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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10 (Januar 1917) · p. 691

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 10 (Januar 1917)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1917-01-01
Page
691 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Arno Nadel: Jüdische Volkslieder 691- JUDISCHE VOLKSLIEDER Liebeslieder 2. Eine Art Variante von drei Strophen des in der vorigen Folge mitgeteilten Liedes „Mein süßes Leben fährt dahin" („Der Jude", Heft 9) bildet das folgende Stück: Sehnsucht. (Übertragung:) Maine Schabossim un maine Jom-teiwim Meine Sabbathe und meine Feiertage Thuen in Umet geihn; Gehen in Unmut dahin. As ich dermohn sich on main siss-Leben, Denk ich zurück an mein süßes Leben, Sitz ich un trauer un wein. Sitz ich und weine mit traurigem Sinn. Wollt ich gewen a Veigele, Wollt ich zu dir gefleigen, — As du sollst wissen main trauer Harz Mit maine varweinte Eigen. Würd ich sein ein Vögelein, War ich zu dir geflogen, Damit du wissest mein trauriges Herz Und meine verweinten Augen. Wollt ich gewen a Fischele, Wollt ich zu dir geschwummen; As du wollst wissen main varbittert Harz, Wollstu zu mir gekummen. Oi, wollt ich gehat Ferd un Wogen, Wollt ich zu dir gefohren, — As du wollst wissen main varbittert Harz Mit maine obgeschnittene Johren! Wollt ich gehat Tint un Feder, Wollt ich zu dir Briewelech geschrieben; As du wollst geleient maine varbitterte Brief, Wollstu in chalosches geblieben. Ich eß nit un trink nit un schlof kein Nacht Un beinken beink ich noch dir; As du wellst wissen main vartrauert Harz, Wollstu gekummen zu mir! Würd ich sein ein Fischlein klein, War ich zu dir geschwommen, Ach wüßtest du mein bitteres Herz, Du würdest zu mir kommen. 0, hätt ich gehabt Pferd und Wagen, Wollt ich zu dir fahren, Ach wüßtest du mein bitteres Herz Und meine verkürzten Jahre. Hätt ich gehabt Tinte und Feder, Würd ich dir Briefchen schreiben, Ach, würdest du meine bittern Briefe lesen, Du würdest in Ohnmacht bleiben« Ich eß nicht und trink nicht und schlaf keine Nacht Und bangen bang ich nach dir, Ach wüßtest du mein trauriges Herz, Du wärst gekommen zu mir. Ginsburg und Marek, Nr. 173. — Dieses Liedchen gehört zu den geschlossensten und rundesten unter den jüdischen Volksliedern. In den einzelnen Strophen wie im ganzen. Es ist vom ersten bis zum letzten Wort: tiefe, wahre Sehnsucht, die im Ausdruck die Grenzen des Schönen nicht überschreitet. 48*

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