Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 10 (7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
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No. 10 Juli 1937 Seite 21 und in der Jüdischen Wohlfahrtspflege spielt, kann durch Aufzählung seiner zahlreichen Aemter auch nicht annähernd gekennzeichnet werden: Er ist — um nur einiges zu nennen — Dezernent d!er sozialen Fürsorge, Mitglied der Finanz-, Jugend- und Museumskommissionen der Gemeinde, Vorsitzender der Beratungsstelle und der Frankfurter Ortsgruppe des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Vorsitzender der Darlehenskasse, der Jüdischen Wohlfahrtspflege, der Budge - Stiftung. Aher er ist weit mehr als das: eine stets treibende Kraft in der Sozialarbeit unserer Gemeinde, und es ist erstaunlich, was Julius Bloch in den 10 Jahren seiner sozialen Tätigkeit geleistet hat. So ist die Zentralisierung der offenen Fürsorge, die er mit zäher Beharrlichkeit gegen den Widerstand der betroffenen Vereine durchsetzte, in der Hauptsache sein Werk gewesen. Dem Vorstand des Arbeitsnachweises hat er Jahre lang beratend, helfend und ausgleichend angehört. Die neuen Aufgaben, die durch den Umschwung an die Gemeinde herantraten, hat er rechtzeitig erkannt und geholfen, Mittel und Wege zu finden, um sie zu bewältigen. An den damals mit Umsicht und Tatkraft geschaffenen Einrichtungen, die durch Wirtschaftsberatung, Berufsumschichtung, Notstandsküche und Winterhilfe für den Aufbau zertrümmerter Existenzen, sowie durch Anlernwerkstätte und Grundlehre für die Berufsbildung der Jugend sorgten, hat er mit 'Bat und Tat mitgewirkt. Auf seine Initiative wurde vor 6 Jahren die Einrichtung der Arnold Lazarus-Halle wiederbelebt, deren getreuer Eckart er seitdem allezeit gewesen ist. Die Mittwoch-Konzerte verdanken ihm verständnisvolle Förderung, und erst vor kurzem hat er englische und französische Konversationskurse für alt und jung ins Leben gerufen. Wer Julius Bloch kennt, der weiss, daß sein vielseitiges Wirken dem tiefsten Wesen seiner Persönlichkeit entspringt. Er ist ein Mann der praktischen Arbeit, des festen Zupackens. Dabei leitet ihn nicht nur sein gesunder Menschenverstand sondern auch sein gutes jüdisches Herz, sein Drang zu helfen und Not zu lindern. Getragen von sozialem Pflichtbewusstsein, kennt er, nur der Sache dienend, keinen Parteistandpunkt. Gern nennt er sich einen „pessimistischen Optimisten", das will wohl sagen, daß sein Realismus die Diagonale zwischen idealistischem Wollen und einer gewissen Skepsis ist, und diese entstammt der Einsicht, daß es überall menschliche Schwächen und institutionelle Unzulänglichkeiten gibt, die aber bekämpft und überwunden werden müssen. Mögen dem an der Wohlfahrt unserer Gemeinschaft unermüdlich schaffenden Mann noch viele Jahre segensvollen Strebens und Wirkens beschieden sein! Das ist der Wunsch der Gemeindebehörden, seiner Mitarbeiter und Freunde, und das ist auch der Wunsch weiter Kreise unserer Gemeindemitgieder! M. S. 80. Geburtstag 24. 6. 1937: Adolf Stern, Bockenheimerlandstrasse 70 20. 7. 1937: Frau Bertha Guttmann geb. May, Hegelstr. 21 Silberne Hochzeit 17. 6. 1937: Isidor Marx und Frau Rosa geb. Schwab, Röderbergweg 87 28. 7. 1937: Julius Meyer und Frau Betty geb. Mannheimer, Oberweg 42 Zum Andenken an Lenor Helft Am 3. Juni dieses Jahres ist nach kurzem Leiden Herr Lenor Helft verstorben. Mit ihm ist eine Persönlichkeit aus unserer Gemeinde abberufen worden, deren stille, segensreiche Wirksamkeit viele Institutionen und Hilfesuchenden erfahren haben. Lenor Helft ist am 11. Februar 1871 in Derenburg im Harz geboren worden. