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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-01-01 · 4 (1.1938) · p. Seite 23

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
4 (1.1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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3Mo. 4 Jäüuar 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 23 Frankfurt-Fulda von S. Lilienthal-Wiesbaden (Schluss unserer Reihe) Schlüchtern 2UU m hoch ü.d. M. 3400 E. Uraltes Beiiediktinerklcster, wohl -aus dem 8. .Jahrb., Fulda unterstellt. Um 1350 ist Konrad von Trimberg, Landsmann und wohl auch jüngerer Zeitgenosse des jüdischen Minnesängers Süsskind vrn Tr., Schirmvogt des Klosters und des Ortes. Dieser kemrat 1377 zu Hanau, wird 1550 Stadt, leidet arg im 30;'ihr. Krieg, kommt nach manchem Wechsel der Herrschait 1866 an Preussen. — Die ersten .J uden Schlüchterns sind wohl 1349 einer fürchterlichen Verfolgung in Fulda entronnen. 1G40 und 1644 fordern Rat und Bürgers haft die ..Abschaffung" der Juden. Allerdings ist damals <ler Met/.iriM- Isaae ein Mann, der sich zahlreiche Gerichtsstraten zuzieht. 1671 lassen sich wieder aus Fulda Vertriebene hier nieder, darunter zwei bedeutende Rabbinen: Gaon R. Aren und Gacn R. Susmann, sowie R. Löh Sofer, dessen Sohn als Vorbeter und Schächter wirkt. Bctraum und Friedhof sind schon vorhanden. Parnaß und Manhig ist R. Mosche bar Meir aus Homburg v. cl. Ii., Lehrer Schneur ben Jehuda. Des Vorstehers Sohn Meir, David aus Werneck und Jos. Salomon b. Jakob treten 1685 bis 1687 als Käufer von Erzeugnissen der Büdinger Eisenhütte auf. 1707 sind unter insgesamt 197 Familien 13 jüdische. Zu dieser Zeit hat die Einwanderung auch \on Juden aus dem Ausland begonnen. Es stirbt damals Sprinz (= Esperanca), Tochter des Abraham Raichen aus Lerida (in Katalonien), also Sephardin. Zwei Mitglieder stammen aus „Ubina" (Budapest), zwei andere aus Bisenz in Böhmen. Erst 1750 wird eine ..Judenschule" neben dem Stadtgraben -gebaut., der an dieser Stelle auch Judengraben heissf und augenscheinlich die Juclengasse begrenzt. 1754 hat Schlüchtern unter 1322 Einw. sehon 90 Juden, 1761 17, 1787 sogar 33 Haushaltungen, also mehr als 200 Seelen. 1797 betragen die gesamten Judenabgaben schon 365 Guld., darunter Musik-. Schlaf- Federlappengeld. Ein bekanntes, gern gesehenes Original ist damals Mordechai Loeb, der den Bauern Stoffe, Kurzwaren. Gewürze verkamt, ihnen .vor allem Felle abkauft und allerhand Aufträge in Schlüchtern ausführt, ein kluger und untadeliger Mann, wenn auch mit dem riesigen Dreimaster auf dem Kopf etwas komisch wirkend. Als das „Preusje von S c h 1 ü; h t e r n" ist er in die Kunst (durch L. E. Grimm) und die Heimatliteratur eingegangen, 1817 gestorben. 1811 wohnen 41, 189S bei der Einweihung der neuen Synagoge 70 Familien in Schlüchtern. Rabbiner war in der ersten Hälfte des 19. Jahrh. Michel Ahr. Gabriel, wohl sein Nachfolger R. Dr. Moses Schwarzschild, der 1836—74 amtierte. Dessen Sohn , Morö" S^hwarzschild folgte dem Vater im Lehramt. Jetzt hat die Gemeinde eine jüdische private Volksschule, Die Gemeinde hat 1930: 340 S., heute etwa 130. Auskünfte, auch über Unterkunft und Verpflegtmg, gibt Herr A. Sichel, Fuldaerstr. 8. Die Synagoge an der Gartenstr-, 1898 eingeweiht, ist heute viel zu groß. Sie enthält alte Thorarollen mit z. T. altem Silberschmuck und ein altesbronzenesWaschbecken, einGeschenk d e r H e r r e n v o n H u 11 e n. Das Memorbiieh ist aus dem 17. Jh. — Der älteste Besitz der Gemeinde ist der alte Friedhof a. d. Breitenbacherstr., wohl aus dem 14. Jahrh.; der neue liegt an der Fuldacrstr. — Durch das prächtige Tal des Elmbachs in 35 Min. nach Elm; eine Viertelstunde südö. Schloss Branden- . stein. Nun eine Stunde nordö. das Dörfchen Hutten, die Heimat des gleichnamigen Geschlechts; eine Stunde südöstlich von Brandenstein die Ruine Steckeisburg, wo Ritter Ulrich von Hutten 1488 geboren wurde und seine Kindheit verlebte. 