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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-10-01 · 1 (10.1938) · p. Seite 23

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
17 (1938)
Issue
1 (10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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Nr. 1 Oktober 1938 „Jüdisches Gemeindeblatt für Frankfurt" Seite 23 Tönen den Vordergrund von dem Ausblick, wo wieder, etwas gedämpft, helle, bunte Töne herrschen, die sich oben im Himmel noch einmal zu einem lichten Blau steigern. In den Skizzenbüchern Oppenheims finden sich 3 Zeichnungen der Gutle Rothschild: Die erste (abgebildet: Moritz Oppenheim, Erinnerungen, hrsg. von' Alfred Oppenheim, 1924) ist, den etwas jüngeren Zügen nach zu urteilen, schon in den 30iger Jahren entstanden, die beiden anderen, in den Gesichtszügen einander sehr ähnlich, annähernd gleichzeitig gegen 1840. Die eine davon — wir können sie durch das Entgegenkommen Alfred Oppenheims hier zum ersten Male abbilden ■— gibt sich deutlich als Skizze zu dem Bildnis des Museums' zu erkennen. Die Stellung der Sitzfigur an dem Tischchen, ihre Kleidung, vor allem auch Form und Ausdruck des Gesichtes stimmen bei Zeichnung und Gemälde in vielen Zügen überein. Die Zeichnung ist offenbar vor dem Modell in rascher Arbeit entstanden,' nur das Gesicht mitsorgfältigem Eingehen auf die Altersformen bis ins Einzelne durchgezeichnet. Der Ausdruck ist im Gemälde etwas freundlicher gestaltet, die Zeichnung erscheint ernster. Obwohl, beide Male die gleiche. Kleidung gegeben ist, erlaubt eine.Äenderung im Gemälde, daß nämlich das Umschlagtuch nicht um beide Schultern liegt, sondern hinter der rechten Schulter herumgeführt ist, dem Maler eine reichere Entfaltung des Farbigen durch die Wirkung des schönen Blaus im Kleide an Aermel und Brust und im Durchschimmern unter dem Spitzenkragen. Zugefügt ist im Bilde außerdem die Perlenkette, die offenbar zu Haus nicht "getragen wurde. Der etwas kleinere Ausschnitt des Gemäldes in der unteren Begrenzung - Halbfigur statt Dreiviertelfigur der Zeichnung — gibt ihm statt genrehafter Intimität eines lässigen Sitzens eine repräsentativere Haltung. Im selben Sinn wirkt der geraffte Vorhang im Hintergrunde, wo auf der Zeichnung eine hängende Ampel nur eben angedeutet ist. Diese Beobachtungen führen uns auf die Quellen von Oppenheims Bildform: sie liegen zurück im 18. Jahrhundert, in der spätbarocken Bildnismalerei, wo solche Vorhangdra- pierungen als formal und farbig gleich wirksame Folie üblich waren, und wo sie fast immer dann auf der anderen Seite*den Blick auf irgend eine Tiefenkulisse frei gaben, sei es . eine Wand mit Büchern oder ein vornehmes Gemach, :häufiger noch die Tiefe eines Gartens oder Parks. Durch die englische Bildnismalerei haben sich mehr die roman- ' iischen Elemente dieser Form, durch die französische stärker die äußerlich repräsentativen bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts gehalten. Oppenheim hatte bei seinem Pariser Studienaufenthalt um 1820 Gelegenheit genug, vorzügliche Beispiele dieser Art kennen zu lernen. Die Reihe seiner Rothschildbildnisse, die meist um 1830 und zwischen 1830 und 1840 entstanden sind, beweisen, daß er diese Form für die reichen Barone für angemessen hielt. Fast immer findet sich 'da das etwas posierende Sitzen, der geraffte Vorhang und der Ausblick in einen Park. Doch gehören sie mit ihrer