Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 10 (Januar 1917)
- Article
- Von deutschen Jüdinnen
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 662 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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662 Franz Sachs: VON DEUTSCHEN JÜDINNEN Eine Erscheinung, die nicht nur auf soziale oder moralische Bequemlichkeiten oder auf ein Zahlenverhältnis zurückführbar ist, liegt in Deutschland vor und sollte uns einmal zu denken geben: Junge jüdische Männer haben oft christliche Mädchen lieb» Diese Tatsache wäre an sich beim Zusammenleben verschiedenrassiger Volksbestandteile selbstverständlich. Nicht selbstverständlich aber ist die Bedeutung dieser Erscheinung für uns, wenn man sie zugleich negativ aussprechen kann und muß: Junge Juden lieben oft die Jüdinnen nicht. Und dies gilt nicht nur für lebemännische Kaufmannskreise, sondern ebenso für die jüdische junge Intelligenz, für die Studenten und freien Berufe, ja selbst für Jüdisch-Nationale. Gleich sei gesagt: Mit Liebe ist hier nicht irgendein peripherisches Interesse am anderen Menschen gemeint (z. B. an Äußerlichkeiten oder an „Bildung"), das selbst zu einer „Ehe" führen könnte, sondern die wirkliche Hingerissenheit zur Ganzheit eines andern Individuums. Und diese existiert für viele den Jüdinnen von heute gegenüber nicht. Mir sagte neulich ein junger begabter Jude: „Du weißt, junge Menschen wie wir müssen viel mit Mädchen, edlen und schönen, Zusammensein; aber mit den jüdischen Mädchen geh ich nicht gerne um; sie sind so unharmonisch; sie sind meist so zerrissen und schwerfällig; es fehlt ihnen etwas — es läßt sich schwer ausdrücken — fröhlich Naives, Natürliches." Ich bin mir bewußt, wie gefährlich es wäre, „die Jüdin" und „die Deutsche" in Gegensatz bringen zu wollen, weil unter beiden Begriffen die verschiedenartigsten Realitäten sich bergen. Dennoch wird man über die Jüdinnen, welche heute unter uns leben, etwas aussagen können; und ich meine, daß jenes mehr ästhetisch orientierte Urteil des Freundes für viele zu Recht besteht und auf tiefere Eigenschaften des jüdischen Wesens und Schicksals zurückgehen mag. Wie sieht die jüdische Mädchenjugend Deutschlands eigentlich aus? Von denen, die am meisten in die Augen fallen, wollen wir schweigen: von den überputzten eitlen Koketten, die nach dem Gelde und Genuß nur gieren. Sie sind Entartung und Extrem, sie entsprechen den jüdischen Wucherern und Jobbern, der Übersteigerung des Kapitalismus, der ihr Milieu ist. Man kann sie verachten oder bemitleiden; man kann sie hassen, weil sie den Ruf aller andern verderben; erziehen kann man sie kaum noch, denn wo Geld Umwelt und Lehrer ist, hat Menschentum keine Stätte mehr. Nur soziale Erneuerung kann hier für die Zukunft helfen; denn solche Entartungen finden sich überall bei übersteigertem Reichtum, auch bei den Deutschen. Dieser Typ in all seiner schillernden Nichtigkeit scheidet also aus unserer Betrachtung aus; er steht auch mit dem Judentum nur in losestem Zusammenhang noch, obwohl gerade er es ist, der den Nichtjuden Eindruck und Urteil über die Jüdinnen vermittelt. Von der Mehrzahl der deutschen Jüdinnen, besonders den Töchtern aus kleineren Städten, läßt sich ein anderes aussagen. Die innere Ungeschlossenheit und das Einheitsstreben des jüdischen Menschen, die auf seiner historisch-wirtschaftlichen Zwischenexistenz beruhen, aber wohl in seinem Wesen schon angelegt sind, äußert sich bei den Jüdinnen nicht so sichtbar wie bei den jungen Juden. Die sind beweglich, setzen ihren Intellekt überall an, in der Presse, in der Kunst, im Geschäfts¬ und Familienleben, stürzen sich von einer Unternehmung in die andere, vom Bureau ins Varitte, suchen überall die Zeit zu überwinden, „totzuschlagen", haben keinen