemüht haben. Friederick Winslow Taylor war einer aus deren Reihe, und er hat nichts anderes angestrebt und erreicht, als schon ein James Watt und in späterer und neuerer Zeit ein Werner Siemens und ein Emil Rathenau. Gewiß, als seinerzeit die Dampfmaschine und später der Elektromotor £fe Handarbeit mehr und mehr verdrängte *) Vgl. Max Brods Aufsatz „Zwei Welten" (S. 47—51 dieses Jahrgangs). und die körperliche Arbeit entgeistigte, da wurden ebenso harte Worte gegen die Technik laut, wie sie heute gegen Arbeitsteilung und weitere Mechanisierung der Arbeit gebraucht werden. Heute aber wissen wir, daß die Maschine der Menschheit Heil gebracht hat. Ebenso wird es eines Tages auch nicht mehr bestritten werden, daß die unaufhaltsame Weiterentwicklung auf dem beschrittenen Wege notwendig und segensreich war. Das war vor Taylor und ohne ihn der Fall und wird es auch in der Zukunft sein, ohne daß man dabei auf einzelne Führer und Leiter besonders hinzuweisen braucht. Max Brod meint, die mechanische Arbeit habe der Menschheit den Geist ausgetrieben! Wie man eine solche Behauptung im Zeitalter der drahtlosen Telegraphie, der Flugmaschine und des Unterseeboots aufstellen kann, ist mir unbegreiflich. Noch stehen wir mitten drin in der Entwicklung und im Übergang, aber wir sind doch schon so hoch gestiegen, daß wir uns ausmalen können, daß eines Tages jegliche anstrengende Arbeit von Maschinen geleistet werden und daß der Mensch nur noch Maschinenerfinder und Maschinenwärter sein wird. Liegt denn tatsächlich ein so großer zeitlicher Abstand zwischen der Zeit, in der der Mensch schwere Lasten auf seinem Rücken schleppen mußte, und der Zeit, in der er als der wahre Beherrscher des toten Stoffs etwa auf der Brücke eines neuzeitlichen Ozeandampfers steht und mit wenigen Handgriffen mühelos viele tausend Menschenlasten über die Meere trägt? Gewiß, dabei ist heute, da wir noch nicht die höchste Vollkommenheit im Maschinenbau erreicht haben, noch nötig, daß Menschen in der „Hölle" des Maschinenraums die Kessel mit Brennstoffen beschicken. Sehen wir aber nicht die Zeit schon vor uns, in der auch diese körperliche schwere Arbeit mechanisch verrichtet wird? Und was ist dagegen zu sagen, wenn für diese gegenwärtige Übergangszeit ein Meister der Betriebslehre, wie Taylor, Fingerzeige gibt, wie diese menschliche Kraft durch Ausschalten aller vermeidbaren Kraftverluste von möglichst wenig Menschen geleistet werden kann? Wenn er als Kernpunkt seiner Lehre immer wieder vor Uberanstrengung des einzelnen Arbeiters warnt, wenn er den Achtstundentag für ihn fordert, ihm richtig bemessene Erholungspausen zu geben verlangt und ihn so entlohnt, daß er nicht bloß seinen Lebensunterhalt sorglos bestreiten kann, sondern auch noch etwas übrig behält, damit er während der ihmbler

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