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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 784

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Urukagina
Date
1917-02-01
Page
784 (sequence 2)
Language
German
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784 Bemerkungen Fischteich anlegt, raubt ihm niemand mehr seine Fische» Der Dieb wird ins Gefängnis geworfen*" „Wenn einem Untertanen des Königs ein guter Esel geboren wird, und sein Oberer ihm sagt: ich will ihn dir abkaufen, so kann jener ihm sagen: arahle mit gutem Gelde. Und wenn der Obere ihn nicht kauft, so darf er ihn nicht mit Gewalt nehmen. Wenn das Haus eines Großen neben dem Hause eines Untertanen liegt, und dieser Große sagt: ich will es kaufen, so kann jener ihm sagen: zahle mit gutem Gelde, mein Haus gehört mir. Und wenn der Große es nicht kauft, so darf er es dem Untertanen nicht mit Gewalt nehmen.'1 Er schließt mit ehernen Worten, die durchaus im V. Buch Mosis ihren Platz finden könnten; „So sprach der König und befreite die Kinder von Lagasch von Unrecht und Bedrückung, von Dürre, von Diebstahl, von Mord. Er setzte ein die Freiheit. Der Waise und der Witwe tat der Mächtige nichts an. Mit Ningirsu hat Urukagina diesen Bund geschlossen." So geschrieben mehr als anderthalb Jahr« tausende vor Moses, mehr als zwei Jahrtausende vor Arnos, Jesaias und Jeremias. — Was war nun das Schicksal dieses Mannes mit dem heißen Herzen, dieses Eiferers für das Recht und den Schutz der Schwachen? Durch einen merkwürdigen Zufall erfahren wir davon aus einer Tontafel, die wohl von einem seiner Anhänger geschrieben und am gleichen Orte gefunden worden ist. Wie so viele Gerechte nahm er ein Ende mit Schrecken. tugaUzaggisi, Patesi von Gischhu, einer benachbarten, etwas weiter nördlich am Schatt-el-Hai gelegenen Stadt, eroberte, vielleicht herbeigerufen durch die Partei der Unzufriedenen, die Stadt Lagasch und verwüstete sie furchtbar. In langer Reihe zählt die Tontafei alle Tempel und Paläste auf, in denen die Leute von Gischhu Blut vergossen, Silber und kostbare Steine geraubt haben. Angesichts dieses Ausgangs ringt der Schreiber der Tontafel dumpf mit der alten, ewig neuen Frage nach Schuld und Schicksal: „Die Leute von Gischhu, indem sie Lagasch verheerten, haben eine Sünde gegen Ningirsu begangen. Die Macht, die ihnen zuteil geworden, wird ihnen genommen werden. König Urukagina ist frei von Schuld. Aber Lugalzaggisi, Patesi von Gischhu: seine Göttin Nidaba trägt diese Sünde auf ihrem Haupte." Wahrlich, ein furchtbares Ende für ein solches Lebenswerk! Aber mehr noch als dies Ende erschüttert und ergreift den Betrachter von Zeiten und Völkern die bloße Existenz dieses Mannes in dieser Zeit Wohl sind ihm Viele gefolgt, die gleichfalls ihrer Zeit voraus waren und alle wie er das Tragische des flackernden Lichtes in der Finsternis haben: Moses, Jeremias, die Gracchen, Jesus, Savonarola. Aber er war der Erste, von dem wir wissen, der ganz Einsame. Seine Gedanken weisen über Jahrtausende hinaus in eine ferne Zukunft Hier schlug ein Herz, das uns auch heute, nach fünftausend Jahren, noch menschlich vertraut ist. Elias Auerbach Für die Redaktion verantwortlich: Dr, Max Mayer, Berlin W t$, Düsseldorfer Straße 23. — Für Österreich* Drs Mi Präger, Wien I, Rotentutmstraße 23. — Verlag von R. Lowit, Berlin und Wien. — Druck von O&c&t Brandstetter in 1/

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