Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Aus "Der Gerichtstag"
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 119 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus „Der Gerichtstag" 0 komm, so komm, Notwendigkeit, Zerwälze unsern Widerstreit! Stürz ein die Babel irrgetürmt, Daß überstirnt die Stirne stürmt! Und mein Ichbin heißt nun Ichmuß! Mein Sumpf ist Fluß und Überfluß! Triumph, mein Traum wird Trommelschlag, Und aller Tag ist Schöpfungstag! Phänomen Das Feuer sagt sich aus, es sagt sein Rauch, Der überall dem Urdreifuß entweicht. Die Blume singt sich aus dem Chaos-Strauch, Es singt der Wind den Sinn, dem er nur gleicht. Der nackte Baum, ein Gott und Erzprophet Grau in die Harfe aller Himmel greift. Sein Lied zerschweigt ihn, daß er starrer steht, Wenn ihn der Tausendfalter Schnees umschweift. Die Antilope ziert sich auf dem Grat, Wie Mädchen tritt durch das Gewölk ihr Wert. Und wüst verkündigt sich als Sumpf-Verrat Der Rüssel-Eber, der durch Forste fährt. Wir sind die Stummheit Gottes und er schweigt In schwachen Schwaden unsern Sinn durchs Haus. Wenn nun im Flur sich zart die Lampe neigt, Gestirnte Worte wandeln ein und aus. Schönheit Bist Du ein Mensch noch — Odem Gang und Sinnen, Du Mann nicht, Weib nicht, Stern nicht und Geschlecht? Was wählst Du gnädig, vor Dir hinzurinnen, Mich niedern Bach und Bettler ohne Recht? Ich wehe durch den Herbst, ein taubes Jnnen, Beruhigt, Weide, Rauch und Strohgeflecht. Tief bin ich leer, kaum Atem mehr, von hinnen, Sanftheit des Grases, rötlich Abend-Knecht.