Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 7 (4.1938)
- Date
- 1938-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3094266-3094451-3094458--6064-3100860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 7 April 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 9 hier in seiner Verwirklichung in Angriff genommen: Vereinigung von Arbeiter-Dasein und gelebter Religion. Rein innerjüdisch gesehen ist von besonderer Bedeutung, mit welcher Offenheit man denaus dem Leben im Lande sich ergebenden Forderungen an eine Weiterbildung der Halacha begegnet. Mutig ist eine solche Haltung nach beiden Seifen, und darum kann ihr weisende Kraft in doppeltem Sinne innewohnen. Sie kann eine Auflockerung in der Erschließung der Lehre für das Leben bedeuten, sie kann eine Reinigung des Religiösen im Judentum vom Beigeschmack des Reaktionären bewirken. Zum andern sind es die beiden liberalen Gern e i n d e - Versuche in Jerusalem und Haifa. Es hat nicht nur am Auge des Beschauers gelegen, wenn diesen Versuchen hier ein Platz eingeräumt wird, der ihre zahlenmäßige Größe übersteigt. Das Recht zu dieser Beurteilung wird abgeleitet aus der prinzipiellen Geltung des Versuchten. „Liberales" Bemühen ist hier wieder zurückgegangen auf das Ursprüngliche seiner Kraft und seiner Berechtigung. Es ist nicht mehr erkennbar i —. oder gar meßbar. — am Aeußeren seines Auftretens (es gibt dort keine Orgel und keine deutschen Gebete), sondern an der Lebensnähe seines Wollens. Hier beginnt man damit, an jene bisher so ganz fern stehenden Menschen und Kreise religiöse Fragestellung heranzutragen. Den Menschen, der sich abwandte, zum Zuhören zu bringen, ist das Ziel dieser „innerjüdischen Mission" (ein Begriff des Leiters der - liberalen'.Gemeinde in Jerusalem, Rabbiner Dr. Wilhelm). Mühselig ist das Beginnen, oft verkannt, nicht selten angefeindet. Wachsend ist aber die Zahl der Menschen, die zu den Gottesdiensten kommen, und der Jugend, die aus den Absichten der Gemeinden herausfühlt, daß gerade Jugend hier Verständnis findet und Antwort auf ihr Suchen. Lehrhaus, Schule, Jugendgruppe sind Für Pesach Sämtliche Hagadoth, sowie Sederschüsseln, Sederhandtücher, Mazzothtaschen etc. zu beziehen durch J. KAUFFMANN Jüdischer Buchverlag u. Buchvertrieb Kronprinzenstr.12, Fernspr. 34888 die Stätten, von denen aus mit den weit abgetriebenen Menschen aus dem Westen - und schon kommen auch Menschen des Ostens - zusammen ein Weg zu religiösem Sein und Leben gefunden werden soll. Es ist nur zu wünschen, daß zu dem Versuchen dieser beiden Gemeinden sich auch das an anderen Stellen im Lande anhebende Suchen — hierbei sind gleichfalls Lehrer und Jugendführer aus dem liberalen Judentum Deutschlands,.führend beteiligt — hinfinde. Es wird ein hartes, aber im Interesse von ganz Israel gelegenes Ringen sein, um das, was noch unbewußt in den Menschen liegt, zum Bewußtsein zu heben. Daß sie die Menschen, die abseits des Religiösen leben, nicht sich selbst überlassen, daß sie zu ihnen hingehen, ist Schwierigkeit und Verdienst aller derer, die sich darum bemühen. Israel ist nach 2Q0O Jahren der Wanderung heimgekehrt. Glaubt man, die Spuren seiner Wanderung wären so schnell verwischt? So manche Wunde, die langer Weg verursacht, wird jetzt erst allen Augen sichtbar werden. Aber „die Luft von Erez Israel macht weise", und „aller Weisheit Anfang ist Gottesfurcht". Aus der Gemeindevertretung Sitzungsbericht von Bürodirektor J. Meyer Sitzung vom 24. März 1938 Der Vorsitzende, Herr Dr. Richard Merzbach, eröffnet in Anwesenheit von 28 Gemeindevertretern und 9 Mitgliedern des Vorstands die Sitzung. Fräulein Aenne Pomeranz hat ihr Amt als Vorstandsmitglied niedergelegt. Der Vorstand hat von dieser Amtsniederlegung mit Bedauern und dem Ausdruck herzlichen Dankes. für die Tätigkeit des Fräulein Pomeranz Kenntnis genommen . und der Ausgeschiedenen seinen besonderen Dank für die im