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Der Jude · 1917-03-01 · Heft 12 (März 1917) · p. 833

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 12 (März 1917)
Article
Grundlagen des Nationaljudentums
Date
1917-03-01
Page
833 (sequence 9)
Language
German
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Grundlagen des Nationaljudentums 833 daß wir unter die Völker verstreut wurden und, an die weltlich nationalen Grenzen nicht mehr gebunden, auch in verschiedenen Ländern und verschiedenen Sprachen eine religiöse Weltgemeinschaft bilden? Der Zionismus muß erwidern: Gewiß, das hebräische Palästina wird das Judentum in Grenzen bannen und die Judenheit in und außerhalb der altneuen Heimat teilen. Aber dies darf uns nicht schrecken. Lieber soll unser Volkstum an einem Orte verwurzelt ein Ganzes werden, als daß es bruchartig und verstümmelt in vielen Vaterländern herumschweife und in Unstetigkeit seine Universalität behaupte. Und wenn die Wiedergeburt unseres nationalen Volkstypus, des Ganzjuden, den nationalen Tod des Halb- und Vierteljuden bewirkt, so ist damit nicht nur die Judentumsfrage, sondern auch die Judenfrage — und auch für die Juden, die keine sein möchten — radikal gelöst. Wir lebten im Einen Gott und können nunmehr nur in einem Vaterlande und in einer Sprache wahrhafte und ganze Juden sein. Gewiß, die nationale Erneuerung und Hebraisierung Palästinas wird eine vollwertige Assimilierung der Diasporajuden begünstigen. Aber sie wird nur das Absterben eines Todgeweihten beschleunigen und die Qualen der Agonie verkürzen. Das Galuthjudentum ist seit der Erschütterung seiner Religionsverfassung, wie wir schon wissen, nicht mehr lebensfähig. Noch hat der Zionismus seinen revolutionären Sinn nicht hinreichend erkannt Noch ist er in Galuth-Romantik eingebettet, die seine Erkenntnis umschleiert und seine Schaffenskraft lähmt. Er spielt noch ahnungslos mit seiner großen Idee, ergötzt sich spielerisch an ihrer Schönheit, verschließt sich aber ihren unerbittlichen Konsequenzen. Er ist sich seiner historischen Tragweite, seiner zukunftsschwangeren Tat nicht bewußt. Es ist jedoch Zeit, die zionistische Idee vollinhaltlich zu ergründen und ihre rigorosen Forderungen der Verneinung und Bejahung als Umwälzung und Neubeginn ohne Scheu und Kompromißsucht zu proklamieren. Es ist Zeit, daß wir nicht mehr am Scheidewege stehen bleiben und unsere Kraft zwischen Galuth und Palästina verzetteln; daß der Lebenswille des jüdischen Volkes eine Richtung erhält und nicht zwischen zwei Welten pendelt. Es ist Zeit, die grausame Wahrheit auszusprechen, daß das Galuthjudentum keine nationale Zukunft hat und unrettbar dem Untergang entgegengeht; daß es keine dauerhafte Brücke zwischen Palästina und Galuth geben kann. Seit der Verbannung Israels aus seinem Lande, sagen unsere Weisen, wandert die Schechinah mit ihm im Galuth. Wird Israel in seine Heimat zurückkehren, wird auch die Schechinah vom Galuth erlöst werden und im Lande der Väter eine Heimstätte finden. Die Volksteile in den Adoptivländern werden ohne die Schechinah des Volkes" bleiben. * * * Eine zweite Aufsatzfolge ,,Erhaltung und Neubeginn" wird unsere nationalen Aufgaben im Galuth behandeln: die Aufgaben der Erhaltung um des Neubeginns willen. Pully bei Lausanne Jakob Klatzkin Heft 13. 58

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