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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 4 · p. 244

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 4
Article
Rechtsstellung und innere Verfassung der Juden in Polen
Date
1917-01-01
Page
244 (sequence 12)
Language
German
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Moses Schorr: Rechtsstellung und innere Verfassung der Juden in Polen Anhang Wenn man die älteren Jahrgänge der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" durchblättert, wird man gar selten auf eine Abhandlung aus der Geschichte der Juden in Polen stoßen. Innerhalb der deutsch-jüdischen Forscher waren es — abgesehen von Grätz, der in seiner „Geschichte der Juden" allerdings der Bedeutung der polnischen Judenschaft, namentlich des XIX. Jahrhunderts, für die allgemeine Kulturentwicklung des Judentums nicht ganz gerecht wird — nur wenige, wie Joseph Perles und später Ph. Bloch M. Brann und Feilchenfeld, die das Gebiet der polnischen Judengeschichte mehr oder weniger befruchtet haben. Aber selbst unter den polnischen Juden war ihre Geschichte lange Zeit ein brachliegendes Feld. L. Gumplowicz, B. Kraushaar, M. Berson und M. Nußbaum haben zwar Darstellungen in größerem Rahmen versucht, die aber, bloß auf gedruckten Quellen aufgebaut, heute längst überholt sind. In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Forschungsmethode auf eine neue Basis, auf sorgfältige archivalische Studien, gestellt worden, die zunächst eine Reihe von wertvollen Einzelmonographien gezeitigt haben. Eine nicht unwesentliche äußere Anregung bot hier die vom Warschauer Mäzen Waw elber g im Jahre 1902 an der philosophischen Fakultät der Lemberger Universität geschaffene Preisstiftung für wissenschaftliche Arbeiten aus dem Gebiete der Geschichte der Juden in Polen. Einige vorzügliche polnische Werke sind bei dieser Wettbewerbstiftung ausgezeichnet worden, wie die „Geschichte der Juden in Lemberg im XVI. Jahrhundert" von M. Balaban, dem gegenwärtig rührigsten Forscher auf diesem Gebiete, „Wirtschaftsverhältnisse unter den Juden Polens im Mittelalter" von J. Schipper, „Jüdische Wojewod-Gerichte in Lemberg 1740—1750" von Pazdro, und „Geschichte der Juden in Przemysl" vom Verfasser der vorliegenden Abhandlung. Unter den russisch-jüdischen Forschern ist an erster Stelle der auch sonst als Historiker rühmlichst bekannte S. Dubnow zu nennen, der in der russischen Monatsschrift „Woschod" eine Reihe glänzender Monographien zur Kulturgeschichte der polnisch-litauischen Judenschaft veröffentlicht hat, daneben noch Berschadzki, Wischnitzer u. a. Als ein besonders erfreuliches Zeichen aber des stets wachsenden Interesses für die Geschichte innerhalb der polnisch- bzw. russisch-jüdischen Kreise selbst sind zwei Zeitschriften anzusehen, die speziell der Erforschung der Schicksale des jüdischen Volkes auf dem Boden des polnisch-litauischen Staates gewidmet sind: der in Warschau seit dem Jahre 1912 erscheinende „Kwartalnik poswiejcony historyi Zydöw w Polsce" (polnisch) und die seit dem Jahre 1909 in Petersburg redigierte Zeitschrift „Jewrejskaja Staryna" (russisch), welch letztere eine Reihe grundlegender Arbeiten aus den Gebieten der Wirtschafts-Verfassungs- und Kulturgeschichte der polnisch-litauischen Judenschaft aufzuweisen hat. Daß man auch bereits an eine synthetische Zusammenfassung der Gesamtgeschichte heute schreiten kann, beweist die jüngste, knapp vor dem Ausbruch des Krieges publizierte Arbeit „Historja Jewrejew w Rossyi"" als XI. Band einer auf mehrere Bände berechneten Geschichte des Gesamtjudentums in russischer Sprache. Dieses Werk, an dem mehrere Forscher (darunter Dubnow, Balaban, Schipper, Wischnitzer) mitgearbeitet haben, bildet nach Inhalt und illustrativer Ausstattung eine Zierde der jüdisch-wissenschaftlichen Literatur der letzten Jahre und würde es besonders gegenwärtig verdienen, auch den weitesten Kreisen des westeuropäischen Judentums durch eine Übersetzung zugänglich gemacht zu werden. Schließlich ist noch auf die russisch geschriebene „Jewrejskaja Encyklopedja" (16 Bände) zu verweisen, die eine Reihe von selbständigen zuverlässigen Artikeln, betreffend die Ostjuden in Vergangenheit und Gegenwart, Wirtschaft, Statistik etc.) enthält und in dieser Hinsicht die englische ,,Jewish Encyclopedia" bei weitem überholt. Das ist der Stand des heutigen wissenschaftlichen Betriebes auf dem Gebiete der Geschichte der ostjüdischen Judenschaft, in den allgemeinsten Umrissen skizziert. z. Zt. Baden bei Wien Prof. Moses Schorr

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