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit im Bankfach übersiedelte er vor mehr als 35 Jahren nach Frankfurt am Main. Der begabte junge Kaufmann trat in die Firma Schade und Füllgrabe ein, zu deren Aufschwung zu einem der bedeutendsten Unternehmen der Branche er wesentlich beitrug. In den Jahren der Mitarbeit Lenor Helfts in der Firma Schade und Füllgrabe, deren Mitinhaber er bald wurde, hat sich das Haus weit über den Bannkreis unserer Stadt ausgebreitet, nicht zuletzt dank Lenor Helfts kaufmännischen und menschlichen Eigenschaften. Seit Lenor Helft sich von der Berufstätigkeit zurückgezogen hatte, hat er sich mit erhöhtem Eifer der Aufgaben angenommen, die von jüdischer Seite an ihn herangetragen wurden. Er hat nie ein repräsentatives Ehrenamt angenommen, aber wo es galt, Arbeit zu leisten, hat er sich nicht entzogen. Als Oberhandelsrichter hat er jahrelang in würdiger Weise an der Spitze seines Berufsstandes gewirkt. Im jüdischen Altersheim, im Provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege hat er sich unermüdlich bewährt. Wohltun war ihm Verpflichtung und Bedürfnis, es entsprang seiner tiefen Menschenliebe. Seine Liebenswürdigkeit und Güte, die er jedem entgegenbrachte, der mit ihm in Verbindung trat, die echte Religiosität, die sein Leben und Handeln bestimmte, die wahre Bescheidenheit, die ihn adelte, haben ihm ein Denkmal in den Herzen derer geschaffen, die ihn kannten. Er wird unvergessen bleiben. Ghr. Anstalten und Vereine Jüdisches Jugendorchester Unter dem Protektorat des jüdischen Jugendringes besteht ein Streichorchester, in das noch einige Geiger und Bratscher aufgenommen werden können. Die Leitung dieses Orchesters hat Fritz Manfred Kuttner. Die Proben finden regelmässig Mittwoch abends, Eschersheimerlandstr. 65, statt. Anmeldungen sind zu richten an Frz. Wagner, Niedenau 43, Telefon 76022. Gesellschaft für jüdische Volksbildung e. V. Am Dienstag, den 29. Juni 1937, 20.30 Uhr, findet im Lehrsaal der Synagoge Unterlindau eine Religiöse Feierstunde anlässlich der drei Trauerwochen statt. Herr Rabbiner Dr. Diene m a n n spricht über „Die Zerstörung der beiden Tempel". — Am Sonntag, 11. Juli 1937, 10 Uhr pünktlich: Besichtigung des alten Israelitischen Friedhofes am Dominikanerplatz unter Führung von Herrn Professor Dr. Moritz Werner. — Beteiligung bei beiden Veranstaltungen kostenlos. Aus dem „Betar" Das Hachscharahgut in Polenzwerder bei Berlin wurde in diesen Tagen eröffnet. Anmeldungen für dieses Gut nimmt der „Betar", Eschersheimerlandstr. 65, Zimmer 6, Donnerstag von 6 bis 8 Uhr entgegen. Unser Sommerlager wird dieses Jahr im August in Polenzwerder bei Berlin stattfinden. Dauer 14 Tage. Näheres im „Betar", Eschersheimerlandstr. 65. Die grundlegende Abhandlung „Die Idee des Betar" von Vladimir Jabotinsky ist in allen Buchhandlungen und bei den Betarim erhältlich. T'nach Schiur. Im Rahmen des „Betar" findet an jedem Schabbath, von 6V2 bis 7V2 Uhr unter Leitung des Herrn R. Jacobi ein T'nach Schiur statt. Augenblicklich wird „Jeschajahu" gelernt. Gäste willkommen. Vom jüdischen Sport in Frankfurt Der Bar Kochba hat seine Leichtathletiksaison begonnen und wird sein Hauptaugenmerk auf die Vorbereitung seiner Aktiven für die 3. Makkabiah im Frühjahr 1938 richten. Im Rasensport kann der Verein von einem grossen Auftrieb berichten: die F u s s b a 1 lmannschaften wurden durch den Gewinn einiger neuer Spieler verstärkt. Im Handball steht die bedeutsame Begegnung mit dem palästinensischen Landesmeister, dem „Makkabi Abschalom Petach Tikwah" am "29. Juni bevor. Der TSV. Schild berichtet über ein Jahr des Aufbaus unter der neuen Vereinsleitung Hans Grünebaums. Die Mitgliederzahl konnte gegenüber dem Vorjahr trotz der grossen Abwanderungen um über 100 gesteigert werden, die vielen Abteilungen wurden noch erweitert. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist der Verein „aktiv". Wenn man bisher die Hauptaufgabe in der Pflege einer Breitenarbeit sah, soll jetzt auch an die Erzielung von Spitzenleistungen gedacht werden. Diese Erwägung veranlasste die Vereinsleitung zur Einsetzung eines Sportleiters.in der Person von Walter Friedenstein, der zu seiner Entlastung auf der Geschäftsstelle von Bernhard Kahn unterstützt wird. Im einzelnen werden die Abteilungsmeisterschaften weiter ausgetragen, die Neugestaltung der Vereinsarbeit kommt besonders den Leichtathleten zugute, die sich der Vorbereitung für die Prüfungen zum Leistungsabzeichen des Spoirtbundes zuwenden. Der Tischtennis betrieb wird auch im Sommer weitergeführt; nachdem im Kegeln die Einzelmeisterschaften abgeschlossen sind, werden jetzt Klubkämpfe einsetzen.