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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 465

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Die wirtschaftliche Lage der Juden in Galizien
Date
1920-01-01
Page
465 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Die wirtschaftliche Lage der Juden in Galizien 4^5 Sachgütern mit sich gebracht hat und zweifellos eine nicht nur jetzt, sondern wohl für eine Zeitlang kaum zu überblickende Verschiebung der Grundlagen des Erwerbslebens der ganzen, insbesondere aber der jüdischen Bevölkerung nach sich ziehen muß. Wenn hier gleichwohl der Versuch unternommen wird, mit Hilfe des Ergebnisses authentischer statistischer Erhebungen sowie auf Grund besonderer Beobachtungen eine Schilderung der Wirtschaftslage der jüdischen Bevölkerung zu geben, so liegt ihm die Absicht zugrunde, nicht so sehr ein spiegeltreues Bild der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden Galiziens zu entwerfen, gewissermaßen ein Bild mit Kern- und Schlagschatten zu projizieren, als vielmehr in knappen Umrissen die für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage bedeutsamen demographischen und Siedlungsverhältnisse, die berufliche und soziale Gliederung der jüdischen Bevölkerung in Galizien, wie sie sich vor dem Ausbruch des Weltkrieges gestaltet haben, zu erfassen und zu beleuchten, die hervorstechenden Merkmale zu betonen, die als Entwicklungstendenzen bei dem Wiederaufbau oder richtiger der Erneuerung des wirtschaftlichen Lebens der galizischen Judenschaft in Betracht kommen, und unter Berücksichtigung der vermutlichen Wirkungen der kriegerischen Ereignisse auf die Lebens- und Erwerbsbedingungen diejenigen Postulate abzuleiten, welche sich für eine solche wirtschaftliche Wiederherstellung ergeben. Hierbei kann nicht außer acht bleiben, daß diesen Postulaten, die von Haus aus gegen starke Hemmungen zu kämpfen haben, mit dem Ende des gegenwärtigen Krieges wahrscheinlich früher nie vorausgesehene bedeutsame Erscheinungen politischer und ökonomischer Natur begegnen werden, die geeignet sein dürften, der Entwicklung des jüdischen Erwerbslebens eine bestimmte Richtung zu weisen. Es sei hier nur auf die Möglichkeiten hingewiesen, die sich durch die früher oder später, in welcher staatsrechtlichen Form immer, zu gewärtigende Neugestaltung der Grundlagen des ganzen politischen und wirtschaftlichen Lebens des Landes Galizien und mittelbar auch durch die Wiederaufrichtuug eines unabhängigen polnischen Staatswesens sowie durch die zu erhoffende dauernde Neubildung eines wahrhaft freiheitlich regierten und verwalteten Rußlands — namentlich als Ziel einer etwa wiederkehrenden jüdischen Auswanderung aus Galizien — eröffnen dürften. Es wird sich aus diesem Grunde bei der Formulierung von Postulaten für den Neubau des jüdischen Wirtschaftslebens nicht um kategorische Forderungen an äußere Faktoren, sondern vielmehr um eine Problemstellung handeln können, um die Erörterung der Aufgaben, die hierbei nach Wiederkehr des Friedens von den Juden selbst und ihren Organisationen unter Bedachtnahme einerseits auf die wirklichen Zustände und deren Entwicklungstendenzen vor dem Kriege und die durch den Krieg herbeigeführten Veränderungen und andererseits auf die wohl noch nicht absehbaren, doch in Umrissen sich von weitem zeigenden Möglichkeiten zu lösen sein würden. - 2. Zunächst soll auf einige, in der Regel wenig beachtete, doch mit dem Wirtschaftsleben in enger Wechselwirkung stehende und gewichtige demographische Erscheinungen, auf die Stärke und Entwicklung der Volkszahl der Juden in Galizien, als auf die Grundtatsachen hingewiesen werden, auf denen sich die wirtschaftlichen Machtverhältnisse, die Wahl des Standorts der wirtschaftlichen Betätigung und die Siedlungsverhältnisse aufbauen. Heft 7. 31

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