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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 1-2 · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 1-2
Article
Der jüdische Kongress
Date
1917-01-01
Page
7 (sequence 5)
Language
German
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Der jüdische Kongreß 7 gelegenheiten nicht überlassen könne, weil die unberufenen Volksvertreter „wie ein Stier in einen Porzellan-Laden" einbrechen würden. Diese Rede hatte das eine Gute, daß sie vor aller Welt den volksfeindlichen Charakter der im A. J. C. politisch vertretenen Assimilantenkreise, welche die jüdische Politik als ihre Domäne betrachten, enthüllte. Die Gemeinde-Konvention konnte über die Kongreßfrage nicht schlüssig werden und bestimmte, einen Monat später zu einer außerordentlichen Tagung zusammenzutreten, um die Frage wieder zu behandeln. Am 23. Mai fand diese Versammlung statt. Nach einer großen Redeschlacht wurde mit Mehrheitsbeschluß bestimmt, dem A. J. C. zu empfehlen, dem Kongreßplan zuzustimmen, aber selbständig nichts zu unternehmen. Damit hat sich die Neuyorker Kehilla, diese angeblich demokratische Institution, als Vasallin der zahlungsfähigen Assimilantenpartei entpuppt und aus der Kongreßbewegung ausgeschaltet. Der Sommer und der Herbst 1915 waren eine Periode der lebhaftesten politischen Auseinandersetzungen der amerikanischen Juden. Die Kongreßbefürworter, deren Zahl bedeutend angewachsen war, empfanden immer stärker die Notwendigkeit der Mobilisierung der Volksmassen und setzten die Propaganda mit vervielfachter Kraft fort. Eine Reihe großer Organisationen sprach sich auf ihren Jahresversammlungen zugunsten des geplanten Kongresses aus, so der Independent Order Brith Abraham, die Vereinigung orthodoxer Juden und am 27. Juni auch das Provisorische Zionistische Komitee unter Führung von Dr. Sch. Lewin und Louis D. Brandeis, dem jetzigen Mitglied des Obersten Reichsgerichts. In Brandeis hatte die Bewegung eine Persönlichkeit von allgemeinem, hohem Ansehen und großem politischem Einfluß gewonnen, so daß Louis Marshall und Konsorten sich unbehaglich zu fühlen begannen. Als die in die Neuyorker Jüdische Gemeinde gesetzten Hoffnungen sich als illusorisch erwiesen hatten, taten sich Mitte Juni mehrere große Organisationen zusammen und setzten ein Organisationskomitee zur Einberufung des Kongresses ein. Das American Jewish Committee, einsehend, daß es Ernst wurde, machte nun eine Geste des Entgegenkommens und stellte dem Kongreßplan den Plan einer vertraulichen und beschränkten Konferenz der jüdischen Organisationen entgegen. Das Rückgrat unserer sogenannten Aristokratie wurde durch die Haltung der offiziellen jüdischen Sozialisten gestärkt. Um den Kongreßgedanken in die Arbeiterschaft zu tragen, bildeten die Poale-Zion und ihre Freunde ein Nationalsozialistisches Agitationskomitee und gaben eine spezielle Wochenschrift „Der Kongreß" heraus. Die „Vorwärts"-Garde, namentlich die Jüdische Föderation der Sozialistischen Partei unter der Leitung während des Krieges zugewanderter Bundisten hatte eine Gegenmobilisation begonnen. Sie überschütteten dabei die „Klal-Jisroel-Politik" des nationalsozialistischen Flügels mit giftigem Spott, konnten sich nicht genug tun in Warnungen vor der „zionistischen Gefahr" und in sinnlosen Verdächtigungen. Sehr bezeichnend ist es jedoch, daß diese importierte, an die Periode der russischen Revolution erinnernde Methode der olemik den alteingesessenen Arbeiterführern, die die amerikanische Schule urcngemacht hatten, keineswegs zusagte. Sie waren es auch, die in der „Vorwartsu-Association eine positive Stellungnahme zum Kongreßgedanken durchsetzten. Als die Bundisten ihren Mißerfolg sahen, gaben sie den Kampf gegen en KonSreßgedanken an sich auf, forderten jedoch Bürgschaften gegen eine

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