Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Aus "Der Gerichtstag"
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 113 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Aus „Der Gerichtstag" HS Die Gänge sind voll Rauch, Die Feuer gingen aus. Von huschendem Besuch Ist Pfeifen da und Schatten, Flattern und Gefauch. Die Treppe spöttelt, Decke bröckelt, pfiffig tröpfelt was. Vielleicht blieb wo ein Sarg stehn, und man spürt es fast. In Modersälen schlecht verklebte Spiegel sind Vom starren Lächeln eines Eitlen blind. Aus Bodenkammern pfeifen Peitschen Nacht und Tag. Ein Lügner fehlt sich selbst Ist es gespielter Schlag? Ich weiß nicht. Nichts weiß ich, auch mein Geheimnis nicht, Das eures ist. Es wandert durch die Gänge kleingewürgtes Licht. Ein Mütterchen-Licht, das kein Wort spricht, Nur mahnt und weist und kreist wie um Mord . . . Weh zwischen uns steht Wort, Masse und Mauer aus dichtem Ort! Ich kann nicht zu Gott durch Wort. Fort aus dem Wort, Fort aus dem hallenden Haus. Wer eintritt kann nicht mehr hinaus! Es späht kein Spalt, es schallt kein Schein — Zurück! Betet! Wann wird es Leben sein!?! Gebet gegen Worte Ich flehe Dich an in dieser Stunde um Deine schneidendste Peitsche. Durch diese Zelle streue ich meine Schritte, immer bereit, Dir entwendet zu werden. Ein falscher Krampf in mir. Ich raffe meine Zerflüchtigung heran- Um Dich zu beschwören, um Dich zu durchbohren, flüstere ich: Wahrheit, Wahrheit, Wahrheit! Aber mein Geflüster ist Lästerung. Ich rolle nach anderem Gesetz. Wohl weiß ich: Wahrheit ist nur des Wahrhaftigen Wahl auf Erden. Wir sind erwählt oder verworfen durch unsre Geburt. So grauenvoll, grausam, hoffnungslos ist diese Welt. Wer versteht mich? Es muß gesegnet sein und ausgesandt, wer da kommt den Wurm zu bestehn. Sie saßen zu Gericht über uns, eh wir geboren wurden. Wir sind zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, Brüder! Wir haben wo Blumen gepflückt. Nun stößt sich unsere redliche Zunge an ihren Lügen wund. Heft 1/2. 8