Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Ein jüdisches Soldatenlied
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 123 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein jüdisches Soldatenlied 123 EIN JÜDISCHES SOLDATENLIED Diesem Soldatenliede, das ein Kriegsprodukt ist und buchstäblich im Schützengraben entstand, diente als Vorbild sowohl textlich als auch musikalisch ein ukrainisches Soldatenlied. Ich habe dieses Lied gelegentlich meiner Einrückung im November 1915 von einem jüdischen und nachher auch von einem ukrainischen Soldaten singen gehört. Und es erscheint mir zweifellos, daß — wenn auch das Grundmotiv für beide Lieder dasselbe ist — sie doch dem Inhalte und der nationalen Eigenart nach grundverschieden sind. Diese nationale Eigenart kommt sowohl textlich als auch in der vollständig verjüdischten Intonation zum Ausdruck. Textlich vor allem, indem es den Familiensinn unseres Volkes zum Ausdruck bringt. Das ukrainische beschränkt sich auf den Soldaten allein. Laut der mir gewordenen Mitteilung meines Informators entstand das Volkslied aus vereinten Kräften einiger einfachen Soldaten, nachdem sie das ukrainische Lied gehört hatten. Der ursprüngliche jüdische Text soll der von mir wiedergegebene sein. Wie es aber die geschmeidige Art von Volksliedern überhaupt ist, die allerhand Variationen und Zutaten zulassen, so hat auch dieses trotz seines zeitlich kurzen Bestandes inhaltlich und musikalisch gewisse Abänderungen erfahren, die sich auf die verschiedenen Kriegsschauplätze beziehen. In der Singweise kommt die Abänderung beim Refrain: „Weh, weh!" zum Ausdruck, der von manchen mit „Weh, oj weh!" gesungen wird, was eine längere Dehnung, aber auch Modulierung des Tones verursacht, dabei aber dem Sänger eine kurze Atemholung gewährt. Die Melodie hat Herr Kapellmeister Kaiman Hirom aus Kolomea aufgenommen. Anselm Kleinmann Of de grine feider, weider, weh! weh! Of de grine felder, weider ligt mit kuglen bedeckt a seiner, weh! weh! Ligt mit kuglen bedekt a seiner. Yn sein kerper is ihm zerrissen, weh! weh! Yn sein kerper is ihm zerrissen, fyn seine wynden tit blyt flissen, weh, weh! Fyn seine wynden tit blyt flissen. Nischt kein urojn yn nischt kein mithe, weh! weh! Nischt kein urojn yn nischt kein mithe, nischt kein futyr yn nischt kein mytter, weh! weh! Nischt kein futyr yn nischt kein myter! Nor dus ferd dus getreie, weh! weh! Nor dus ferd dus getreie, dus bagleit ihm zy der lwajeh, weh! weh! Dus bagleit ihm zy der lwajeh! Nischt wer es sol noch ihm a kadysch sugen, weh! weh! Nischt wer es sol noch ihm a kadysch sugen, yn nischt wer es sol noch ihm a lecht ubtrugen, weh! weh! Nischt wer es soll noch ihm a lecht ubtrugen. Kymt a fojgel un zyflihen, weh! weh! Kymt a fojgel un zyflihen, of sein kewer sich ubrihen, weh! weh! Of sein kewer sich ubrihen!