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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-10-01 · 1 (10.1938) · p. Seite 22

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
17 (1938)
Issue
1 (10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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Seite 22 „Judisches Gemeindeblatt für Frankfurt" Nr. 1 Oktober 1938 Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Sfonhjinlp Forrbheimer. Frankfurt a. M„ Schumannstr. 9 Moritz Oppenheims Bildnis der Frau Gutle Rothschild von Dr. Guido Schönberger Wenn man im Rothschild-Museum den Rundgang beendet hat, steht man zum Schluß im alten Privatkontor des ehemaligen Bankhauses vor dem Bild der Gutle Rothschild. Aus der großen, halbrunden Nische hinter dem Konferenztisch geht der Blick der alten Frau freundlich nachdenklich und ein wenig spöttisch auf den Beschauer herab und regt ihn zu Fragen an, die fast immer die Person der Dargestellten betreffen, die Frau des Mayer Amschel, die Mutter der 5 Brüder Rothschild. Der Führende erzählt dann meistens die mehr oder weniger bekannten Geschichten von ihrer Frömmigkeit, ihrem Familiensinn, ihren zahlreichen Kindern - sie hatte im Ganzen zehn -, von ihrer stolzen konservativen Gesinnung, die sie veranlaßte, das alte Wohnhaus in der Judengasse immer beizubehalten, bis sie im wahrhaft biblischen Alter von 96 Jahren darin im Jahre 1849 starb. Oder er erzählt auch einmal, wie einst ihr Arzt, weil sie sich über eine Medizin beklagt hatte, ein wenig unwillig zu ihr sagte: „Aber Frau Rothschild, jünger können Sie halt davon nicht werden",- worauf sie antwortete: „Allerdings nicht, Doktor, ich will ja auch gerade älter davon werden". Das kunstgeschichtlich Interessante des Bildes kommt über diesen Anekdoten oft ein wenig zu kurz, und deshalb sei heute einmal davon die Rede. Es mag in der Zeit gewesen sein, in der sie dem Arzt die treffende Antwort gab, daß Moritz Oppenheim ihr Bildnis gemalt hat. Er war damals im Hause der Rothschilds schon, wohlbekannt und berühmt, hatte Söhne und Enkel porträtiert und galt überhaupt als der „Maler der Rothschilds". Es sei bei dieser Gelegenheit noch einmal ausdrücklich festgestellt, daß es von dem bereits 1812 gesiorbenen Mayer Amschel, dem Gatten der Gutle, kein authentisches Bildnis gibt. In der Literatur ist bisher stets 1849 als Entstehungsjahr des Bildes der Gutle angegeben worden. Eine Nachprüfung der Signatur ergab aber eindeutig-. M. Oppenheim 1 84 0. D. h. es ist nicht erst im Todesjahr oder gar nach ihrem Tode aus der Phantasie des Malers entstanden, sondern stellt sie im 87 Lebensjahr dar. Fast lebensgroß (Oel auf Leinwand H. 78, B. 65 cm) sitzt sie in ihrem Sessel und legi die schlanken Hände leicht an ein Mahagonitischchen, auf dem ein Blatt der Frankfurier Postamiszeitung und darüber ein Gebetbuch mit dem Rükkentiiel: Tefilath Jisroel liegt. Der Blick aus dem Fenster geht auf die Judengasse, in der kein geschäftiges Treiben herrscht, sondern nur gemächliches Spazieren und Gespräch. Die alte Dame hat ihren besten Staat an, und man sieht, sie ist keineswegs weltabgewandi: die feine Tüllhaube mit Spiizenrand ist mit lustigen roten und gelben Röschen geschmückt, um den Hals trägt sie eine Perlenkette, und unier dem großen weißen Kaschmirschal mit breitem türkischen Rand, der die eine Schulter deckt, kommt ein veilchenblaues Kleid mit vereinzelten rostroten Tupfen zum Vorschein. Ueber Tuch und Kleid liegt auf den Schultern ein breiter, durchsichtiger Spitzenkragen. Die freundliche Farbigkeit der Kleidung rahmt das helle Jnkarnat des Gesichtes, in dem die blau-grauen Augen sinnend stehen. Grün-Braun im gerafften Vorhang hinter, der Figur und Grau von Fensterbank und Fensterrahmen scheiden mit dunkleren *

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