Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Aussprache und Transkription des Jüdischen [Rezension]
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 286 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Bücherschau tionen ein:s einzelnen Dialektes haben auch andere — Saineanu, Gerzon u, a. — gebracht. Strack hat der Versuchung widerstanden, für seine Transkription die Richtigkeit zu beanspruchen. Es ist eine Wiedergabe der hebräischen Schriftzeichen durch lateinische, ungefähr so geschrieben, wie es etwa ein heute auferstandener Hebräer tun würde. Nur einiges ist dem Deutschen zuliebe umschrieben. Strack will aber auch nicht ein Bild des gesprochenen Jüdisch geben. Er ist nur auf eine leichte RückÜbertragung seiner Transkription in hebräische Schriftzeichen bedacht und verzichtet auf die Angabe der Aussprache. Er teilt nur mit, daß die Aussprache in den einzelnen Gegenden sehr verschieden ist. Dort, wo er doch versucht, eine Aussprache — die südliche — anzugeben, verfällt er in Irrtümer. Der Buchstabe 1 und 1 wird nämlich in jener Gegend nicht ü, sondern i gesprochen, >1 niemals au, sondern oj oder ou. Es erscheint daher angebracht, als Ergänzung des Strackschen Lesebuchs folgendes über die Aussprachen des Jüdischen mitzuteilen: die Mundarten des Jüdischen sind syntaktisch und nach ihrem Wortschatz bis auf wenige Abweichungen identisch. Sie unterscheiden sich für den Transkriptor im wesentlichen nur durch einige Vokale,*) wenn man von ganz lokalen Schwankungen, wie der nordlitauischen Aussprache des sch — ss, dem harten, halbvokalischen 1 in Litauen und dem weichen in Polen u. ähnl. absehen will. Der ganzen aschkenasischen Sprachgemeinschaft des Judentums ist, von hier nicht zu berücksichtigenden Variationen abgesehen, folgende Aussprache der Konsonanten gemeinsam: 2 b, 5 — w (fast nur in hebräisch-aramäischen Wörtern. Manchmal auch in Verbindungen, um eine Häufung von drei 1 zu vermeiden) J g, 1 d, H h,! in hebräischen und aramäischen Wörtern w, V) w,) s (wie in Sorge), 01poln. z, franz. > H ch (wie in doch), ü t, D (am Wortende "]) ch (wie in doch), 2 in hebr.- aram. Wörtern — k, t> — 1, 0 (am Wortende D) — m, J (am Wortende f) n, D ss, B p, D (am Wortende *]) f, Sf (am Wortende y) z, *) Außerdem bestehen musikalische Unterschiede zwischen dem singenden Tonfall des polnischen Jüdisch, dem harten, durchweg kurzem Sprechen der Litauer und der die Mitte zwischen den beiden haltenden Sprache des Südens. p — k, "1 r, sch, 'W in hebr.-aram. Wörtern ss, n in hebr.-aram. Wörtern ss, in hebr.-aram. Wörtern t. Für Vokale lassen sich drei Aussprachen unterscheiden: I. Die südliche (Podolien, Ukraina, Rumänien, Ungarn, Bukowina), II. Die polnische (Russisch-Polen,Galizien). III. Die litauische. Die Sprachgrenzen decken sich nur ungefähr mit den Grenzen der hier angegebenen Länder; sie sind bis heute überhaupt noch nicht genau erforscht. Jedenfalls umfassen die Aussprachen keine scharf abgegrenzten Territorien, sondern variieren schon ganz bemerkbar von Stadt zu Stadt, von Städtchen zu Städtchen. So bringe ich hier die Aussprache dreier Städte, die durch ihre zentrale Lage oder große Entfernung von Gegenden mit einer anderen Aussprache für typisch gelten dürfen. Und zwar wähle ich mir als den Typ für die südliche Aussprache Rostow am Don, für die polnische — Warschau, für die litauische — Wilna. Mit der rostower Aussprache spreche ich selbst. Die warschauer Aussprache hörte ich von meinem Vater, und verdanke der Freundlichkeit einiger Bekannten die Bestätigung meiner Kenntnisse. Die wilnaer Aussprache entnehme ich Saineanu*). Ich betone, daß die von mir angeführten Vokalismen nur Typen sind, die die Eigentümlichkeiten der betr. Aussprachen am schärfsten wiedergeben. Je weiter eine Ortschaft von der mir als Typ geltenden Stadt abliegt, um so größer wird in der Regel die Abweichung in ihrer Aussprache sein. Ich glaube die jüdischen Vokalismen dem deutschen Leser in der Weise am handlichsten darzubieten, daß ich in der nachfolgenden Tabelle neben der Birnbaumschen Transkription der Vokale auch ihren deutschen, nötigenfalls auch mittelhochdeutschen Ursprungsvokal anführe. Dadurch wird es dem Leser möglich, auch umgekehrt die richtige jüdische Vokalisation der bei weitem meisten deutschen Wörter selbständig zu finden. Nur so, d. h. aus der geschichtlichen Veränderung seines deutschen Grundstammes, kann die Vokalisation des Jüdischen richtig verstanden und erlernt werden. Die Vokale der hebräischen Wörter haben sich im Jüdischen ebenfalls der Vokalisation des deutschen Hauptwortschatzes assimiliert. *) L. Sainean, Essai sur le Judeo-Allemand in Band XII der Memoires de la Societe de Linguistique de Paris, 1901/2.