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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 1-2 · p. 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 1-2
Article
Übertragungen aus dem Buche Sohar
Date
1917-01-01
Page
94 (sequence 2)
Language
German
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94 Ernst Müller: heiligen Wesen der Höhe und von denen, deren Aufenthalt hinter der „Mühle" ist*) die sich wälzen unter dem Vorhang der erhabenen Sphären, und erkannte er alle Dinge, die kommen sollten über die Menschen bis zur Zeit, da eine Wolke vom Westen sich erheben und die Welt verdunkeln wird. Er rief den Rabbi Jehuda, und sie begannen beide in der Urkunde zu lesen. Es reichte aber nicht, daß sie zwei oder drei Seiten gelesen hatten von jenen Zeichen und der erhabenen Weisheit ansichtig wurden, und sie gerieten erst langsam an die Geheimnisse des Buches, und wie sie miteinander davon redeten — da kam plötzlich eine Flamme und ein Windstoß, und das Buch war ihren Händen entschwunden. Da weinte Rabbi Josse und sprach: ,,Wehe, vielleicht war eine Schuld in uns! Oder wir sind überhaupt nicht gewürdigt, davon zu wissen!" Als sie zu Rabbi Schim'on kamen und ihm erzählten, was ihnen begegnet war, meinte er: „Vielleicht waren es Dinge der Messiaszeit, von denen euch die Zeichen Kunde gegeben haben?" Und sie sagten: „Wir wissen es nicht, denn wir haben alles vergessen!" Da fuhr Rabbi Schim'on fort: „Nicht ist es der Wille des Allheiligen, daß zuviel der Welt geoffenbart werde. Wenn es aber nahe sein wird den Tagen des Messias, werden kleine Kinder Schätze der Weisheit heben und Ziele und Wege darin kennen, und allen Menschen werden sie offenbar werden." Darauf bezieht sich der Schriftsatz (Zephania, cap. 3, v. 9): „Denn damals werde ich verwandeln den Völkern die Sprache in eine geläuterte. . ." Was heißt das: damals? Zu jener Zeit, da die Gemeinschaft Israels aus dem Staube erstehen, da der Allheilige sie aufrichten wird. Wie es heißt: ,Ich werde verwandeln den Völkern die Sprache in eine geläuterte, daß sie alle anrufen werden den Namen des Herrn und Schulter an Schulter Ihm dienen*. 2. Der Mensch und die Schöpfung Sohar, fol. 97a—b. Rabbi Chija begann seinen Vortrag mit dem Satze des Hohenliedes: ,,Die Knospen sind sichtbar geworden auf der Erde, die Zeit der Nachtigall ist gekommen und die Stimme der Turteltaube hört man in unserem Lande". Dies alles bezieht sich auf die Weltschöpfung. Damals nämlich setzte der Allheilige in die Erde das ganze Wesensheer des Wachsenden. Es war in der Erde, brachte aber keine sichtbaren Triebe hervor bis daß der Mensch erschaffen wurde. Erst als der Mensch erschaffen war, ward alles sichtbar in der Welt. Die Erde offenbarte ihre Triebe und damit die ihr anvertrauten Wesensheere. Auch der Himmel gab keine Wesensmacht der Erde, bis daß der Mensch erschien. „Und alles Gewächs des Feldes war noch nicht auf der Erde, und alles Kraut des Feldes war noch nicht gewachsen — - denn nicht hatte regnen lassen Gott der Herr auf die Erde und kein Mensch war da, den Boden zu bearbeiten". Verborgen blieben all jene Wesen, und auch der Himmel wurde in seiner Wirkung gehemmt, bis der Mensch erschien. Dann wurden sogleich ,,die Knospen sichtbar auf der Erde" — die verborgenen Wesen wurden offenbar. ,,Die Zeit der Nachtigall ist gekommen" — da wurde nämlich die Satzung der Lobgesänge vor dem Allheiligen *) Hiermit sind die den heiligen entgegengesetzten dämonischen Wesen bezeichnet, unter Beziehung auf Exodus, cap. 11, v. 5.

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