Interesse der Gemeinde geleistete Arbeit schriftlich ausgesprochen. Die Gemeindevertretung nimmt Kenntnis und schließt sich dem Dank des Vorstands an Fräulein Pomeranz an. Herr Dr. Ernst Gottschalk hat dem Vorsitzenden schriftlich mitgeteilt, daß er seinen Sitz in der Gemeindevertretung wegen seiner in Kürze erfolgenden. Auswanderung niederlegt. Der Vorsitzende hat Herrn Dr. Gottschalk für seine ersprießliche Mitarbeit in der Gemeindevertretung schriftlich gedankt und ihm für sein weiteres Wohlergehen alles Gute. gewünscht und namens der Gemeindevertretung den Ausdruck des Dankes und der guten Wünsche wiederholt. Als Ersatz für die aus dem Vorstand ausgeschiedenen Mitglieder Sali Kaufmann und Fräulein Pomeranz hat die Fraktion der jüdischen Volkspartei die Herren Zahnarzt Dr. Alfrecf Strauss und Landgerichtsrat a. D. Dr. Franz Lion zur Wahl vorgeschlagen. Die Wahlvorschlagskommission hat sich dem Vorschlag der Fraktion angeschlossen. Demgemäß werden die Vorgeschlagenen in den Vorstand gewählt. Kenntnis genommen wird von der Wahl des Herrn Hugo Hecht in den Schulrat des Philanthropins anstelle des infolge Ausscheidens aus dem Gemeindevorstand auch aus dem Schulrat ausgeschiedenen Fräulein Pomeranz für den Rest ihrer Amtsperiode, d. h. bis zum 31. 3. 1938 und gleichzeitig auch für die weitere Amtsperiode ab 1. 4. 1938, sowie von der Wähl des Herrn Dr. Nathan Eosenthai in die gemischte Finanzkommission anstelle des aus dem Gemeindevorstand und damit auch aus der gemischten Finanzkommission ausgeschiedenen Herrn Sali Kaufmann. Auf Vorschlag der Wahlvorschlagskommission werden gemäß der vorgenommenen Ersatzwahlen durch die Platzinhaber der betr. Synagogen gewählt: In den Vorstand der Synagoge am Dominikanerplatz anstelleder ausgeschiedenen Mitglieder des Synagogenvorstands Jacob Bickhardl, Dr. Ernst Freimann und Siegfried Stern, die Herren Ludwig Grünebaum, Ludwig Moritz und Gustav Zuntz. In den Vorstand der Westendsynagoge anstelle der turnusmäßig ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Herren Alfred J. Mayers und SR. Dr. J. Rothschild und anstelle des durch Auswanderung ausgeschiedenen Herren Dr. Matzdorff die Herren Julius Kaufmann, Leonhard Moser und Richard Schottenfels. Es folgt die Bewilligung zweier Etatszwölftel auf Grundlage des Etats 1937/38 für die Monate April und Mai 1938. - Der Vorstand hat auf Antrag der gemischten Finanzkommission beschlossen, den Kultussteuersatz unverändert auf 271/a% Zuschlag zu der für das Kalenderjahr 1937 veranlagten Reichseinkommensteuer bzw. Lohnsteuer oder 331/s% Zuschlag der für das Rechnungsjahr 1938 zu entrichtenden Reichsvermögenssteuer in den Fällen, in welchen die beireffenden Pflichtigen einkommensteuerfrei veranlagt sind oder der Zuschlag zur veranlagten Vermögensteuer höher ist als der zur veranlagten Einkommensteuer, festzusetzen. Außerdem gelangt ein Gemeindegeld von RM 1.50 bis RM 100.- nach der im Vorjahr angewandten Staffel zur Erhebung. Eine Aenderung der vorstehenden .Sätze im Laufe des Rechnungsjahres 1938 bleibt vorbehalten. Ein Antrag des Herrn Dr. Freimann auf Senkung der Kuliussteuer auf einen Satz von 25% als Zuschlag zur Reichseinkommensteuer pro 1937 wird in nichtöffentlicher Sitzung behandelt. Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit wird dem Vorstandsbeschluß zugestimmt. In Sachen des von der Jüdischen Wohlfahrtspflege bzw. von einem neu zu gründenden Verein „Jüdisches Altersheim e. V." mit der Israelitischen Männer- und Frauenkrankenkasse abzuschließenden Vertrags, erklärt sich die Gemeindevertretung mit dem Inhalt und der Fassung des vorgelegten Vertragsentwurfs einverstanden und genehmigt nach Zustimmung der gemischten Finanzkommission die vom Vorstand übernommenen Verpflichtungen. Für die Beschaffung eines Heizkessels im Krankenhaus wird ein Betrag von RM. 3500. - bewilligt, ebenso ist die Gemeindevertretung mit der Bewilligung eines