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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 1-2 · p. 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 1-2
Article
Der jüdische Kongress
Date
1917-01-01
Page
16 (sequence 14)
Language
German
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i6 Apolinar Hartglas: Schon jetzt müssen die Vorbereitungen hierzu sowohl in Amerika als nicht minder in Europa begonnen werden. Deutsche und Polen mosaischer Konfession, die heute mit den amerikanischen Millionen ihre Mildherzigkeit betätigen, werden auch nach Friedensschluß suchen, sich zwischen die Juden Amerikas und die Europas zu schieben. Das muß um jeden Preis verhindert werden, soll nicht die Unternehmung, die die größte Volksenergie ^auszulösen geeignet ist, wie alles, was von dem Starrkrampf der Assimilation erfaßt wird, zuschanden werden. Haag Leo Chasanowitsch DIE KRISIS DES POLNISCHEN JUDENTUMS Das Werden neuer politischer Verhältnisse im Osten Europas, die Erneuerung Polens, die Entstehung einer deutschen Hegemonie unter den Völkern des westlichen Slawentums, die Spaltung des einen großen osteuropäischen jüdischen Ghettos — alle diese Erscheinungen des gegenwärtigen Geschichtsaugenblicks nötigen den national und ehrlich denkenden Juden zu einer kritischen Schau in die Vergangenheit und zur mutigen Vertiefung in das dämmerige, verworrene Dickicht der Möglichkeiten. Insbesondere den polnischen Juden, denn nirgends geschehen jetzt so „große Dinge" wie in Polen.*) Und da erhebt sich vor dem polnischen Juden eine Reihe von Problemen. Ich will nicht sagen, daß wir vor der Frage Sein oder Nichtsein stünden. Nein, so weit ist es wenigstens noch nicht. Zu alt und zu groß ist unser Volk, zu furchtbare Marterlose hat es durchlitten, als daß sogar dieser Augenblick sein, oder auch nur jenes großen Teiles von ihm, den die polnische Judenheit bildet, Schicksal entscheiden könnte. Ein Volk, das weder dem Schwert der römischen Zäsaren noch der spanischen Inquisition erlag, das aus Kreuzzügen und Pogromen im Kern unversehrt hervortrat, — solch ein Volk kann nicht untergehen. Und doch stehen wir vor einer folgenschwangeren Stunde. Polen erneuert sich, Polen kehrt zum staatlichen Leben zurück — wer, sollte man meinen, kann diese Botschaft freudiger vernehmen, als das seit Jahrtausenden gepeinigte jüdische Volk? Der ,,Christus der Völker" ist auferstanden — muß der Lazarus der Völker das nicht am tiefsten fühlen und ehren? Denn wer versteht den Elenden so gut, wie der noch elender ist als er? Und doch steht die jüdische Nation mit düsterem Sinnen und einer irren Frage vor der Erscheinung des auferstehenden Polens. Sie fragt, ob wirklich der Judenboykott Blut und Seele des polnischen Volkes verseucht und die alten Losungen der Freiheit und Gleichheit, die Überlieferungen auch jenes verhältnismäßig unfernen Tages erstickt hat, als der polnische Insurgent in den Wäldern sang: „Zu den Waffen, ihr Völker, es ist an der Zeit". Unlängst erst beging ganz Polen wie ein Mann, ohne Unterschied, Jude wie Nichtjude, in freudigem Rausch im Zeichen des Weißen Adlers die Maifeier, — und (dann, dann kam die Schikanierung der Juden im Warschauer Stadtrat ... *) Der Aufsatz ist in der ersten Februarhälfte geschrieben, aber verspätet in unsere Hände gelangt. (Anm. d. Red.)

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