Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 6 (3.1938)
- Date
- 1938-03-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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/ Seite 12 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFÜRT Nr. 6 März 1938 VOM OPERNPLATZ r ßoethestraße 26 E. FULD & Co. WÄSCHE-SPEZIALHAUS Herren- und Damenwäsche, Bett-, Tischu. Küchenwäsche, Kinderkleider Gute Qualität Billige Preise Goethestrafle 22 MODE -RICHTER Das Spezialgeschäft der gut angezogenen Frau MÄNTEL, KOSTÜME, KLEIDER, BLUSEN, RÖCKE Goethestrasse 21 ^-w GoethestraDe 4 j A,@IEWIIf®IH!li^£ Altbekannt ffir gute KOIFIFIE® u. Lederwaren zu niedrigen Preisen J Hermann Loeb Mediz.-Drogerie und Parfümerie Alle einschlägigen Artikel auch Gr. Bockenh. Str. 5 Tel 27690 (->> Goethestraße J *}eden ^ag interessante Sfeubeiten in Kleidern, Kostümen, Klüsen, ^ultooer und ^ödce bei Unesse Damen-tyioden ZUR HAUPTWACHE Konzert zugunsten der Jüdischen Winterhilfe In dankenswerter Weise hat sich in diesem Jahre der Jüdische Kulturbund Rhein-Main der Jüdischen Winterhilfe zur Verfügung gestellt. Er wiederholt zu ihren Gunsten Montag, 14. März, 20 Uhr, in der Westend-Synagoge die Aufführung des Oratoriums „Belsazar" von Händel unter Leitung von Dr. Nathan Ehrenreich. Die Jüdische Winterhilfe' erwartet regen Besuch dieser Veranstaltung. Eintrittskarten von RM. 1.- bis RM. 4.- sind ab 1. März im Büro des Kulturbundes, Oberlindau 7 (Telefon 75321) und durch telefonische Bestellungen bei der Jüdischen Winterhilfe, Quinckestraße 26 (Telefon 43703) erhältlich. „Werkdienst am Zelt der Gegenwart" Das Ergebnis der Haussammlung, die am Sonntag, 27. Februar, in sämtlichen jüdischen Gemeinden vor sich ging, bezweckte eine zusätzliche Hilfeleistung für die Juden in den besonders notleidenden Klein- und Mittelgemeinden. Gerade dort hat sich die Not außerordentlich verschärft; Beweis: der fünfte Teil der von der Jüdischen Winterhilfe Unterstützten könnte von ihr ohne Hergabe zentraler Mittel nicht versorgt werden. Die folgenden Vergleichszshlen aus den Jahren 1936/37 und 1937/38 zeigen das Wachstum der Hilfsbedürftigkeit aufs deutlichste: in Schleswig-Holstein stieg sie von 19,6% auf < 31,1%, in Pommern von 25,1% auf 29,1%, in Ostpreußen von 30,9% auf 35,8%, in Hessen-Nassau von 28,7% auf 36,1%, im Landkreis Friedberg-Hessen allein von 29,3% auf 45,6%. In einzelnen Kleingemeinden sind weit mehr als die Hälfte, in einem Fall fast 90% der Gemeindemitglieder hilfsbedürftig,- z. B. sind in Alt-Landsberg von 140 Gemeindemitgliedern 70 Hilfsbedürftige; in Johannisburg (Ostpr.) 59(54), in Neidenbürg 60 (45), in Krojanke 61 (38), in Neuruppin 35 (30), im Bezirk Trier 504 (203). - Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden' in Deutschland nahm daher die Haussammlung vor,, um mittels Zählung des dabei ausgegebenen „Spendenscheins" zugleich auch, im Sinne des zitierten Schrifiwortes, die Anzahl der „hilfsbereiten Juden" in Deutschland zu ermitteln. s lias Ulimann zum Gedenken 1812-1888 Ein Frankfurter Jude, der auf vielen Gebieten mit Erfolg tätig gewesen ist, war Elias Ullmann. der am 20. März 1812 hier in der Schnurgasse H 61 „Zur bunten Kirsche" als Sohn des Tuchhändlers Hirsch Elias Ullmann geboren wurde. Der begabte Knabe besuchte das Sach'sche Institut und nach dessen Auflösung die Schule des Dr. Weill. Von 1826 bis 1850 lernte er im väterlichen Geschäft, für das er schon mit sechzehn Jahren Reisen unternahm, und sollte den Betrieb fortführen. Nach des Vaters Ableben aber gründete Elias, dessen Interesse nach anderer Richtung ging, um 1840 eine Buch-, Kunst- und Antiquariaishandlung, die zuerst auf der Zeil war, später auf dem Steinweg, dann in der Trierischen Gasse, schließlich in der Bleichstraße Nr. 16. Im Ullmann-Verlag erschienen u. a. „Der Wegweiser" von I. H. Ludwig (1843) und eine Sammlung französischer Klassiker (1842). Später betätigte Ullmann sich auch als Gemeindeschreiber und wurde' im Jahre 1851, nach Aufgabe des Geschäftes, Aktuar des Frankfurter Israelitischen Gemeindevorstandes. In diesem Amt wirkte er siebenundreißig Jahre. Ullmann ist auch als Schriftsteller hervorgetreten,- in den „Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für Geschichte und Altertumskunde", im „Frankfurier Anzeiger" in den „Frankfurter Hausblättern", auch in der „Frankfurter Zeitung" sind Arbeiten von ihm erschienen. Ferner hat er die Familienregister und Stammtafeln vieler Familien ausgearbeitet, z. B. von Hirsch, Herz, Straus, de Worms, Schiff, Stern-Wohl, Michel Isaac Bing, Ephraim Grödel, Salomon Benedikt Goldschmidt usw. Er hat nebenseiner beruflichen Tätigkeit sich auch anderen Aufgaben des öffentlichen Dienstes gewidmet. So war ,er Mitglied des Pflegeamts, des Freien Deutschen Hochstifts, Senior der Israelitischen Männerkrankenkasse,Vorsitzender.des Vereins zur Ausstattung israelitischer Bürgerstöchter usw. Ullmann zeigte sich stets und überall aufgeschlossen für alle die Oeffentlichkeit bewegenden Fragen geistiger, religiöser und künstlerischer Art. Er beteiligte sich eifrig an den Verhandlungen der Rabbinerversammlung, die 1845 in Frankfurt tagte, und an der Gründung des deutsch-israelitischen Gemeindebundes. Mit Hermann Hendrichs, Conrad Degen und anderen Bühnenmitgliedern hat er im Liebhabertheater „Zu den drei Sauköpfen" im Badischen Hof am Garküchenplatz neben dem Fürsteneck zusammengewirkt. Mit dem Musiker Ferdinand Hiller hatte er auf der Schulbank gesessen und blieb mit ihm in regem Briefwechsel. Seiner Vaterstadl hat er auch als Soldat treue Dienste geleistet. Im Jahr& 1836 wurde-er zum Unterleutnant im ersten Bataillon der Stadtwehr-Infanterie, den sogenannten Graumännern, gewählt; 1844 wurde er Oberleutnant, 1846 Hauptmann. Elias Ullmann war zweimal verheiratet,- seine erste Gattin, Rosine Bauer, starb nach fünfjähriger Ehe (1840)/ im Jahre 1845 ehelichte Ullmann dann Helene. Charlotte Binge. Aus der ersten Ehe stammten drei Kinder, die früh starben, aus der zweiten vier (zwei Söhne und zwei Mädchen). Vor