1505 aus Fulda entlaufener Klosterzögling, wird er Soldat, Gelehrter, Mitstreiter von Johannes Reuchlin in dessen Kampf gegen Pfefferkorn und die Kölner Dominikaner, Mitarbeiter an den berühmten „Dunkelmännerbriefen", die wahrscheinlich in der seinem Freund Franz von Sickingen gehörenden Ebernburg bei Münster a/St. entstanden. Auch Joselmann von Rosheim, dem großen Stadlan, d. h. Helfer seiner jüdischen Brüder, ist er nach Kräften behilflich. Nach durchschnittlich 35 Minuten Bahnfahrt zum Endpunkt unserer Wanderung: Fulda JACOB GEIGER,?ÄhÄandstr-73 Versicherungen aller Art, sowie auch Krankenversicherungen eben. Die Forderungen, die an die Selbstdisziplin unserer jüdischen Menschen gestellt weiden müssen, können darum nicht hoch genug sein. Schon geringfügige Anlässe des Fehlens einer solchen Selbstdisziplin, selbst einmalige Vorfälle müssen streng geahndet werden, um ihre Wiederholung oder gar ihre Verschlimmeiung für alle Zukunft zu vermeiden.!>ie Sportler selbst und ihre Vereine besitzen seit Jahren ihre Disziplinargewalt und Gerichtsbarkeit Wenn trotzdem die hisziplin der Rasenspoitler bei Wettkämpfen noch manches zu wünschen übrig lässt, so sehen es die jüdischen Sportbehörden als ihre vordringliche Aufgabe an, hier durch äusserste Strenge Abhilfe zu schaffen. Für die Verfolgung von Disziplinlosigkeiten' von Nicht Sportlern' auf Sportstätt e n fehlte bisher aber jede Autorität. Die Israelitische Gemeinde Frankfurt hat sich in den letzten Wochen mit diesen grundsätzlichen Fragen befasst und ist zu dem Entschluss gekommen, durch ihr Jugendezernat in Zusammenarbeit mit den jüdischen Vereinen in Frankfurt die beiden Vorsitzenden des „Spielausschusses jüdischer Sportvereine Süd Westdeutschlands" Hugo Hecht und Walter Hirschmann mit der Exekutive für solche Fälle zu betrauen. Der „Spielausschuss" ist die oberste ,'tidische Sportbehörde des Bezirks und durch seine paritätische Zusammensetzung hat er bei den Vereinen bereits besonders autoritäre Befugnisse erhalten. Die Betrauung seiner Leiter mit der Wahrung der Disziplin auf den Sportplätzen, den jüdischen Sportveranstaltungen, auf der Eisbahn, im Strandbad, usw. stellt so nur eine sinngemässe Erweiterung ihrer Kompetenzen dar. Die wichtigste Aufgabe bei der Wahrung der Disziplin auf den .lüdischi n Sportstätten fällt selbstverständlich in erster Linie den Funktionären der jüdischen Vereine zu. Daran wird auch durch die Neuordnung des Jugenddezernates nicht das geringste geändert. Es ist zu erwarten, dass durch die jetzt erfolgte Einsetzung einer eigens zur Verfolgung von Disziplinlosigkeiten beauftragten Exekutive schon an sich Anlass zum Einschreiten wohl kaum gegeben wird. Für alle Fälle aber werden den Vereinen und ihren Funktionären in den nächsten Wochen eingehende Richtlinien über ihr Verhalten und ihr Vorgehen bei Vorkommnissen auf Sportstätten gegeben. Die Leiter der ,'üdischen Vereine in Frankfurt haben die Initiative der Gemeinde in dieser Frage begrüsst, sie versprechen sieb durch diise Maßnahmen eine bedeutende Stärkung der Autorität ihrer Organisationen, eine reibungslosere Sportarbeit und eine Hebung der Disziplin und damit der Leistungen ihrer Aktiven und Jugendlichen auf sportlichem Gebiet. L. W.-s. Geschäftliche Mitteilungen Die Firma Zigarren-Wolf, Zeil 49, macht darauf aufmerksam, class sie ständig eine schöne Auswahl preiswerter Geschenk- Packungen führt. Das Photo-Atelier May weist darauf hin, dass sich ab 1. Januar 19S8 seine Geschäftslokalitäten Kaiserstrasse 11 befinden. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein Verzeichnis der letzten Neuerscheinungen des Schocke n-V e r 1 a g s, Jüdischer Buchverlag, bei, den wir der besonderen Beachtung unserer lieser empfehlen. Adriatica — Reisen Die Vereinigten Italienischen Schiffahrtsgesellschaften „Adriatica" weisen darauf hin, dass sie anlässlich des Purim- und Peßach-Festes die Passagepreise in allen Klassen für die Hin- und Rückreise nach Palästina erraässigen. Die Gemeinde sorgt für Disziplin Unser jüdischer Sport soll nicht nur die den Vereinen anvertrauten jüdischen Sportler erziehen, er soll seinen erzieherischen Einfluss auch beim Publikum auf den Sportstätten geltend ma- H. ZIM M ER HANAUERLAN DSTRASSE 44

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