Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Aus "Der Gerichtstag"
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 121 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus „Der Gerichtstag" 121 Die Leidenschaftlichen Mein Gott, es werden sein zu Deiner Rechten Nicht die Wahrhaftigen allein und die Gerechten! Nein alle, die in dreizehn Dezembernächten Vor einem Fenster standen. Und Frauen, die sich rächten Mit Vitriol und dann im Gerichtssaal ergrauten, Die Eifersüchtigen all, die ihr Blut stauten, In Droschken weinten, in Sälen sich erfrechten! Die durchgefallnen tiefen Atmer, Sänger, die mit bezechten Gliedern dem Tod sich in die Grube schmissen, Sie werden sein zu Dir emporgerissen, Und werden sitzen, Gott, zu Deiner Rechten! Es werden wandeln in Deinen Gärten Nicht nur die Demütigen und Beschwerten, Nein alle, die leuchteten und verehrten! Mädchen, die in Konzerten erkrankten, Weil ihre Wangen zu bleich sich verklärten, Blicke aus Augen, die dankten — Wahre Augen-Blicke zu nimmer verzehrten Dauern aus Zeit in Deine Zeiten gehoben, Werden sie lodern weiter und loben, Leichte Feuer wandelnd in deinen Gärten! Es werden ruhen, Gott, in Deinen Tiefen Nicht die allein, die Deinen Namen riefen, Nein alle, die in den Nächten nicht schliefen! Die am Morgen ihr Herz mit beiden Händen häuften Wie Flamme, und liefen Tiefatmend, blind in unbekannten Läuften, Ein Küsten-Wind zuckt in Selbstmörderbriefen. Die Knaben haben Meere nicht verstanden, So brannten sie sich ab in Hieroglyphen. Nun knarrt ein Rost-Schild an den schiefen Eisernen Kreuzen der Konfirmanden. Wie sehr wir hier sind, sind wir dort vorhanden — Die hier unruheten aus Deinen Tiefen, Sie werden ruhen dort in Deinen Tiefen.