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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-08-01 · 11 (8.1938) · p. Seite 24

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
11 (8.1938)
Date
1938-08-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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Seite 24 JODISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 11 August 1938 Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beitrage und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchheimer, Frankfurt a. M„ Schumannstr. 9 Ratschläge für Einwanderung nach Brasilien' " Aus Sao Paulo wird dem Jüdischen Frauenbund von unierrichteter Seite geschrieben: Wir sind zurzeit damit beschäftigt, ein Merkblatt auszuarbeiten, das Wissenwertes über Einwanderung und hiesige Verhältnisse bringen wird; -das bisher bestehende Merkblatt ist veraltet. Ueberhaupl ist es kaum möglich, Richtlinien für Einwanderung festzulegen, die Bestimmungen der Einwanderung ändern sich, und Neuankömmlinge werden über alle Fragen durch die „Congregacaö Israelila Paulista, Wohlfahrtsamt, Sao Paulo, Brigadeiro Galvao 181" beraten. Zu Ihren Fragen bemerken wir folgendes : , Die Anpassung an das Klima ist für einen gesunden Menschen nicht schwierig, auch für Frauen und Kinder nicht. Die Sommer sind recht heiß (30 bis 35 Grad Durchschniiisiemperaiur), im Winter haben wir morgens und abends empfindliche Kälten (bis zu 5 Grad über Null), mittags dagegen ist es warm (etwa 20 Grad). Diese Temperaturschwankungen in Sao Paulo bieten die stärksten Schwierigkeiten,- sonst ist das Klima gesund und gut. Die Häuser haben keine Heizung, sodaß die Kälte recht spürbar ist und Wintersachen gebraucht werden. Mari wohnt hier im allgemeinen zur Miete in kleinen Häusern, auch gibt es in zunehmendem Maße Apartments, ■die aber im Verhältnis teurer, wenn auch leichter zu bewirtschaften sind als kleine Häuser. Die Räume in den Häusern sind nicht sehr groß, so daß große Möbel sich nicht gut un-. ^erbringen lassen. _ Heizung ist, wie erwähnt, nicht vorhanden, selten istC: atich Warmwasserversorgung in Häusern, häufiger in Apartments. Die meisten Häuser sind einstöckig, haben Terrasse oder ein Gärichen,- ebenerdige Häuser, sogenannte Bungalows sind seltener. Ungeziefer gibt es wohl, wie Moskitos und Baratten, doch hat man hier die Milier zur Bekämpfung. Die hygienische Versorgung ist gut; fast alle Häuser haben Wasser, die meisten auch Gas und elektrisches Licht, nur in wenigen Gegenden der Außenbezirke fehlt es. Mit der sozialen Hygiene, wie man sie bisher gewohnt war, ist -es hierzulande nicht so gut bestellt. Krankenkassen, wie inan sie drüben kennt, gibt es hier nicht; die wenig vorhandenen geben wohl kleine Hilfen, aber Arzneien beispielsweise werden nicht bewilligt und höchstens 20 bis 25 % von seilen der Kasse dazugezahll. Aerzte gibt es ausreichend, sowohl brasilianische wie deutsche, auf allen Gebieten,- auch Apotheken sind in großer Zahl vorhanden. Wer nach Brasilien einwandern will, möchte begreiflicher Weise erfahren, was er an Gegenständen mitbringen kann. .Im allgemeinen seien zur Mitnahme empfohlen : Von beweglichen Dingen alle hauswirischaftlichen Maschinen, soweit sie nicht neu sind,- Bettzeug, Federbetten und Decken, auch Matratzen, wenn gut; alle Wäsche, soweit nicht neu,- alles ist zu zeichnen. Für haus wirtschaftliche Maschinen ist hier Anschluß für 110 Volt, Wechselstrom, vorhanden. .Handwerkszeug, fürs Haus empfehlenswert, wäre eben-; falls mitzubringen. Von Kleidung sollte alles, auch an Wintersachen mitgebracht werden (Pelze für Herren werden nicht getragen). Mittel zur Ungezieferbekämpfung sind hier erhältlich, Hausapotheken können mitgebrächt werden,- Hausmittel und alle wesentlichen Medikamente sind hier zu haben. Die auswandernde M u 11 e r bekommt alle Ratschläge für kleinere und größere Kinder hier,- genügende Beaufsichtigung der Kleinen auf der Reise ist nötig. Aus wander ungs gut sollte man möglichst nicht im Lift mitbringen, da für diesen hier zurzeit hoher Zoll gezahlt werden muß,- wie denn auch Teppiche, Klaviere, Möbel (größere) in letzter Zeit erheblichen Zoll kosteten. Die Wohnungen sind klein, so .daß es sich ohnehin, wie schon bemerkt, nicht empfiehlt, größere Möbel mitzubringen. Das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde in Sao Paolo erteilt alle Auskunft. Empfehlungen an hier Ansässige sind oft von Nutzen. Vorbeugende gesundheitliche Mäßnahmen erfahren Sie hier. Vor der Auswanderung ist nichts außer der Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften, die für dar. Visum verlangt werden, erforderlich. Ein Bericht aus Südafrika Cape Town (Capstadl), Juni 1938.. An den Jüdischen Frauenbund! - ' •-' '■'; '• ' ' Ich kann Ihnen nur wenig Informationen über das hiesige Kunstleben geben, da es so etwas hier nicht gibt. Wir haben einige Musiker, aber nur privat. Es gibt hier, außer einem Konzert wöchentlich in der City Hall, keine Musikabende oder Theater! Damit ist es hier also noch sehr.mager bestellt;1 aber es wird vielleicht noch werden. In den letzten Jahren sind einige gute hiesige Schriftsteller ans Licht gekommen, aber all das steckt noch in den Kinderschuhen. Wir begrüßen es, daß Juden aus Deutschland ein Geschäft mit modernem Glas, Leder usw. aufgemacht haben. Langsam wendet sich der Geschmack auch hier dem Modernen zu. Die Wohnungen sind alle in gleichem Stil möbliert. Unsere Wohnung, zu der wir uns die Möbel selbst entworfen haben und anfertigen ließen, wird hier viel besprochen. Die weiße Bevölkerung macht hier 2 000 000 aus, davon-ist noch nicht die Hälfte in der Lage, einen kleinen Luxus zu erschwingen. Man muß die sehr interessante Entwicklung dieses Landes und seine Geschichte sehr genau kennen, um das zu verstehen.^Frauen sind elegant, aber oft zu überladen und zu auffällig angezogen. Was man bei uns „Kinderstube" heißt, kennt man hier wenig, außer in einigen englischen und holländischen Familien. Es finden sich hier selten Stücke, die auf eine alte Tradition oder ' Kultur hinweisen, sei es in Möbeln, Schmuck Ornamenten, Silber; Porzellan usw. Man kann in wohlhabende : Familien kommen und findet fast nie schönes Tafelsilber oder Porzellan, aber. die Leute haben Autos und Günstige / Gelegenheit lür Aosuianderer! ■ r ~\ Sommer-SchluO-Verkauf Frankfurt a. Kl. / An den MarkfliaDea Reinaekätr. 3 Hanauer Landstr.87 ^. J Vieles ist

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