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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 1-2 · p. 58

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 1-2
Article
Rechtsstellung und innere Verfassung der Juden in Polen
Date
1917-01-01
Page
58 (sequence 8)
Language
German
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58 Adolf Böhm: ist auch im polnischen Recht selbst nicht durchgeführt. Es kreuzen sich eben all jene Einflüsse durcheinander, zeitweilig gewinnt der eine oder andere das Übergewicht, und das Ergebnis ist die stets lavierende Rechtslage der polnischen Judenschaft. Die Phasen dieser Rechtsentwicklung im einzelnen zu verfolgen ist Sache einer Gesamtdarstellung. Hier kam es uns nur darauf an, retrospektiv die Prinzipien festzustellen, welche für jene Entwicklung im ganzen Verlauf der Geschichte Polens richtunggebend gewesen sind. z. Zt. Baden bei Wien Prof. Moses Schorr SYSTEMATISCHE PALÄSTINAKOLONISATION In der Übersicht, die im ersten Jahrgang dieser Zeitschrift über „die jüdischen Positionen in Palästina" gegeben wurde, ist betont worden, daß die zionistische Organisation nach all der wertvollen Vorarbeit, die sie in den letzten Jahren in Palästina geleistet hat, erst vor ihrer eigentlichen Aufgabe stehe: eine planmäßige Ansiedlungstätigkeit größeren Stils zu entfalten. Die Aktualität, die Dringlichkeit und die Wichtigkeit dieser Arbeit sind infolge der grundstürzenden Änderung der Gesamtlage des jüdischen Volkes durch den Krieg außerordentlich gesteigert worden. Nie zuvor ist es so unmittelbar fühlbar gewesen, wie sehr dem jüdischen Volk jeder Rückhalt, jede Möglichkeit einer aktiven Beeinflussung seines Schicksals fehlt, wie im Laufe des Kriegs. Die Einsichten, die durch Jahrzehnte von den Zionisten mit geringem Erfolg unermüdlich zu verbreiten gesucht worden sind, haben durch die Ereignisse eine traurige Bestätigung erhalten, sie sind so augenfällig geworden, daß man annehmen könnte, diese drei Kriegsjahre müßten das politische Denken des jüdischen Volkes viel weiter gebracht haben, als vordem Jahrzehnte. Der Weltkrieg hat überall die wirklichen Machtverhältnisse bloßgelegt, er hat das jüdische Volk gelehrt, zu begreifen, daß es vor der Schicksalsfrage nach Sein und Zukunft kein Entrinnen, kein Flüchten in irgend eine Lebenslüge gibt, und daß ein Volk diese Frage nur dann lösen kann, wenn es all seine Kraft zu einer großen, einseitigen Anstrengung vereinigt unter Zurückstellung alles dessen, was nicht unmittelbar dem einen, wichtigsten Ziele dient. Bis zum Kriege ist es um die politische Reife des jüdischen Volkes herzlich schlecht bestellt gewesen. Das zeigt sich deutlich in der Geschichte des Werdens der zionistischen Organisation, ihrer äußeren und inneren Geschichte. Von außen wurde der Zionismus fast überall als „eine" unter den vielen Strömungen im Judentum angesehen, ein Beweis dafür, daß die Judenheit die einzige zielbewußte, auf das Grundproblem seiner Existenz eingestellte politische Richtung, die sie besitzt, in ihrem Wesen gar nicht erkannte. Selbst in jenem jüdischen Lager, wo dies noch einigermaßen der Fall war, in dem der streitbaren Assimilanten, glaubte man wunders wie politisch zu sein, wenn man zwar den nationalen Charakter der Bewegung scharf bekämpfte, aber den Gedanken der Palästinakolonisation gnädig gelten ließ. Man verstand nicht den untrennbaren

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