Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Der erste Satz der Bibel
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 93 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ernst Müller: Übertragungen aus dem Buche Sohar 93 Gott in seinen Mitteln, die Geist und Stoff, oder Leben und Tod sind, — in Ewigkeit ist Gottestat, die uns Menschen Leben und Natur bedeutet, — ewig, mächtig, wesenhaft, allgegenwärtig und faßbar ist Gott, — All-Dauer (Jahwe) All-Können (Schaddaj), All-Sein (Elohim), Allgegenwärtigkeit oder All-Raum (Mokaum). Und All-Ding, für welche Wesenheit uns ein geläufiger Gottesname fehlt. Nun dürfen wir zurückgehen und sprechen: Der Schreiber des ersten Satzes der Bibel hat wohl kaum an dies alles gedacht, was wir aus seinen Worten herauslesen. Er wird wohl fromm und einfältig gemeint haben: Am Anfang aller Dinge hat Gott den Himmel und die Erde geschaffen. Dem ist hinzuzufügen: Erstens ist nicht bewiesen und ausgedacht, was der empfunden, dessen Wort so heilig ward, daß es in zweihundert Sprachen übersetzt werden mußte. Endlich verhält es sich so: Ist ein Gegenstand alter Zeit so vollkommen, daß er zu unserm neuen Geiste wie am ersten Tage spricht, dann hat er auch all den Umlaut, der erst ein Ding lebendig sein läßt. Was wir dem ersten Schöpfungssatze entnommen haben, entspricht bestenfalls unserm Augenblick. Ein späterer Erläuterer wird anderes aus ihm entnehmen. Denn das Wort Gottes wächst wie die Welt, immer wird es neu und immer erhabener. Berlin Arno Nadel ÜBERTRAGUNGEN AUS DEM BUCHE SOHAR i. Das Buch in der Höhle Sohar, fol. 117b—118a. Eines Tages während des Diskurses sagte Rabbi Josse: „Wie lange, ach, ist es uns noch bestimmt, in der Verbannung hinzuleben bis zu jener fernen Zeit! Und alles hat doch wieder der Allheilige abhängig gemacht von der wahren Umkehr, ob die Menschen würdig sein werden oder nicht. Und so ist der Schriftsatz gemeint (Jesaia, cop. 60, v. 22): ,Zu seiner Zeit — ich werde es beschleunigen*. Sind sie würdig, so gilt der zweite, wenn nicht, der erste Teil des Satzes." Dann sagte Rabbi Josse: „In dieser Stunde erinnere ich mich, daß ich einstmals an dieser Stelle mit meinem Vater saß, als er zu mir sprach: Mein Sohn, ss ist dir beschieden, wenn deine Jahre sechzig erreichen werden, an dieser Stelle eine erhabene Urkunde der höheren Weisheit zu finden". Und nun ist die Zeit erreicht, und ich habe noch nichts gefunden, wenn nicht die (vorher) gehörten Worte eben jene Weisheit bilden. Er sagte aber auch: „Es wird eine Flamme zwischen deine Finger streichen, dann wird dir alles wieder entrissen sein". Und ich fragte: „Woran erkennst du dieses, Vater?" Sagte er: „An diesen beiden Vögeln, die dein Haupt überschweben". Während er aber so erzählte, fand Rabbi Josse sich plötzlich vor einer Höhle und erblickte ein Buch, das war am Ende der Höhle in eine Felsspalte gesteckt. Als er es hervorzog und öffnete, sah er jene zweiundsiebzig heiligen Buchstaben, welche dem ersten Menschen anvertraut worden waren — denn durch sie ward ihm Erkenntnis aller Weisheit von den