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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10 (Januar 1917) · p. 684

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 10 (Januar 1917)
Article
Grundlagen des Nationaljudentums
Date
1917-01-01
Page
684 (sequence 8)
Language
German
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684 Gustav Krojanker: für den Geist des Judentums wie für etwas Exotisches zuweilen begeistern, uns über die immer weiter um sich greifende Verwüstung unseres Volkstums in der Diaspora hinwegtäuschen? Angesichts des Abgrundes, der vor uns gähnt, kann die Anspannung unserer Kräfte zur Erhaltung des Judentums in der Zerstreuung nur einen Sinn haben: Behinderung und Aufhalten des Abbaus im Galuth um des Aufbaus in Palästina willen* Es ist die große und schwierige Aufgabe des Übergangsstadiums in unablässigem Hinblicken und Hinzielen auf die Vorbereitung neuer Daseinsformen, auf eine Erneuerung im Lande der Väter. Ohne den Glauben an unsere nationale Zukunft in Palästina hat der Nationalismus im Galuth keinen wahren Sinn: Im Galuth hat das Judentum keine nationale Zukunft. * Kann Palästina ein Kulturzentrum für die Diasporajudenheit werden? Kann dieses sogenannte geistige Zentrum seine Peripherie, das Galuth, national erhalten? Diesem Grundproblem des Zionismus ist das nächste Kapitel gewidmet. Pully bei Lausanne Jakob Klatzkin MAX BRODS WEG ZUM LEBEN I* Einzig um der Kunst willen lohnt es sich nicht auch nur eine einzige Zeile zu schreiben." Das Wort stammt von Bernard Shaw, diesem freien und vorurteilslosen Geist, der lachend und bewußt sein großes Künstlertum für überpersönliche Ziele nutzt. Und er kann dabei des Dankes einer ethisch gerichteten Jugend gewiß sein, die helfen will, eine neue Entwicklung vorwärtszutreiben; nicht als ob diese Jugend eines so starken Lebensreizes wie der Kunst entraten wollte oder könnte, sondern indem sie sich in eine ihr entsprechende Beziehung zu ihr setzt. Kein Verdämmern und Versinken mehr in Klang und Form um ihrer selbst willen, sondern ein lebendiges und tätiges Verarbeiten von Anschauung und Gedanke, deren künstlerische Form am innigsten und ergreifendsten zu uns spricht. Alles wird irgendwie eingestellt in den Kreis eigenen Erlebens und Wollens. Da der Autor Durchkämpftes gestaltete, wird der Kampf von neuem aufgenommen. Man ringt mit Fragen, die man dumpf sich selber schon gestellt hatte; und man erlebt Gefühle, die irgendwie in einem schon bereitet waren. Da dämmert uns Verständnis auf für jene merkwürdige Gewohnheit, die man von Petrarca zu berichten weiß. Der pflegte am Rande der geliebten Vergilhandschrift, die er stets bei sich führte, tagebuchartige Notizen zu verzeichnen. Ihm traten fremde Gestaltung und eigenes Erleben in sinnvolle Verknüpfung. Er las und im Lesen ward der Autor zum Freund, mit dem er von Dingen sprach, die ihn selbst betrafen. So mag sich leicht einer ertappen, wie er beim Lesen eines Buches Dinge vermerkt, die in ein Tagebuch, die in ein eigenes Werk gehörten. Er mag sich — mit andern Worten — plötzlich auf der schmalen Grenzscheide sehen, die zwischen Kritik und selbständigem Gestalten gezogen ist.

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