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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5-6 · p. 353

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Zur Geschichte der "Zionsliebe"
Date
1918-01-01
Page
353 (sequence 7)
Language
German
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Adolf Stand: Theodor Herzl und Baron Hirsch 353 großer Begeisterung, als er sah, daß sein Traum die besten jüdischen Köpfe beschäftigte und die edelsten jüdischen Herzen ergriff. Von jenem Augenblick an wurde die Palästina-Idee sein Lebensinhalt. Gutmacher war einer der ersten, die sich an die Spitze stellten, sich der Bewegung mit Leib und Seele hingaben und für sie energisch und mutig die verschiedenartigen Gegner bekämpften. Überglücklich fühlte sich Gutmacher, als in Frankfurt an der Oder 1861 die erste Palästinagesellschaft gegründet wurde. Mit Freudentränen streckte er ihren Gründern die Hände entgegen. Und als Moses Hess sein „Rom und Jerusalem" veröffentlichte, war R. Elijahu Gutmacher einer der ersten, die ihn herzlich und warm empfingen. Der große jüdische Gerechte und Kabbaiist begrüßte im großen jüdischen Sozialisten und Philosophen seinen Gesinnungsbruder. Diese beiden Antipoden vereinigten sich im festen Glauben, daß die Zukunft des jüdischen Volkes und seiner geistigen Güter nur in seiner Urheimat, in Palästina liegt. Als beinahe 80-jähriger Greis beschloß R. Elijahu Gutmacher in seinem Tagebuch die letzte Zeile seiner Seelenbilanz mit folgenden Worten: „Ich sterbe getrost; die Schechina hat Sehnsucht verspürt nach ihrem alten Geliebten; ich fühle, wie die zerfallene Dreisubstanz wieder vereinigt wird." Wilna S.L. Zitron THEODOR HERZL UND BARON HIRSCH In der ziemlich reichen Herzl-Literatur wurde bis jetzt, soweit ich mich erinnere, das Verhältnis Herzls zu Baron Hirsch keiner Erörterung unterzogen. Und doch ist es interessant und verlockend, über den Verkehr dieser zwei Persönlichkeiten einige Gedanken zu äußern. In den zionistischen Schriften Theodor Herzls werden leider diesem Gegenstand nur 17 Seiten gewidmet. Ich bin überzeugt, daß sich in Herzls Memoiren viel mehr darüber findet. Ich will auf Grundlage dieser Veröffentlichung in den Zionistischen Schriften Herzls und auch einiger persönlicher Bemerkungen, die mir Herzl über dieses Verhältnis machte, meine Meinung darüber abgeben. Herzl und Hirsch. Man kann sich kaum vorstellen, daß sich zwei schärfere Gegensätze je gefunden haben. Jeder Psycholog muß im vorhinein schon wissen, daß solche Individualitäten eine kurze Spanne Zeit höchstens miteinander sprechen, verkehren, S1ch anhören können. Eine Verständigung ist da ausgeschlossen. Herzl. Ein 35 jähriger Mann, ausschließlich Journalist und Künstler, geschäftljch vollkommen weltfremd. Seit Monaten beherrscht ihn eine große, eine neue Idee. Seine Gedanken bei Tage, seine Träume bei Nacht sind ihr gewidmet. Was außerhalb seiner Person vorgeht, hört und sieht er nicht. Sein Gehirn, sein Herz, seine Sinne, seine Nerven sind einzig auf diese Idee eingestellt. Nachdem sie bei ihm nach monatelanger schwerer Arbeit zur Reife gedieh, kommt der zweite, technische Teil. Es gilt sich mitzuteilen und mächtige verständnisvolle Leute zu finden, die ihm bei der Ausführung der Idee helfen sollen. He*t 5/6. 24

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