Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 4 (1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 Januar 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 21 Corsets, Büstenhalter S. LÖH REN IllllllllllllllllllllUlllllllllllllllllllllllilim ZEIL 85 üsi Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Forchneimer. Frankfurt a. M., Schumannstr. 9 Corsets, Büstenhalter S. LÖHREN ÜHüZEIL 85üH£ .7 Als im Jahre 19*21 unsere altehrwürdige Frankfurter Israelitische Gemeinde sich eine neue Verfassung gab, erhob sich zum erstenmal die Forderung nach gleichberechtigter Mitarbeit der Frauen in den Gemeindekörperschaften. Unter den Mitgliedern der Kommission, die beratend und bestimmend die Satzungen der neuen Verfassung festlegten, befand sich eine Frau — Bertha Pappenheim —, die Schöpferin der jüdisch-sozialen Frauenarbeit in Frankfurt a. M. Ihrer tatkräftigen Vertretung der Frauenrechte ist es mit zu danken, dass die Frankfurter Israelitische Gemeinde an der Spitze aller deutschen jüdischen Gemeinden das Frauenwahlrecht einführte, sowohl für den Vorstand, wie für die Vertretung der Gemeinde. Durch diese neue Bestimmung sollten Frauenart und Frauenkraft in die allgemeine Gemeindearbeit hineingetragen werden, nicht Vertretung einseitiger Fraueninteressen, wie vielleicht von mancher männlichen Seite befürchtet werden mochte. Die Gemeindearbeit ist in erster Linie Verwaltungsarbeit; Frauenprobleme stehen nicht abgesondert von den allgemeinen Fragen, aber es gibt Gebiete, denen die Wesensart und der Einfluss der Frau eine eigene Note und besondere Blickpunkte geben können. Es war selbstverständlich, däss die Wirksamkeit der Frau sich in dem von den Männern geschaffenen, festgefügten Rahmen bewegte. Vielleicht ist es von Interesse sich heute die Worte in Erinnerung zu rufen, die vom Vorstande der Frankfurter Israelitische Gemeinde, anlässlich einer Rundfrage über elie Mitarbeit der Frauen, vor einer Reihe von Jahren geschrieben wurden: „Mehrere Frauen sind in den Verwaltungskommissionen, insbesondere in der Kommission für Unterrichts- und Erziehungswesen,- in der Kommission für soziale Fürsorge, in den Vorständen der liberalen Synagogen, im Pflegamt des Krankenhauses, in der liberalen Kultuskommission, in der Friedhofskommission tätig. Sie haben sich in allen diesen Kommissionen als besonders schätzenswerte Mitarbeiter erwiesen. Ebenso gaben Frauen uns die Veranlassung zu einem eingehenden Studium aller Einrichtungen der offenen und geschlossenen Wohlfahrtspflege zwecks -stärkerer Einflussnahme der Gemeinde in Bezug auf ihre Organisation . . " In diesen kurzen Sätzen sind die Hauptgebiete genannt, auf denen die Mitarbeit der Frau besonders wünschenswert ist. — Wohlfahrtspflege, Kindergärten, Horte und z. T. Jugendheime sind nicht eigene Einrichtungen der Frankfurter Israelitischen Gemeinde, aber die veränderten Verhältnisse und die wachsende Not der letzten Jahre haben die gemeindliche* Einflussnahme und materielle Unterstützung in erheblichem Maße gesteigert. Gemeindevorstand und Gemeindevertretung delegieren Frauen in' diese Gremien, die den Vertreteri n.n en aller Richtungen reiche Möglichkeiten zur Betätigung; geben. Es sei auch an. dieser Stelle betont, dass die Zusammenarbeit der Frauen der verschiedenen Fraktionen stets in besonders harmonischer Weise erfolgt, wenn auch die Entpolitisierung der Gemeinde durch elie ^Die Frau in der Gemeinde Frauen noch ein Ideal geblieben ist. Die in vergangenen Jahren oft recht schroffe Kampfstellung zwischen den Parteien hat wohl auch den Frauen manche Enttäuschung in ihren Erwartungen und Wünschen gebracht, umsomehr sollte es ihre Aufgabe sein, Toleranz und Versöhnlichkeit durch Ueberbrückung der Gegensätze zu üben. Die Frankfurter Israelitische Gemeinde hat bei allen Wahlen in den verflossenen Jahren den Frauen Sitz und Stimme gegeben. Dem Gemeindevorstand gehört eine Zionistin an, in der liberalen Fraktion der Gemeindevertretung sind vier Frauen, in der konservativen Fraktion eine Frau. Die Fraktion der Jüdischen Volkspartei hatte bis zur" letzten Wahlperiode eine Frau in ihren Reihen. Mit Verantwortung und Pflichtbewusstsein waren und sind die Frauen bemüht, ihren Platz in den Gemeindegremien zu behaupten. In den Kommissionen für soziale, kulturelle und gottesdienstliche Fragen sind sie vertreten, Bildungswesen und Schule gehören ebenfalls zum Aufgabengebiet der Frau. Im Schulrat des Philanthropins, der Stätte der Jugentlerziehung, ist. fraulichem Rat und Einfluss Zugang geschaffen. In der Finanzkommission, diesem wichtigen Gremium, das über den Etat der Gemeine zu entscheiden hat, war in den letzten Jahren ein weibliches Mitglied erfolgreich tätig, ein Beweis, dass auch dieses finanziell recht kritische Gebiet nicht nur Vorbehalt der Männer zu sein braucht. So wollen die jüdischen Frauen durch ihre Mitarbeit die Lasten und Pflichten der Gemeinde tragen helfen; sie wollen durch ihre Teilnahme an der Gemeindearbeit Frauenart und Frauenkraft zur Auswirkung bringen; sie wollen verantwortlich mitarbeiten, vornehmlich auf den Gebieten, die ihrer weiblichen Eigenart entsprechen. Die jüdischen Frauen wollen nicht getrennt, sondern gemeinsam mit den Männern in der Notzeit der Gegenwart eintreten zur Erhaltung der Gemeinde, zur Durchführung ihrer ernsten und schweren Aufgaben, die eler Förderung und Betreuung jedes einzelnen Gemeindemitgliedes und dem Schutze des Judentums gelten. Stephanie Forchneimer Zum 30jährigen Bestehen des Isenburger Heims Am 29. November fand in der Arnold Lazarushalle eine schlichte akademische Feier anlässlich des 30jährigen Bestehens des Isenburger Heims statt. Zahlreiche Frankfurter Mitglieder der Frankfurter Gemeinden hatten sich eingefuntief?; Vertreter von Organisationen, der Reichsvertretung, des Gemeindevorstandes, der Gemeindevertretung, der Israelitischen Religionsgesellschaft und verschiedener Frauenvereine brachten in herzlicher Weise ihre Glückwünsche dar. Gesangsvorträge von Fräulein Anneliese Bender eröffneten und beschlossen die Feier. Inmitten dichter grüner Blattgewächse stand die Büste der Schöpferin und Gründerin des Heims, Bertha Pappenheim. r Seit über 50 Jaijren erprobt und bewährt als Fachgeschäft für Wollwaren, Strümpfe, Wäsche, Trikotagen