Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1917)
- Article
- Jüdische Volkslieder
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 700 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3101111-3101112-8875893-3101472--0972-3101556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
7oo Arno Nadel: Jüdische Volkslieder Ich wel sei keinmol nit vergessen, Die wos hoben gemacht mit ihr bakennt; Quallen Wasser kennen nit verleschen Dem Faier, wos in main Harz brennt! Sai gesund, main thaire Nschome, Ich starb schoin durch dir awek; Gott soll geben, sollst hoben Nechome Bis daine letzte Tag! Ich werde sie niemals nicht vergessen, Die mich mit dir bekannt gemacht; Quellen Wasser können nicht verlöschen Das Feuer, das du in meinem Herzen entfacht. Bleib gesund, meine teuere Seele, Durch dich muß ich verbleichen. Gott gebe dir Freude ohne Fehle, Bis deine Tage verstreichen. Ginsburg und Marek, Nr. 149. — Eben weil die jüdischen Liebeslieder die Zwischenstufen malen und festhalten, sind die Varianten, so sehr dies dem ersten Augenscheine widerspricht, so zahlreich und im Grunde so präzise. Wir haben die besondere Situation in diesem Liede bereits gekennzeichnet. Der Sänger entnimmt denn auch seinem Seelenzustand so viel exakte Stimmung wie möglich. „Wenn bei dir Verlobung sein wird, wird bei mir eitel Freude (Ssimche) herrschen. Meine Seele wird in den Himmel fliehen und für dich, du Geliebte, du Schuld und Unschuld, um Verzeihung bitten." Man versuche sich in den Brand der Seele zu versetzen, die eine solche Diktion hervorbringt. Und nun folgt Fluch und Segen zugleich, es ist der hellste und verworrendste Aufruhr: Dein Kind soll meinen Namen tragen, immer sollst du an mich, den du umgebracht hast, erinnert werden, auf Schritt und Tritt, durch dein Kind, das nicht mein ist, das aber mein sein sollte, meins und deins, du Ungetreue, du teuere Seele, die bis zum letzten Tage alles Schöne erleben möge. Das allerdings ist das Feuer, das keine Quelle verlöscht. Berlin Arno Nadel