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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 443

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Die wirtschaftliche Bedeutung des Zionismus in der Türkei
Date
1920-01-01
Page
443 (sequence 7)
Language
German
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Die wirtschaftliche Bedeutung des Zionismus für die Türkei 443 Kampfe gegen die furchtbaren Augenkrankheiten, gegen die Schwindsucht und die ewigen Epidemien weit mehr als der vielleicht technisch überlegene europäische Arzt". Alles dies gilt für den jüdischen Arzt ganz besonders. So eröffnet sich für ihn in der Türkei ein weites Gebiet. Die Türkei braucht Menschen, Menschen vielleicht noch mehr als Kapital; starke Bevölkerungsvermehrung ist die Losung ihrer Politik. Sie ist in der glücklichen Lage, durch keine künstlichen Maßnahmen der Natur zu Hilfe kommen zu müssen. Wir wissen es ja: der Geburtenüberschuß ist nicht gering. Sie muß nur die negativen Faktoren beseitigen. Unterschätzen wir die Schwere dieser Aufgabe nicht. In Mitteleuropa ist man allzu leicht geneigt, zu glauben, daß unsere hygienischen Zustände in Kürze auf orientalische Verhältnisse übertragen werden können. So liegen die Dinge nicht. Eine Reformierung des gesamten Hygienewesens ist schwer, sehr schwer, aber doch lösbar. Einer Mitwirkung Europas in großem Stil steht die Türkei durchaus ablehnend gegenüber. Ob mit Recht, steht hier nicht zur Erörterung. Jüdische Ärzte, jüdische Wissenschaft werden sie in Palästina und in allen anderen Teilen des weiten Reiches unterstützen bei dem großen Werke, einen gesunden Bevölkerungsfortschritt zu erzielen, der conditio sine qua non für jede weitere Aufwärtsentwicklung, der wesentlichen Voraussetzung für ein gesundes Finanzwesen. III. Wie ist nun von diesen Gesichtspunkten aus die Stellung der Türkei zum Zionismus? Da ist zunächst zu bemerken, daß die Aufwendungen für die jüdische Kolonisation die türkischen Finanzen gar nicht belasten. Die jüdische Einwanderung nach Palästina wurde durch Juden finanziert. Die jüdischen Armen in Jerusalem, Tiberias, Safed wurden durch jüdische Spenden aus allen Weltteilen erhalten. Die Türkei brauchte für sie keinen Pfennig zu verwenden, während sie für die Muhadschier-Einwanderung und für das Weiterkommen dieser Mohammedaner ganz bedeutende Summen aufbringen mußte. Schon dies ist bei den mißlichen türkischen Finanzverhältnissen nicht zu verachten. Charakteristisch für die finanzielle Lage ist es vielleicht, daß bis zum Kriege — also auch unter dem jungtürkischen Regime — für den Ausbau der kulturellen Anstalten in Palästina so gut wie gar nichts getan worden ist. Was die Juden dort geschaffen haben, haben sie auf eigene Kosten geschaffen. Ich kann natürlich im Rahmen dieses Aufsatzes die kulturellen Leistungen der Juden nicht einer Würdigung unterziehen; es ist dies von berufenerer Seite geschehen; aber erwähnen wollen wir doch, daß durch Juden ein wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Schulwerk geschaffen worden ist, dessen vorläufiger Abschluß das Jaffaer Gymnasium*) bildet. Die Universität in Jerusalem wird wohl nach dem Kriege nicht mehr lange auf sich warten lassen, ebenso wie das Technikum in Haifa, das berufen ist, Techniker und Ingenieure, die das Land gebieterisch fordert, auszubilden. Die Leistungen der Juden auf dem Gebiete des Ärztewesens und der Hygiene haben wir bereits gewürdigt. Ihre Bemühungen um die wissenschaftliche Erschließung des palästinensischen Bodens — u. a. durch die landwirtschaftlichen Versuchsanstalten — werden die Tendenzen nach einer Inten- *) Seine Resultate werden auch in Europa anerkannt. Die Abiturienten dieser Anstalt Verden ohne weiteres auf europäischen Universitäten immatrikuliert.

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