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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 471

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Die wirtschaftliche Lage der Juden in Galizien
Date
1920-01-01
Page
471 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Josef Meisl: Graetz und das nationale Judentum 471 Standes nach neuen Erwerbsbedingungen ausgeht, klarer begreifen zu können, muß untersucht werden, inwiefern in dieser Wanderung trotz des Geburtenrückganges eine relative jüdische Übervölkerung zum Ausdruck kommt. Zu diesem Zweck erscheint es notwendig, die berufliche und soziale Gliederung der jüdischen Bevölkerung in Galizien zu beleuchten. Lemberg Abraham Korkis (Fortsetzung folgt.) GRAETZ UND DAS NATIONALE JUDENTUM*) (Zum 100. Geburtstag, 31. Oktober 1917) * Uber den Geschichtsschreiber Graetz ist von seinen Freunden und Gegnern in allen Tonarten Lob gesungen oder Tadel ausgesprochen worden. Die einen preisen seine Gelehrsamkeit, sein vollendetes Wissen, seine Intuition und seine Kombinationsgabe, die ihn zu der großen Aufgabe, aus den wenigen Rohsteinen, die er zur Hand hatte, jenen Riesenbau der jüdischen Geschichte zu konstruieren, in besonderer Weise befähigten, die anderen bemängeln die unzähligen Lücken, Ungenauigkeiten, parteiische Entstellung von Tatsachen, Stilschnitzer usw., schelten ihn einen Phraseur, der keine Geschichte sondern Geschichten erzählt, werfen ihm grobe Plagiate vor u. dgl. m. Wer hat recht? Beide oder keiner. Wenn man von dem doktrinären Vernichtungsurteil, mit dem eine extreme Orthodoxie Graetz wegen seines ihr allzufrei dünkenden Wagemuts gegenüber den angeblichen Dogmen des Judentums zu verdammen für nötig hält, absieht, wenn man es sich ferner abgewöhnt, das Graetzsche Geschichtswerk an dem Maße moderner Methoden und moderner Historiographie zu messen, so wird man ungefähr den Standpunkt für eine gerechte Würdigung der Größe dieser Lebensarbeit eines einzigen Mannes, die unter den schwierigsten Verhältnissen ohne wesentliche Förderung von außen zustande kam, gewonnen haben. Graetz7 „Geschichte der Juden" bleibt trotz allem ein Standard work, eine unvergleichliche Leistung, eine nationale Tat. Denn sie ist weit weniger wissenschaftliches Verdienst, obschon auch darüber selbst die schärfsten Kritiker, die doch wenigstens von ihren Fehlern im einzelnen wie in der Anlage viel gelernt haben, nicht mit geringschätzigem Achselzucken sich hinwegsetzen dürften, sondern ein wahrhaft volkstümliches Buch, das, unerreicht in seiner Art, das Leben gewaltig beeinflußt hat. Ganze Generationen haben von den Brosamen, die sie dem Tische des Meisters entnahmen, gezehrt, und nicht wenig ist auch die in die nationale Bewegung mündende Aufklärung namentlich im Osten von dem Werke, vor allem in seiner hebräischen Bearbeitung, beeinflußt worden. Der Schlüssel zu dieser tiefgreifenden Einwirkung liegt in Graetz* eigenartiger Persönlichkeit, in seinem durchaus jüdischen Wesen, in seiner Gabe, Geschichte *) Ausführliches über Graetz' Geschichte und sein Verhältnis zu den jüdischen Tagesfragen enthält mein in diesen Tagen erscheinendes Buch: Heinrich Graetz. Eine Würdigung des Historikers und Juden zu seinem 100. Geburtstage 31. Oktober 1917 (21. Cheschwan).

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