Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 17 (1938)
- Issue
- 2 (11.1938)
- Date
- 1938-11-01
- Page
- Seite 12 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Jüdisches Gemeindeblatt für Frankfurt" Nr. 2 . November 1938 die Idee und die Form, Im ersten Jahrlausend ist die Resonanz noch schwach; Mysterienspiele und dergl. beziehen wohl einzelne Figuren, nicht aber das Wesen jüdischer Ueberlieferung ein. Die Bibel ist Reservat des Klerus, dem Laien ist sie nicht zugänglich. Am Ausgang des Mittelalters steht als großartigstes Zeugnis biblischen "Widerhalls, zugleich als Kompendium des Zeit=Wissens, die „Divina commedia" des Dante. In ihr ist die Symbolik bereits künstlerisch geformt in der Figur des Kain. Die Reformation öffnet der Bibel die Welt. Am stärksten wirkt sich dies Faktum im Puritanertum aus,- die Idee des auserwählten Volkes erhält den Zug einer religiösen Revolution. Miltons „Paradise lost" spiegelt die ungeheure Wirkung. Biblische Thematik gewinnt auch dichterische Gestalt in Racines Dramen (mit Psalmen- Chören) „Athalie" und „Esther". Das 18. Jahrhundert bringt die dritte Stufe': die Entdeckung der Bibel als Form. Der tiefste und gewaltigste Nachhall dieser Innenschau J. G. Hamanns ersteht in Goethes „Faust" (Beziehung des Prologs im Himmel zum Buche Hiob). Aus der Namenflut hob der Redner bezeichnende Dichtungen heraus. Mit Deutung, Vergleich und bildhafter Prägung machte er die Inhalte wie das Gleichnishafte anschaulich. Die Antwort auf die Frage: War der Widerhall der Bibel in der europäischen Dichtung fruchtbar? verblieb dem Hörer,- sie konnte nur positiv lauten. Artur Bogen. Alexander Kipnis im Kulturbund Die neue Spielzeit im Jüdischen Kulturbund ^Rhein-Main setzte mit einem künstlerischen Ereignis höchsten Ranges ein. Alexander Kipnis war als Gast erschienen und beglückte uns mit dem Zauber seiner herrlichen Stimme, mit der unwiderstehlichen Macht seines voll ausgereiften Künstlertums. Wer Kipnis je gehört hat, weiß, was es uns gerade heute bedeutet, einem solch begnadeten Sänger lauschen zu dürfen. Das Programm zeigte uns die Weite seines Könnens und Ein-, fühlungsvermögens. Italienische Stücke älterer Komponisten erklangen in vollendetem Belcanto, Opernarien wurden bis zur letzten dramatischen Eindringlichkeif ausgeformt, russische Volkslieder endlich gaben Gelegenheit, die für Kipnis charakteristische Mischung von Urwüchsigkeit und Raffinement schlagkräftig darzutun. Als besondere Gabe nahmen wir Schumanns „Dichterliebe" entgegen. Man kann sich die Wiedergabe dieses Zyklus vielleicht in manchen Einzelheiten anders denken. Aber man wird ihn nie in feinerer Stufung des Stimmklangs, in besserer Uebereinstimmung von äußerer Wirksamkeit und innerem Nacherleben hören können. Es darf dabei nicht vergessen werden, daß Dr. Willy S a Toni o n den gerade hier so wichtigen Klavierpart in vorbildlicher Weise nachzeichnete. Kipnis spendete noch, eine Reihe von Zugaben, die von dem unersättlichen Publikum dankbar entgegengenommen wurden. Der Abend war auch für den Kulturbund ein Erfolg, sodaß man hoffen darf, daß der Appell, den Dr. Levinger zu Beginn an die zahlreiche Hörerschaft richtete, nicht ungehört: verhallen wird. Noch sind nicht genügend Mitglieder vorhanden, um die Existenz des Kulturbunds zu sichern. Noch. bedarf es dringend der Werbung, um die für die jüdische. Gemeinschaft und die Künstler gleichwichtige Institution aufrechtzuerhalten. Vielleicht wird Dr. Levingers Ankündigung, daß im Saale des Fhilanthropins - die Genehmigung vorausgesetzt - Theater- und Kabarett-Aufführungen stattfinden sollen, für den Kulturbund auch' die Kreise interessieren, die nicht ausschließlich auf Musik und ernste Darbietungen eingestellt sind. Dr. Nathan Ehrenreich. TOTUL-UUSVERKflUF wegen Geschäftsaufgabe Montag, den 24. Oktober nur bis 26. November Mäntel+Pelze Kleider+Stoffe ßt&Zl \y KAISERSTRASSE 5 ÜIÜIIIIIII! Annahme=SchIuß für kleine Anzeigen: Ulli Mittwoch, den 23. November, 18 Uhr IUnser Lager soll geräumt werden! Gelegenheit zu vorteilhaftem Einkauf in Herren Stoffen bekannter Qualitäten Ernst Lochner & Horkheimer Liebfräuenberg 39 WEINE BERNH5 WIESENGRUND SCHÖNE AUSSICHT 7 LIKtTRE ____I FRANKFURTA-M. WEINBRÄNDE f SEIT 1822 GUT U. PREISWERT TEL: 22361 m s r ■■_JBIJP- : JÜDISCHER KULTURBUND RHEIN-MAIN OBERLINDAU 7 TELEFON 75321 Westend-Synagoge I 2080 Uhr 1 Freiherr vom Stein-Str. 1 —_| Violin-flbend GERHARD RUNDER Am Flügel: Paul Meyer Mendelssohn: Violinkonzert e-moll Tartini-Kreisler: Teufelstrillersonate Nov. 22 20.30 Uhr 23 16.30 Uhr 23 , 20.30 Uhr T / Turnhalle des Philanthropins HebelsiraBe 15-16 Gastspiel des Ensembles d. Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr Zwei Herren aus Verona von Shakespeare in neuer Fassung von Hans Rothe Regie: Ben Spanier Mitwirkende: Max Wittmann, Max Koninski u. a. m. Nähere Mitteilung über Platzverteilung für die Theaterveranstaltungen und Einlösung der Monatsmarken und Eintrittskarten demnächst.