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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 781

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Heine-Biographie
Date
1917-02-01
Page
781 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen 781 zur Genüge, wie sehr seine Unechtheit nur eine zu kurz gekommene, von keinem einheitlichen Volksbewußtsein mehr getragene Echtheit war. Nicht was er noch nicht besaß, sondern was er garnicht mehr besitzen konnte, hat diesen edel angelegten Geist zerstört und seine reichen dichterischen Kräfte an einem volleren Künstlertum gehindert. Und gerade daß er seiner Unbeständigkeit treu blieb, daß die Taufe ihm nicht wie dem geschmeidigen Stahl den Weg in ein bequemeres Europa öffnete, das gibt seinem Schicksal Relief und Größe. Seine Individualität ist nicht zu schwach, wie Fischer meint, sondern im Gegenteil zu stark, um sich den Wurzeln ihres Volkstums zu entreißen. Er muß auch die Auflösung, die er als nationales Erbe mitbekam, in schonungsloser Vergeudung seiner Kräfte offenbaren, und er verbraucht sich, indem er alle Halbheiten nach der Art reicher Naturen zum Maßlosen verzerrt zurückgibt. In der ironischen Zersetzung, in der inneren Formlosigkeit der heimischen Kunst hat die Lebensform der Emanzipation einen klassischen, unverlierbaren Ausdruck gefunden. Der Menschheit freilich wird er dadurch nicht wertvoller. Nicht sein Werk, an das allein sie sich zu halten braucht, spricht für sein Leben, sondern sein Leben, der besondere Unstern seines nationalen Geschicks, muß für sein Werk sprechen, und auch nur zu denen, die es angeht. Es ist wahr, daß er selbst den tausendjährigen Schmerz nicht gut besungen hat und den Rabbi von Bacharach, den großzügigen Plan zu einem Ghettoroman, nach zwei Kapiteln liegen ließ. Aber eben aus dem, was er nicht konnte, aus dem falschen Ton seiner Romantik, aus dem Plätschern seiner Feuilletons, aus der Selbstvernichtung, die doch so fest an sich glaubt, und der Überhebung, die im Grunde doch nichts von sich hält, hören wir das eigentliche Klagelied heraus, eine tiefere Bestätigung dieses Künstlertums, als die seine Werke unmittelbar zu geben vermochten. Siegfried Weitzmann Briefe aus Warschau Zweiter Brief „Organisation" Ich habe in meinem ersten Brief*) erzählt, 'wie sich hier unter den Juden der Wille zum Licht, der Wille zur Gestaltung des Wirren *) Siehe Heft S. 269. und Chaotischen in dem Drang nach Bildung äußert. Derselbe Wille ist es, der sich jetzt in einem Zug zur Organisation, zur Ordnung und Gliederung kundgibt. Es sind viele und vielfältige Vereine und Vereinigungen entstanden, fachliche und sachliche, von materiellen Bedürfnissen bestimmte und auf geistige Ziele gerichtete. Es sind hier schon vereinigt: die jüdischen Trödler, die jüdischen Eingeweideverkäufer, die jüdischen Ochsenbinder und noch zahlreiche andere jüdische Gewerke. Sogar die jüdischen Schriftsteller und Journalisten sind zu einer Vereinigung gekommen. Aber auch andere, gesellschaftlich und politisch wichtigere Körperschaften sind entstanden. So hat sich die demokratisch-jüdische oder richtiger demokratisch-jiddische Richtung zur Organisation geklärt und ihren Ausdruck im Programm der sog. „Volkspartei" gefunden. Auch die Orthodoxie kommt jetzt zum Wort und hat auch bereits mit der Bildung von Körperschaften und Organen begonnen, indem sie zwei Jugendvereine und eine Tageszeitung ins Leben rief. Wohl ist mehrfach die Ansicht ausgesprochen worden, die Gründung einer in ihrer Begrenzung mächtigen orthodoxen Partei drohe dem hiesigen lebendigen Judentum mit Erstarrung. Diese Ansicht scheint eine Bestätigung darin zu finden, daß die Entstehung dieser Partei unter der Einwirkung der überlieferungstreuen deutschen Juden steht, deren Judentum sich wohl durch Treue und Ergebenheit, umso weniger aber durch innere Regsamkeit und Schöpfungskraft auszeichnet. Dennoch ist die Befürchtung völlig unbegründet. Das polnische Judentum ist noch reich genug an wirklichem Leben, an warmen Lebensströmen, die der frostigste Wind nicht zur Erstarrung bringen kann. Von ihnen ist zu erhoffen, daß sie die dünne Eisschicht durchbrechen und ans Licht emporquellen werden. Der Wille zur Klärung ist ein Vorzeichen dafür. Denn Wille zur Klärung ist schon Wille zum'Licht. F. Idelsohn J. L. Katzenelson (Buki ben Jogli) Wir wollten ihn zu seinem siebzigsten Geburtstag preisen, da traf die Nachricht von seinem Tode ein. Warum trifft der Schmerz so"tief? Stumpfen uns denn all die Katastrophen* der Zeit, die über uns gekommen sind undMerenltom-

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