Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-08-01 · 11 (8.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
11 (8.1937)
Date
1937-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3094266-3094439-3094450--5794-3100617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Was der Monat brachte Der Palästina-Bericht . Vor wenigen Tagen hat die Kommission, die unter Leitung von Lord Peel durch die englische Kegierung eingesetzt war, um die .Ursache der Unruhen in Palästina zu ergründen und Massnahmen vorzuschlagen, um den Frieden im Lande zu sichern, ihr Gutachten erstattet. Die englische Kegierung hat sich zu den Vorschlägen dieses Gutachtens bekannt. Damit ist die Richtung festgelegt,-in der über das künftige Schicksal Palästinas entschieden werden soll: Palästina soll in einen Jüdischen und einen arabischen Staat aufgeteilt werden; einige Zonen, besonders Jerusalem, sollen unter englischer Verwaltung neutrales Gebiet werden. Die ganze Judenheit hat voll tiefer Bewegung von diesem Plan Kenntnis genommen. Sie lebt der Hoffnung, daß es gelingen möge, die endgültige Entscheidung so zu beeinflussen, daß ihren gerechtfertigten Wünschen weitestmöglich Entgegenkommen erwiesen wird. Die heissen Wünsche der gesamten Judenheit begleiten die Arbeit der Männer, die in diesen schicksalsschweren Tagen für das Wohl der Juden zu wirken berufen sind. (Von einem wörtlichen Abdruck des Peel-Berichts konnte hier Abstand genommen werden, da er durch die Veröffentlichung in allen Zeitungen als bekannt vorauszusetzen ist.) Einheit in der Reichsvertretung In einer am 7. Juli 1937 unter dem Vorsitz des Präsidenten der Reichsvertretung, Dr. Leo B a e c k, abgehaltenen Sitzung wurden folgende Beschlüsse zur Neuorganisation der Reichsvertretung gefasst: I. Die Reichsvertretung ist die Vertretung der Juden in Deutschland gegenüber den deutschen Behörden und den jüdischen Hilfsorganisationen des Auslandes. Sie hat über die Verteilung aller ihr zufliessenden Gelder zu bestimmen. Sie ist die Planungsstelle für die jüdische Gesamtarbeit in Deutschland. Sie ist die Spitzenorganisation für die jüdische Wohlfahrtsarbeit in Deutschland. — Ihr obliegen die reichswichtigen Wohlfahrtsaufgaben. , Die bisherige Arbeitsteilung zwischen Reichsvertretung, Landesverbänden, Gemeinden und Organisationen-wird in folgenden Punkten geändert: 1. Die Errichtung, Erweiterung und Aufrechterhaltung von Schulen wird von den Landesverbänden bearbeitet, jedoch nur im ' Einvernehmen mit den zuständigen Stellen der Reichsvertretung, beim Preussischen Landesverband ausserdem im Einvernehmen mit der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Zu Schritten hei Behörden und zu finanziellen Zusagen, die eine Belastung der Reichsvertretung im Gefolge haben können, ist die vorherige Zustimmung der Reichsvertretung erforderlich. Verhandlungen mit den Zentralbehörden bleiben der Reichsvertretung vorbehalten. 2. Einrichtungen der Reichsvertretung auf dem Gebiete der Berufsausbildung und Berufsumschichtung sind auf Verlangen denjenigen Gross- und Mittelgemeinden, in deren Bezirk sie sich befinden, zur eigenen Verwaltung zu überlassen. Im übrigen bleibt die bisherige Arbeitsteilung zwischen Reichsvertretung, Landesverbänden, Gemeinden und Organisationen bestehen, soweit sie nicht künftig durch übereinstimmende Beschlüsse des Präsidialausschusses geändert wird (vgl. 11,3). II. ',. Der Rat bildet aus seiner-Mitte einen Haushaltsausschuss von fünf Mitgliedern, der folgende Aufgaben hat: 1. Beratung und Prüfung des dem Rat vom Präsidialausschuß vorzulegenden Haushaltsplans und Berichterstattung hierüber an das Präsidium des Rates. 2. Prüfung aller die Finanzgebarung der Reichsvertretung betreffenden sonstigen Anträge und Beschwerden und Berichterstattung hierüber an das Präsidium des Rates. 