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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 751

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Der Pinkes
Date
1917-02-01
Page
751 (sequence 2)
Language
German
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Der Pinkes 751 Teil ist, die rechten Stimmen zu vernehmen; keine Gewähr, die ihren Urteilen und Entschlüssen das Zufällige und Leichtwiegende nähme; darum aber auch kein Recht, aus solcher Enge und Einseitigkeit heraus sich innerhalb der nationalen Bewegung zu entscheiden; so lange nicht, bis der Fremdstämmige sich seinem Volk zu einem Eigenen wandelte. Der aber hat dieses ihn zur Arbeit an sich selbst drängende erste Gebot nicht befolgt. Er vermeint sich in der Lage etwa der verwelschten vlämischen Oberschicht, als genüge die unzweifelhaft verdienstvolle Drehung auf dem alten Standort, die das Antlitz von den blaßgtwordenen Symbolen der Assimilation hinwegzieht; als bedürfe es dann bloß des Wechseins der äußeren Fahnen, um durch den nun frei gewordenen unterirdischen Strom der eigenen Volksähnlichkeit tief in das Volksinnere hinein versetzt zu werden. Und doch fehlt unseren Entwurzelten jede sinnfällige Bindung mit den Zentren der Volkskraft, Nicht einmal von dem in Jugendjahre sich verlierenden Klang der heimatlichen Töne weiß ihr Ohr, und die verworrenen Bilder einer Kindheit, irgendwo im Schoß des Volkes verbracht, werden ihnen keinmal als ein jähes Gesicht die mühsamen Entschlüsse erhellen. Selbst ganz gegenständliche Dinge, so das vielgestaltige Auseinanderstreben der Volkserhebung in Bewegungen, die im lautersten Sinne national, aber durchaus nicht zionistisch sind, blieben ihnen verborgen. Sie fanden sich erst jüngst ein Zaubermittel aus arger Entwurzelung — wie sollten sie da in Gelassenheit sich die süße, neue Beruhigung gefährden lassen und ohne Bedrohungsgefühle die nationale Bewegung auch in ihren mächtigen nichtzionistischen Äußerungen als bestehend und diskutabel anerkennen? IL In der jüdischen Intelligenz des Ostens dagegen — man mag sie in anderen, nicht unwichtigen Beziehungen mit noch soviel Recht dem Westlertum zuzählen — finden sich bereits zu Beginn der Volkserhebung Forderungen vor, die dt,n hohen Wert des Verweilens in der Volksnähe dartun. Zuerst sind es einzelne Intellektuelle, die verlangen, daß der Heimkehrende das tue, was noch bei aller gesunden Volksarbeit als selbstverständliche Pflicht galt und nur unsern Oberschichten wie ein Besonderes und ihnen nicht Ziemendes: daß er die bitteren, alltäglichen Kämpfe mit dem Volke teile wie seinesgleichen, ohne die hundert Vorbehalte einer sich selbst ausnehmenden Skepsis; daß er in seiner Sprache denke und rede, in seinen Weisen singe und die alten Freuden, die neue Bitternis in einem unerschütterlichen Herzen treu sammele. Während die dem Volk Entfremdeten noch spitzfindig oder in leidenschaftlicher Ablehnung abwogen, ob man denn den Jargon wie eine Sprache behandeln könne, ob er eine Grammatik habe und dem feineren Denken ein Kleid — während auf der Gegenseite die mit der Halbbildung des Proletariats Gezeichneten, jenen erwidernd und einer ungeistigen Freidenkerei verfallen, die starken, hierarchischen Fundamente hinwegzureden sich vermaßen, handelten sie ernsthaft im eigenen Haus und begannen, anfangs immer wieder gegen sich selbst, die Sprache und das alte Volksgut rein zu halten. Als ihre Stimme wie ein Chor anschwoll, erschien der Pinkes. Das will besagen, daß dieses in Druck und Format schönste Erzeugnis des jiddischen Büchermarktes hier nicht in Überschätzung angesprochen wird als eines der gezählten Werke, die sich unvermittelt vor die Zeitgenossen stellen und ihnen ein neues Gesetz auferlegen. Vielmehr sind hier Wandlungen, die sich seit Jahrzehnten

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