etwas allgemeinen Charakterisierung einer weltmännischen Eleganz keineswegs zu den besten Werken des Malers. Das Bildnis der Gutle Rothschild entspricht - wie ge- " sagt - äußerlich auch diesem Schema, aber es ist doch mit einer anderen Intensität gemalt. Dies gar nicht schöne, aber kluge Gesicht der alten Frau hat den Maler offenbar stark angezogen,- das zeigt auch die sorgfältige Zeichnung. Das Gesicht dominiert im Bilde, und dadurch gewinnt auch das Drum und Dran über reine Staffage hinaus vertiefte Bedeutung, das Gebetbuch ebenso wie der Blick in die Gasse. Es ist nicht der Blick von ihrem Hause aus, sondern, weiter von Norden her genommen, geht er zunächst auf den kleinen Platz, der durch den Brand von 1796 vor der Synagoge entstanden war. Diese wird mit ihren Hofmauern und der Fassade der „Altschul", scharf links am Rande indie Tiefe" führend, sichtbar. Dann verengert sich die Gasse wieder zwischen den Häusern „Zum Einhorn" links und „Zum Strauß" rechts und zieht in der alten Schmalheit nach Süden, in leichter Kurve nach rechts umbiegend. Hier liegt auf der linken Seite in der Reihe der schmalen Giebelhäuser, ohne, weiter vom Maler gekennzeichnet zu sein, das Haus „Zum Grünen Schild", in dem Gutle nach wie vor wohnte. Es ist also der enge Schauplatz ihres täglichen Lebens, den der Maler ihr als Attribut beigab, wie er die Söhne vor die Weite der Gärten ihrer großen Stadthäuser setzte. Auch für den Blick in die Judengasse, für den der Platz schon in der Zeichnung vorgesehen ist, hat Oppenheim . - Studien ger macht: eine Skizze aus den 30iger Jahren hat sich erhalten. Sie beginnt aber erst etwa in der Mitte des Plätzchens, während im Gemälde,, wohl um den Ernst des Bildes zu steigern, die ganze Synagogenfront mit hineingenommen ist. Diese Ernsthaftigkeit stellt das Bild auch außerhalb der Reihe der eigentlichen Biedermeierbildnisse mit ihrer gemütvoll-ausführlichen Art der Milieuschilderung; vielmehr steht es auf der Scheide zwischen der repräsentativ steigernden Bildniskunst des 18. und der realistischen Art der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die in wachsendem Maße Pose und Staffage ablehnte und an ihre Stelle wieder die scharfe Charakteristik der Persönlichkeit setzte, der auch die Farbe sich ganz einzuordnen hatte. Moritz Oppenheim ist in der Entwicklung seiner Malerei diesen Weg noch ein gutes Stück mitgegangen. Als er Gutle Rothschild 1849 im Jahr ihres Todes noch einmal malte (Leihgabe im Rothschild-Museum) hat er die Staffage aufs äußerste beschränkt, und das reizende Kinderbildnis seines Enkels Alfred, das H. Gundersheimer im Frankfurter Jsraelitischen Gemeindeblatt, 11. Jahrgang, S. 278, veröffentlicht hat, repräsentiert in Form und Farbe in vorzüglicher Weise die neue Richtung. So steht also auch in der Entwicklung des Malers das Bildnis der Gutle Rothschild von 1840 an einer entscheidenden Stelle. Haushaltwage Wir suchen eine gut brauchbare Haushaltwage für unser Heim. Jüdische Beratungssielle für Wirtschaftshilfe Frankfurt a. M., Quinckestraße 24 - Telefon 46976. Bitte um Küchengeräte Für einen Kochkurs werden Geschirre, Bestecke und sonstiges Küchenzubehör, besonders auch gebrauchte Küchenmöbel benötigt. Spenden können durch die Jüdische Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe, Quinckestraße 24, Telefon 46976, 46164, ihrem Zwecke zugeführt werden. 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