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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 3 · p. 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 3
Article
Idee und Organisation
Date
1917-01-01
Page
175 (sequence 13)
Language
German
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Henoch Glanz-Sohar: Zur Methodik des Hebräisch-Unterrichts in Westeuropa Einiges von dem, was hier zu sagen versucht wurde, findet sich in einem Gedicht des aus Gemeinschaft einsamsten Dichters unserer Tage, Stefan Georges, wieder (in „Der Stern des Bundes"): Ergeben steh ich vor des Rätsels Macht, Wie er mein Kind, ich meines Kindes Kind . . Wie sein Gesetz ist, daß aus Erdenstoff Der Hohe wird und, eh ihn Tat versehrt, Mit Schmerz und Lächeln seinen Heimweg nimmt . . Wie sein Gesetz ist, daß sich der erfüllt, Der sich und allen sich zum Opfer gibt Und dann die Tat mit seinem Tod gebiert. Die tiefste Wurzel ruht in ewiger Nacht . . Die ihr mir folgt und fragend mich umringt, Mehr deutet nicht! Ihr habt nur mich durch ihn! Ich war verfallen, als ich neu gedieh . . Laßt, was verhüllt ist; senkt das Haupt mit mir: „0 Retter", in des dunklen Grauens Wind. Prag Albrecht Hellmann ZUR METHODIK DES HEBRÄISCH-UNTER¬ RICHTS IN WESTEUROPA Vor dem mendelssohnschen Zeitalter war auch in Westeuropa der Hebräisch- Unterricht ein wesentlicher Bestandteil des jüdischen Unterrichts, und demgemäß besaß er auch eine ausgebildete Methodik. Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß der Primitivität der alten traditionellen jüdischen Unterrichtsschule des mittelalterlichen West-, später Osteuropa eine ebenso primitive Lehrform entsprochen habe. Dieser Irrtum stammt von den „Aufklärern" aller Länder, von der mendelssohnschen Schule bis zu den französischen Allianceaufklärern der Orient- und Balkanjuden. Durch ihre Schuld kam es entweder zu einem jähen Abbruch der methodischen Eigenentwicklung oder zur Erstarrung der Methode. Eine Entwicklung derselben konnte sich in der Folge nur in Osteuropa vorbereiten, von wo in der Tat eine selbständige Weiterbildung hebräischer Sprachmethodik ausgeht. Diesen methodischen Neubildungen ist die Belebung der hebräischen Sprache als letztem Anstoß, zu verdanken, doch die alttraditionelle Lehrweise war die unbedingte Voraussetzung hierfür, an die man im Osten, in den Balkanländern, in Palästina anknüpfen konnte. Anders in Westeuropa, wo nur geringe, erstarrte Reste hebräischen Unterrichtes übriggeblieben sind. Hier muß vom Grunde aufgebaut werden, da kaum Trümmer des Hebräischen noch vorhanden sind. Es wäre verfehlt und übereilt, auf brüchigen Grund zu bauen. Im Folgenden sollen also Grundlagen für das hebräische Unterrichtssystem gezeichnet und der wesentliche Unterschied zwischen dem methodischen Erfordernis des Ostens und Westens betont werden. Wenn wir die methodischen Lehrbücher der hebräischen Sprache aus den letzten Jahrzehnten betrachten, so ergibt sich eine sehr erfreuliche Entwicklung, an deren Spitze Palästina steht, das bei der natürlichsten, durch das Aufleben der Sprache gestützten Lehrweise angelangt ist.

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