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Der Jude · 1917-03-01 · Heft 12 (März 1917) · p. 851

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 12 (März 1917)
Article
Von deutschen Jüdinnen
Date
1917-03-01
Page
851 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen 851 nicht davon, schwankende, tiefbewegte Seelen durch die Kraft eurer Liebe zu sonnigen, sicheren Mädchen zu machen? Existierte jener von Sachs gezeichnete Durchschnittstyp, dem nichts fehlt als frohe Gegenwärtigkeit und gefühlssichere Heiterkeit, dann wären unsere jungen Juden — Volksverbrecher, wenn sie nicht diese Mädchen mit der ganzen Kraft ihrer Seele suchen wollten ... Bei der Schilderung des schlimmsten jüdischen Mädchentyps, der Begabt-Oberflächlichen, wird Sachs positiv und klar. Wir sehen und verwerfen mit ihm jene schillernden, glatten, vielseitigen, seelenlosen Jüdinnen der Großstadt. Warum er diesen armseligen Jüdinnen aber übel nimmt, daß sie eine Tätigkeit ausüben, versteht man nicht. Er verargt ihnen auch noch ihre einzig gute Eigenschaft: daß ihr wirtschaftlicher Beruf nicht ihr Lebenszentrum ist! Wären diese Mädchen, ohne Beruf, weiblicher oder gar jüdischer? Nein, Herr Sachs: die Quelle der Unjüdischkeit und Unweiblichkeit liegt nicht in einer Berufsausbildung. Weiß der Verfasser wirklich nicht, daß es vor dem Kriege einen gar nicht dekorativen Überschuß von Frauen gab, und daß es später einen noch größeren geben wird, der einfach arbeiten muß? Die westliche Jüdin wird die „bedenklichen Wege" noch viel unbedenklicher gehen müssen, auch wenn ihre Neigungen urweibliche, einfache sind. Doch selbst für diese Sorte Mädchen, die Sachs richtig schildert, die ohne Ideale, Volksgefühl, Religion — ist dennoch das weibliche Ziel, Mann und Ehe, ihr Traum und Lebenszentrum. Die Wurzellosigkeit, Entartung, die Hinneigung zur Äußerlichkeit der westlichen Jüdin hat einen ganz anderen Ursprung als den einer Berufsausbildung. Schildert Sachs die berufsbefreiten, sorglosen, reichen Jüdinnen nicht noch schwärzer? Und das mit Recht! Sind die etwa weiblicher und jüdischer? Alle Übel sämtlicher Jüdinnen wurzeln in einer halben, unklaren und unentschiedenen jüdischen Erziehung. Die nächsten, die letzten jüdischen deutschen Mädchengenerationen werden sich entscheiden müssen! Wie aber ein junger nationaler Jude befürchten kann, daß die intellektuellen Berufe der Schwestern sie ihrer tiefsten Weiblichkeit entfremden können, ist schlechterdings unverständlich. Was für Frauen und Mädchen waren es denn, die Unschätzbares, Unwägbares, meist unbekannt und namenlos für ihr jüdisches Volk vollbrachten? Russische Studentinnen (meist im Westen ausgebildete) waren es, die mit zu den ersten Einwanderern und Arbeitern, zu den Märtyrern der Bilu gehörten. Wer schuf die männlichste Institution, die der Schomrim, in Palästina? Eine Studentin, die dafür werbend durch das Land ritt! Wer verließ behagliche Studierzimmer, geschütztes Familienleben, um Feldarbeiterin und schwer arbeitende Hausfrau in Palästina zu werden? Die russische Studentin! Sind die Westlerinnen derselben Kulturstufe etwa anders? Wer lebt in Palästina von westlichen Jüdinnen? Krankenschwestern, Turn- und Sprachlehrerinnen, Musikerinnen, Kindergärtnerinnen, Gartenbaulehrende, die zogen hinüber. Frauen ohne Kenntnisse hätte man gar nicht brauchen können. Sind diese Frauen ihrer tiefsten Weiblichkeit entfremdet? Nein; denn ihr Lebenszentrum und Lebensglück ist: sorgende Mütterlichkeit. Mütterlichkeit aber ist tiefste Weiblichkeit. Franz Sachs darf ruhig glauben: Eine echte Jüdin kann echter Weiblichkeit nicht entfremdet werden. Johanna Simon-Friedberg Christlich und christlich, jüdisch und jüdisch Max Brod, in seinemAufsatz „FranzWerfeis Christliche Sendung"' (Heft 11 des „Juden"), kündigt zwar eine größere Arbeit über das Wesen der „christlichen Einstellung" an; aber ich möchte doch nicht unterlassen, die Leser und, wenn er es gut aufnehmen wollte, auch ihn selbst, vor einer sehr bedenklichen Terminologie zu warnen, die mir jüdischem Chauvinismus gefährlich benachbart scheint. Durchweg versteht der Aufsatz unter Christentum das vollständig ausgebildete, dem irdischgemeinen Leben angepaßte oder verstandes- und unverstandesmäßig zur Scholastik gewordene Kirchentum, unter Judentum dagegen ein von allen Verfallserscheinungen gereinigtes Idealbild. So schreibt er z. B. von der christlichen Hierarchie, und sagt dagegen unter Berufung auf ein Soll, das Moses geboten hat, dem Juden sei die Scheidung von Laien und Priestern unbekannt. Er nimmt also das Christentum existentiell, das Judentum essentiell; ob dieses gehässigste aller Verfahren dem Fanatismus entstammt, weiß ich nicht; daß es zu ihm führen muß, ist mir sicher. So etwas scheint mir nicht anzugehen, es sei denn, Brod halte für seine Auf gäbe Polemik gegen einen mit allen Mitteln, auch den unbedenklichste

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