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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 10 (Januar 1917) · p. 641

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 10 (Januar 1917)
Article
Ein Heldenbuch
Date
1917-01-01
Page
641 (sequence 1)
Language
German
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EIN HELDENBUCH „Auf dem Weg von der Kolonie zum Friedhof ruht das neue Mysterium Palästinas," Nach der hebräischen liegt nun die jiddische Ausgabe des Buches Jiskor vor*), des „Gedenkbuches" — verändert, erweitert, vereinheitlicht, nunmehr nichts als Gedenkbuch. Deren hier gedacht wird, das sind die gefallenen Schomrim, die Wächter und Arbeiter, die in der Verteidigung unserer Siedlungen in Palästina gegen räuberische Überfälle starben. Wenn ich von ihnen sage, daß sie Helden sind, wird man nicht verstehen, was ich meine. Das Wort „Helden", das kristallenste Wort der Erde, ist vom vielen Aussprechen trüb und unverständlich geworden. Aber wollen wir nicht unternehmen, es zu reinigen? Wer vor der Gefahr nicht blinzelt, wer auf seinem Platze stehen bleibt, bis er umfällt, wer ohne Hemmung Leben gegen Leben einsetzt, der ist aller kriegerischen Ehren wert; aber er ist noch nicht der Held. Der ist es, der aus sich selber, nicht getrieben und nicht gezogen, nicht mitgenommen und nicht mitgerissen, von keiner irdischen Macht befehligt und von keiner benützt, aus der Einsamkeit seines Lebens, wissend und gefaßt, sich zu seiner Sache entschließt, in sie, das Tor der Welt (das Tor der Möglichkeiten) hinter sich zuschlagend, eintritt und in ihr stehend das Äußerste wagt, tut, erleidet. Singt anderen Heldenlieder, mich dünkt es Götzendienst; ich behalte den erhabenen Namen denen allein vor, die uns durch die heilige Kraft ihrer Entschlossenheit das Göttliche wirklich und gegenwärtig machen. Einigen Wächtern und Arbeitern, von deren Leben und Sterben dieses Gedenkbuch erzählt, kommt — so geringe und bescheidene Menschen sie im übrigen auf Erden waren — der Name zu. Lest, lest das Buch! Aus sich selber, nicht getrieben und nicht gezogen, nicht mitgenommen und nicht mitgerissen, von keiner irdischen Macht befehligt und von keiner benützt, aus der Einsamkeit ihres Lebens, wissend und gefaßt, entschlossen sie sich zu ihrer Sache, traten, das Tor der Welt hinter sich zuschlagend, in sie ein und in ihr stehend wagten, taten, erlitten sie das Äußerste. Ich nenne sie Helden. Aber das ist nicht alles, was ich von ihnen zu sagen habe. Ich nenne sie jüdische Helden. Verstehen wir uns recht: nicht alle Helden des jüdischen Mythos und der jüdischen Geschichte gehören dieser Art an, die ich als das jüdische Heldentum bezeichne, und hinwieder ist sie auch in anderen Völkern erschienen — in keinem aber so groß und offenbarend. *) Herausgegeben von dem Palästina-Komitee der Poale Zion in New York. Eine deutsche Ausgabe wird vorbereitet. Heft io. 45

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