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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 1-2 · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 1-2
Article
Der jüdische Kongress
Date
1917-01-01
Page
9 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Der jüdische Kongreß 9 „Die Palästinafrage kann in die Tagesordnung einer allgemeinen jüdischen Veranstaltung nur im Rahmen der oben umschriebenen Plattform eingeschlossen werden. „Die Nationale Arbeiterkonvention beauftragt daher ihre Verwaltung, sich an der Konferenz der nationalen jüdischen Körperschaften zu beteiligen, die einen allgemeinen jüdischen Kongreß von demokratisch erwählten Vertretern der lokalen Organisationen einberufen soll. Die Delegierten des Nationalen Arbeiterkomitees stimmen bei dieser Konferenz für einen Kongreß mit einer Tagesordnung im Sinne dieser Resolution." Die gefaßte Resolution ist im großen ganzen ein glücklicher Kompromiß, bei dem sich keine Seite etwas vergeben hat. Die nationalen Forderungen in bezug auf die Golus-Länder lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Forderungen der freien Einwanderung und Kolonisation und der nationalen Selbstbestimmung in Palästina werden als Teil des Gesamtprogramms verstanden, genügen aber auch den Bedürfnissen der zionistischen Bewegung. Welcher Wert jeder der aufgestellten Forderungen für die jüdische Zukunft beigemessen wird, ist eine Sache der persönlichen Auffassung, für die internationale Welt aber, von der die Rechtsgarantien gefordert werden, ist es gleichgültig. Die Verwirklichung des Zionismus ist ja Sache des jüdischen Volkes selbst; was wir von den anderen Völkern erwarten dürfen und fordern können, ist Wohlwollen und die Beseitigung der äußeren Hindernisse, die der Betätigung der jüdischen Volksenergie im Wege stehen. Alle Klippen konnten dadurch vermieden werden, daß man kein nationalpolitisches Glaubensbekenntnis, das hier nicht am Platze wäre, verkündete, sondern sich darauf beschränkte, Richtlinien für eine politische Aktion zu bestimmen. Was der angenommenen Plattform einen unschätzbaren Wert verleiht, ist die dem progressiven Gehalt der jüdischen Nationalidee entsprechende Tatsache, daß sie in den Prinzipien der Demokratie fest verankert ist. Auf der Grundlage dieser Plattform konnte der nationalsozialistische Flügel der Beschränkung der Kompetenz des Kongresses zustimmen. Die Nationale Arbeiterkonvention, die in der Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung einzig dasteht, beging aber einen verhängnisvollen Fehler: sie vertraute die Durchführung ihrer Beschlüsse Männern an, die sich wohl in der festartigen Stimmung der großen Versammlung für einen Moment über sich selbst erheben konnten, die aber in ihre kleinliche Parteipolitik zurückfallen mußten, sobald der Beifallssturm verrauscht war und man sich der Alltagsarbeit wieder zuwandte. Die Poale-Zion und ihr Anhang, von dem unerwarteten Entgegenkommen der bisherigen Gegner geblendet, legten wenig Gewicht auf die Art der Zusammensetzung der Exekutive, des Nationalen Arbeiterkomitees, indem sie sich mit einer bescheidenen Vertretung begnügten. Daher kam es, daß der Herbst 1915 und der darauf folgende Winter fortwährend Enttäuschungen brachten, bis sich die Poale-Zion im Februar 1916 gezwungen sahen, ihre Vertreter im Nationalen Arbeiterkomitee zur Mandatniederlegung zu veranlassen und wiederum gegen dieses den Kampf aufzunehmen. Die Mehrheit des Vollzugsausschusses des Nationalen Arbeiterkomitees begann nämlich bald nach der Konvention eine verdächtige Politik zu treiben. Unter dem Vorwand, zwischen dem Organisationskomitee für den jüdischen Kongreß und dem American Jewish Committee zu vermitteln, um eine Einigung herbeizuführen und das Zustandekommen des Kongresses zu ermöglichen, förderte sie unter der Hand die Politik des A. J. C, indem sie seinen Wortführern den Glauben

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