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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 464

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1920-01-01
Page
464 (sequence 8)
Language
German
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464 Abraham Korkis: genden Tages vorbereiten, oder welche die Jeschibah bereits absolviert haben, aber noch mit den ersteren zusammen ein Stündchen der Thora widmen. Mitunter schließen sich auch ältere Leute der Bachurimgruppe an. Hier weht der immerfrische, unverwüstliche Geist der Thora. Ein frommer Eifer verbindet hier zu gemeinsamem Ideal den jungen, erst in den Kampf des Lebens tretenden Bachur und den am Rande des Grabes stehenden Greis. In dieser von religiöser Weihe gehobenen Stimmung bemerkt man oft eine kleine Gruppe abseits am Ofen sitzen und bei gedämpftem Lichte in sichtbarer seelischer Erregung den Worten eines wandernden Chassid oder eines zugereisten „Erez-Jisruel-Jüd" (Jude aus Palästina) lauschen, der kabbalistische Erlebnisse und Wunder (Mofsim) von Zaddikim erzählt. Auf diese Weise werden — neben den Zusammenkünften bei den Zaddikim — die vielen kabbalistisch-chassidischen Legenden verbreitet und je nach der Gabe des Erzählers ausgeschmückt und erweitert. Damit das Feuer der Thora stets am Altare brenne und nie verlösche (3. Buch Mosis 6,7), wird dafür gesorgt, daß im Bet- und Lehrhause (Bet-hamidrasch) stets ohne Unterlaß „gelernt" werde. Es werden daher in einer jeden Gemeinde im Sinne der talmudischen Forderung (Talmud babli Synhedrin 17 b) 10 gelehrte ältere Leute, sog. Batlanim (d. h. die kein Geschäft betreiben) unterhalten, deren Aufgabe es ist, den ganzen Tag über in den öffentlichen, jedermann zugänglichen Bet-hamidrasch dem Thorastudium zu obliegen. Jeder Heimische oder Zugereiste, der über freie Zeit verfügt, kann ungestört sich ihnen anschließen und am „Lernen" teilnehmen. Aus diesen Batlanim rekrutieren sich oft die „Maggidim", welche nach dem Abendgebete oder am Sabbatnachmittag in den kleineren Bethäusern religiöse und gelehrte Vorträge halten. Baden bei Wien Samuel Rappaport DIE WIRTSCHAFTLICHE LAGE DER JUDEN IN GALIZIEN I. Eine Darstellung der wirtschaftlichen Lage der Juden in Galizien stößt im gegenwärtigen Zeitpunkte auf große, fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Erscheint die Erfassung der wirtschaftlichen Verhältnisse der zahlreichen jüdischen Bevölkerung in diesem durch eigentümliche Wanderbewegungen ausgezeichneten Lande schon an sich als eine ziemlich komplizierte Aufgabe, so erweist sich diese Aufgabe als beinahe unlösbar, wenn man bedenkt, daß dieses Grenzland seit nunmehr drei Jahren einen unmittelbaren Schauplatz des gewaltigen Krieges bildet, der schreckliche persönliche Blutopfer, grausame körperliche und seelische Demütigungen gerade der Juden, Verschleppungen in Feindesland, Vertreibungen von Haus und Herd, freiwilliges Exil und Verlassen von Hab und Gut vor dem drohenden Einbruch des Feindes sowie tiefgreifende Schädigungen an Bauten und Einrichtungen, Werk- und Betriebsstätten und Zerstörungen von

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