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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 3 · p. 176

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 3
Article
Zur Methodik des Hebräisch-Unterrichts in Westeuropa
Date
1917-01-01
Page
176 (sequence 2)
Language
German
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176 Henoch Glanz-Sohar: David Yellins Wirksamkeit in Palästina seit 28 Jahren ist auch hierin ein bedeutender Markstein, daß er als erster Pionier in Palästina Hebräisch lehrend zum Leben erweckte, wobei er gerade den eigenartigen Geist der Sprache in Wort, Schrift und Lehre zum Ausdruck brachte. Ihm ist es zu danken, daß die hebräische Sprachmethode sich nach der Eigenart des Hebräischen fortbildete, denn die Gefahr lag nahe, daß methodische Nachahmung europäischer Vorbilder den organischen Lebensvorgang zerstören werde. Seine Bücher „Lefi hataf" für Lehrer und Schüler sind Ausgangspunkt der späteren Lehrbücher, die heute bereits auf der hebräischen Muttersprache fußend, unbeschadet der Eigenart des Hebräischen methodisch modernisieren dürfen. Herzerfreuend wirkt in seiner Reinheit „Sifrenu", mit seinem bunten Farbendruck, seinen schönen Bildern, seiner lebensvollen Sprache und seinem ganzen Inhalte. (Es ist von Lehrern der Jaffaer Mädchenschule herausgegeben.) Eine Stufe tiefer steht die moderne Lehrweise Osteuropas, da ihr die natürliche Voraussetzung eines lebendigen Hebräisch mehr abgeht. Man merkt deutlich die Auseinandersetzung der historischen Überlieferung hebräischer Grammatiker mit modernen Grundsätzen der Sprachenmethodik. Die Ibrith-beibrith (Berlitzmethode) wird hier allmählich die herrschende des sprachlichen Unterrichts, nach ihr sind zahlreiche mittelmäßige, wenige bedeutende Lehrbücher geschrieben, von denen durch ihre Grundprinzipien hervorragen: Krinski: „Hadibur haibri", (1. Teil. Anschauungsbilder zur Worterlernung. 3. Teil ausgezeichnete inhaltliche Anordnung). Bregmann-Berkus: „Sefat jeladim" (für Kinderunterricht durch Spiel, Lied, Lustige Geschichten sehr anregend). Gordon-Grasowski „Hakriah wehaktiwah" (Druck und Schrift durchs ganze Lehrbuch.) Alle diese methodischen Entwicklung en sind für den Unterricht des Hebräischen in Westeuropa bisher ungenützt, zum Teil sind sie nur in geringem Maße hier anwendbar. Das für das deutsche Sprachgebiet bisher einzige Lehrbuch von Moses Rath, eben in zweiter Auflage erschienen, ist als Erstling jedenfalls verdienstlich. Die wesentlichen Probleme der hebräischen Sprachdidaktik in Westeuropa konnten in ihm noch keine Berücksichtigung finden, denn sie können überhaupt weder von der grammatischen, noch der Ibrith-beibrith- Methode ausschließlich geleistet werden*). Worin beruhte denn die Erhaltung der hebräischen Sprache? Trotzdem sie als Muttersprache für den weitaus größten Teil der Judenheit erstorben ist, begleitet sie den Juden bis hart an die Schwelle seelischer Assimilation, als die Sprache seines religiös-nationalen Schrifttums. Ihre Lebenskraft reicht aber nur so weit, wie die Bewußtheit des Judentums im Einzelnen. Hier weicht sie fremden, fremdsprachigen Gegebenheiten. Im Ostjudentum und in Palästina wird sie sich, gleichgültig in welcher Weise, durch die Lebenswärme der jüdischen Seele erwärmen lassen (auch ganz ohne methodische Beeinflussung). Im Westen aber müssen wir es ja begreifen, daß wir sie nicht Wort für Wort erlernen können, sondern im Geiste des Judentums erfassen müssen. Mag es hier einzelnen Wenigen gelingen, auf eine ganz zufällige ungeregelte Weise zum Ziele *) Dieser Aufsatz soll keine Kritik des Rathschen Lehrbuches sein. Im Gegenteil, er soll zur Unterstützung bestehender und noch etwa künftiger Lehrbücher durch Erörterung des Unterrichtsproblems beitragen.

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