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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 4 · p. 288

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 4
Article
Zur Aussprache und Transkription des Jüdischen [Rezension]
Date
1917-01-01
Page
288 (sequence 4)
Language
German
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288 Bücherschau Zur Betonung genügt zu bemerken, daß Jüdisch zu den logisch-betonenden Sprachen gehört, d. h. immer die sinnbildende Silbe des Wortes betont. Dadurch sind die seltenen Abweichungen von der Betonung im Deutschen verursacht, so lebedik für lebendig. Zur praktischen Orientierung merke man sich, daß die hebräischen Wörter fast ohne Ausnahme auf der vorletzten Silbe betont werden. Es ist mir nicht möglich, über die Betonung slawischer und anderer Fremdwörter eine ebenso allgemeine Regel zu geben. Der Ton der Ursprungssprache wird beibehalten, soweit nicht der obigen Grundneigung der jüdischen Betonung entsprechend eine Verschiebung auf den Wortstamm stattfindet. Den Wortstamm erkennt aber der Volksmund bei entlehnten Wörtern durchaus nicht immer. In Polen dürften die slawischen Wörter in überwiegender Mehrheit auf der ersten Silbe den Ton haben (z. B. kapote, löpate). Welche der Aussprachen ist die richtigste"? Die Frage ist in dieser Form nicht nur müßig, sondern geradezu falsch. Alles Jüdische, was heute geschrieben wird, kann in jeder Aussprache gelesen werden. Die Orthographie nähert sich immer mehr diesem Utraquismus. — Vor vier Jahren machte eine Anzahl litauische Publizisten den Versuch, durch einfache Deklaration in dem Pinkes*) die litauische, speziell die wilnaer Aussprache für „richtig" und „literarisch" zu erklären. Man ist berechtigt, an der Zulässigkeit dieses Vorhabens zu zweifeln. Es ist weder *) Vgl. die Besprechung von F. M. Kaufmann im „Juden" I, Heft n. durch irgend eine objektive Notwendigkeit, noch durch das Zahlenverhältnis der verschiedenen Sprachgruppen der Judenheit bekräftigt. Denn nicht einmal die Hälfte aller Juden Rußlands sprechen das „Litauische", für Österreich-Ungarn und Rumänien kommt es aber schon gar nicht in Betracht. Literarisch könnte nur eine Aussprache heißen, die von einem Kongreß von Fachgelehrten für eine solche erklärt oder eklektisch zusammengesetzt wäre. So weit sind wir vorläufig noch nicht. Welche Aussprache soll man sich denn aneignen? Auch hier vermag ich nur zu antworten: Jene, die aus irgend einem Grunde vorgezogen wird, sollte lautrein erlernt werden. Dann fällt es nicht schwer, auch die anderen im Verstehen und Sprechen zu beherrschen. In der oben gebrachten Tabelle habe ich die Birnbaumsche neutrale Umschreibung etwas vereinfacht. So wie sie in der Freistatt geübt würde, stellte sie an den Transkriptor wie an den Leser Forderungen, die für Nicht-Spezialisten zu hoch sind. Auch der gewissenhafteste Transkriptor wird, soweit er das Jüdische nicht theoretisch und praktisch vollkommen beherrscht, der leider Gottes herrschenden teitschmerischen Orthographie einige Konzessionen machen müssen. Dann wird sich etwa der erste Satz des Lesestückes Nr. 10 von Strack so wiedergeben lassen: „In a stetil zwisen Sieradz yn Petrokow wojnt sint 30 jür der rebe, welacher farenfert di harbste säles, ale swere dinej küser ytrejfe nist blojs in sän stetil, nor in di wätste stet yn stetelach fyn Pojlen". Isaak Spielrein Berichtigung Inder Bemerkung „Prozeß Kranz", Heft 3, Seite 203, Spalte 1, Zeile 14 soll es statt „bereut" richtig heißen: „bereit". Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Max Mayer, Berlin W 15, Düsseldorfer StraBe 23. — Für Österreich - Ungarn: Dr. M. Pi äger, Wien I, Rotenturmstraße 22. — Verlag von R. Löwit, Berlin und Wien. — Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig-

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