3: Laufende Kontrolle der Finanzgebarung der Reichsvertretung. In den Haushaltsausschuss entsenden aus der Mitte des Rates 'je ein Mitglied: der Preussische Landesverband, die nichtpreussischen Landesverbände, der Vorstand der Berliner Gemeinde. Die zwei weiteren Mitglieder wählt der Rat aus seiner Mitte. — Dem Haushaltsausschuss gehören an die Herren Kareski, Woyda, Staatsrat . Lippmann, Oettinger (Frankfurt), Ministerialrat Fuchs. III. Die Zusammensetzung des Rates wird dahin abgeändert, daß die Zahl der Vertreter des Preussischen Landesverbandes auf zwölf festgesetzt wird. Von den Vertretern des preussischen Landesverbandes sollen, nicht mehr als die Hälfte ihren Wohnsitz in Berlin haben. Die Vertreter, die ihren Wohnsitz nicht in Berlin haben, werden von dem Rat des Preussischen Landesverbandes bestimmt. Die Zahl der Vertreter der Organisationen wird vermehrt um einen Vertreter der Staatszionistischen Organisation und der Unabhängigen Ortodoxie. Von den fünf Mitgliedern des Rates, die vom Rat und Präsidialausschuss zu wählen sind, sollen a) mindestens drei ihren Wohnsitz im Bereich des Preussischen Landesverbandes haben, b) eines einer vom Jüdischen Frauenbund dem Rat vorgelegten drei Namen enthaltenden Vorschlagsliste entnommen werden. Voraussetzimg ist, daß die in dem Rat der Reichsvertretung vertretenen Körperschaften und Organisationen die Reichs Vertretung als die Vertretung der Juden in Deutschland gegenüber den deutschen Behörden und den jüdischen Hilfsorganisationen des Auslandes und ihre ordnungsmässig gefassten Beschlüsse als für sie bindend anerkennen. Ferner wurden folgende Richtlinien einstimmig angenommen: I. Dem Haushaltsausschuss wird aufgetragen, den Etat der Reichsvertretung dahin auf das Genaueste zu prüfen, wie weit Ersparnisse auf Seiten des Personal-Etats zu machen sind. II. Soweit geeignete Persönlichkeiten im Präsidialausschuss vorhanden sind, ist deren Betrauung mit bestimmten Dezernaten anzustreben. * Der Präsidialausschuss ist vom. Rat einstimmig neu zusammengesetzt worden. Er besteht unter dem Präsidenten der Reichsvertretung, Dr. Baeek, aus folgenden Mitgliedern: Otto Hirsch und Franz Meyer, sowie Alexander (Krefeld), Aron Freimann (Frankfurt), Grünewald (Mannheim), Josephsthal, Klee, Landenberger (Nürnberg), Michaelis, Schmeidler, Seligsohn, Stahl und Sulzberger. Auch der neugebildete Haushaltsausschuss wurde sofort besetzt. * Der Präsident der Reichsvertretung*, Dr. Leo Baeck, hielt in der Ratsversammlung, die die wichtigen Beschlüsse fasste, das Schlusswort. Er stellte fest, dass die Anerkennung der Reichsvertretung auch durch die Staatszionistische Organisation ausdrück- I ch erfolgt sei, und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Direktor Heinrich Stahl, erklärte, daß er den Abschluss der Meinungsverschiedenheiten, wie er nun vorliege, begrüsse und seinen und seiner Freunde guten Willen in die Arbeit einbringe. Ein Vertrauensvotum zur Reichsvertretung, vor allem zu Baeck .und Hirsch, das Max Warburg vorschlug, wurde widerspruchslos angenommen. Die 4. Konferenz der Weltvereinigung fär religiös-liberales Judentum in Amsterdam 2. - 5. Juli 1937 „Organized religion and modern life", das Thema, das die World . Union for progressive Judaism für ihre diesjährige Tagung sich gestellt» hat, bedarf in dieser Formulierung einer Erklärung. Diejenigen, die vor elf Jahren bei der Gründung der^ World Union in London zugegen waren, entsinnen sich wohl noch der lebhaften Diskussion, die sich über den Namen der neuen Vereinigung entspann. Die Engländer plädierten für „fortschrittliches" Judentum, wogegen die D.eutschen die Fragwiudigkeit des sogenannten Fortschritts geltend machten. Die Deutschen schlugen „liberales" Judentum vor, was die Amerikaner für sich mit dem Hinweis darauf ablehnten, daß in ihrem Lande „liberal" soviel wie „konservativ" bedeute, wozu „reformiert" da3 rechte Gegenstück bilde. So zeigte sich an diesem Punkte deutlich, wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.