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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 5-6 · p. 415

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Ein Bekenntnis
Date
1919-01-01
Page
415 (sequence 2)
Language
German
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Bemerkungen 415 nicht bloß vom äußern Spiel der launenhaften politischen Faktoren abhängig macht, der wird diesen Aufschwung in Amerika nicht allzu hoch einschätzen. Eine am fremden politischen Himmel aufsteigende Wolke wird manche aus der Schar dieser Heimkehrenden ebenso rasch vertreiben, wie sie der aufblitzende Hoffnungsstrahl in unsere Gefilde gelockt hat. Die wahre Bedeutung dieses Selbstbekenntnisses von heute wird aber dadurch nicht verkleinert. Wenn neue Schwierigkeiten uns entgegentreten werden und das Volk von neuem sein gleichgültiges oder sogar feindliches Gesicht aufsetzen wird, werden wir an dieses Bekenntnis denken. Von neuem werden dann sozialistische Denker unsere „messianische Utopie" als reaktionäre Phantasterei brandmarken, schöngeistige Landsucher werden von neuem das Land unserer Zukunft als das tote Land proklamieren, rhetorische Philanthropen werden uns von neuem vor Gefahren des Separatismus warnen, philosophierende Religionskundige werden uns mit Zitaten aus den Propheten wieder zu überzeugen suchen, daß unsere Tat einen Verrat an dem wahren Gehalt des Judentums und dem erhabenen Ideal des Fortschrittes darstelle, und das biedere Volk, das in Business und Tagespresse versunken ist, wird sich vielleicht von neuem über unsere Träumer und Märtyrer lustig machen. Wir werden uns dann an die Begeisterung von heute erinnern, da wir dem Volke in sein wahres Gesicht schauten und den eigentlichen Wert dieses ganzen Widerstandes erkannten: nicht als ob das Volk das von uns ersehnte Glück nicht für das seine und nicht für das wahre Glück hielte — es wagt bloß nicht, an dieses Glück zu glauben. R. Salman Unser Daseinszweck Die Judenfrage steht zur Diskussion. Die Juden sind auf dem Präsentierbrett: man komme und verfüge. Unsere Feinde wollen uns ausrotten. Unsere Freunde, die es gut nüt uns meinen, wollen uns entschuldigen — sie weisen uns eine Aufgabe zu, die unser Dasein rechtfertigen soll. Wir sind ja gar nicht schädlich, meinen unsere Freunde, sondern nützlich, nützlich für die Volksgesamtheit, in der wir leben. Ein beachtenswerter Mann unter diesen Gutgesinnten, Leopold von Wiese, hat es jüngst wieder (in den Neuen Jüdischen Monatsheften, Heft 13 und 14) unternommen, unseren Wert für das deutsche Volk darzutun. Er tritt lebhaft für ein enges Zusammenwirken deutschen und jüdischen Geistes ein; ja er hält es sogar für „wünschenswert, wenn sich der jüdische Einfluß in Deutschland noch erweiterte", und zwar „um die Folgen jener Unvollkommenheiten des deutschen Wesens zu verringern1', die er — in Verbindung mit ihren Vorzügen — darzulegen sucht. Welches ist nun der jüdische Geist, den Wiese gelten läßt? — Trotzdem er in einer langen Einleitung vom positivistischen Standpunkt aus alle geschichtsphilosophischen und völkerpsychologischen Deutungen als „idealistischer Herkunft", daher verdächtig, verwirft, schreitet er dann doch, mit Vorbehalten, an die Charakterisierung von Deutschtum und Judentum. Der Deutsche ist „einfacher, kindlicher, kräftiger, gesünder, einheitlicher, unbefangener, instinktsicherer", — er ist der >,Barbar" gegenüber dem Juden. Seine Schwächen bestehen darin, daß er „weniger Fähigkeit, Maß zu halten, geringeren Sinn für die Form und ein schwächeres Unterscheidungsvermögen besitzt". Reine Hingebungsfähigkeit, Gründlichkeit, Ernst, sittliche Größe werden nun ganz naiv (trotz der einleitenden Verwahrung) als deutsche Nationaleigentümlichkeiten vindiziert. Demgegenüber ist der Jude charakterisiert durch große Beweglichkeit des Geistes, selbständigen, elastischen Gebrauch des Verstandes. „Die Juden sind noch immer die Wechsler und Zwischenhändler des Geistes und erfüllen damit eine unentbehrliche Funktion im Kulturleben!" Wohl ist bei ihnen das Verständnis für seelische Tiefe zu finden, „jedoch selten derselbe Glaube an das Ideal und dieselbe fatalistische Hingabe an die Idee". Wachheit des Verstandes, Kritik, Ironie ist das geistige Wesen des Juden. Diese Art der Charakterisierung ist uns wohlbekannt: der prominenteste Vertreter war in letzter Zeit Werner Sombart, der ähnlich das Judentum lobte, während er es entstellte. Daß aber nach allem, was gegen Sombart und andere Autoren eingewendet wurde, heute noch ein Philosoph, der objektiv zu sein vorgibt, es wagen würde, mit dieser traurigen, von der obersten Fläche geschöpften Weisheit aufzutreten, hätte man nicht erwartet. Sagen wir es offen: alle sittliche Größe wird dem Juden abgesprochen. Er ist der commis voyageur des Geistes, der Rationalist, der seinen Verstand als Werkzeug

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