Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-07-01 · 10 (7.1937) · p. Seite 20

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
10 (7.1937)
Date
1937-07-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3094266-3094439-3094449--5780-3100602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 20 No. 9 Juli 1937 liehe Aufgabe der deutschen Gemeinden müsse dagegen in der Sorge für die vor der Auswanderung und insbesondere vor der Alijah stehenden Menschen gesehen werden. Insoweit sei aber von unserer Gemeinde Ausserordentliches geleistet worden, obwohl der Etat angesichts der ständig wachsenden Wohlfahrtslasten schon in unerhörtem Masse in Anspruch genommen sei. Herr Ernst Cahn weist unter Angabe einzelner Ziffern aus dem Etat der Beratungsstelle nach, welch' hohe Ausgaben für Ausbildungszwecke laufend aufgebracht werden müssen. Er erinnert weiter, daß das Beth Chaluz in der Einhorngasse von der Jüdischen Wohlfahrtspflege unentgeltlich und ohne Ersatz für die auf der Liegenschaft ruhenden Grundsteuern zur Verfügung gestellt worden sei. Der Redner weist schliesslich auf die hohen Beiträge der Gemeinde hin, die im abgelaufenen Etatjahre unmittelbar zur Erleichterung der Auswanderung aufgebracht wurden. Diese Mittel hätten der Auswanderung nach allen Teilen der Erde gedient und dabei auch zu einem nicht geringen Teil der Auswanderung nach Palästina. Soweit es sich darum handele, für den Gedanken des Palästinaaufbaus ideell einzutreten, habe die Gemeinde ihre Aufgabe damit erfüllt, daß Vorstand und Gemeindevertretung den Aufruf der Jewish Agency an die Mitglieder der Gemeinde innerhalb der Bizzur Haarez- Aktion an erster Stelle mit unterzeichnet und damit zahlreiche Gemeindemitglieder veranlasst haben, für diesen Zweck besondere Opfer zu bringen. Herr Felix Meyer nimmt für die konservative Fraktion dahin Stellung, daß die von Herrn Ernst Cahn vorgetragenen Gesichtspunkte zwar ernstlicher Beachtung wert seien, daß es, wenn man ihnen hätte folgen wollen, aber nur konsequent gewesen wäre, die Anträge des Vorstandes überhaupt abzulehnen. Wenn man von dieser grundsätzlichen Ablehnung abgehe, könne es bei den Grössenordnungen, in welchen sich die Ansätze unseres Etats bewegen, keinen beachtlichen Unterschied machen, ob man entsprechend dem Beschlüsse des Vorstandes dem Keren Hajessod EM. 3.000.— oder, dem Antrage der liberalen Fraktion entsprechend, nur EM. 1.000.— zuweise. Seine konservativen Freunde seien daher gewillt, den Beschlüssen des Vorstandes zuzustimmen. Herr Dr. Pomeranz schickt als Sprecher der Fraktion der jüdischen Volkspartei. seinen Darlegungen voraus, daß die Stellungnahme zu einem Gegenstande, wie er hier zur Erörterung stehe, letztlich dadurch entschieden werde, inwieweit sie für den in Betracht kommenden Menschenkreis Herzenssache sei. Für ihn und seine Freunde sei der Wille, die Gemeinde an den Aufgaben teilhaben zu lassen, die der Palästinaaufbau an jede jüdische Gemeinschaft stellt, mitentscheidend für ihre Anwesenheit in diesem Gremium überhaupt. Gerade seine Fraktion habe die weitgehende Herabsetzung der Zuwendung an den Seren Hajessod, welche der Beschluss des Vorstands gegenüber den ursprünglich ins Auge gefassten Beträgen bedeutet habe, sehr enttäuschen müssen. Nichtsdestoweniger habe seine Fraktion sich schweren Herzens entschlossen, der Vorlage zuzustimmen. Es sei um der Sache und um der Idee willen zu begrüssen, wenn die Vorlage in dieser Gestalt nunmehr nicht. durch irgend eine Stimmenmehrheit, sondern in einstimmiger Annahme Verwirklichung fände. Der Aufbau Palästinas und damit die Frage einer Unterstützung des Keren Hajessod bilde heute und insbesondere seit der Erweiterung der Jewish Agency im Jahre 1929 durch nichtzionistische Mitglieder keinen Gegenstand für eine ideologische Scheidung. Der Verantwortung für den Aufbau Palästinas könne man aber nicht mit dem Hinweis darauf gerecht werden, dass man, wie es durch Herrn Ernst Cahn geschehen sei, auf Ausbildungskosten oder andere Etatpositionen der Beratungsstelle verweise. Diese Verantwortung werde vielmehr nur durch unmittelbare Hilfe am Aufbau des Landes verwirklicht. Es sei damit in keine Wertung sämtlicher auf der Gemeinde ruhender Aufgaben, von welchen keine verkürzt werden solle, eingetreten, und es brauche dies auch nicht zu geschehen, nachdem die etatmässige Möglichkeit, die vom Vorstand beschlossene Zuwendung an den Keren Hajessod zu machen, bereits hinreichend geprüft sei. Seine Fraktion werde für Genehmigung beider Beschlüsse des Vorstands eintreten. Herr Dr. M'a i n z e r erwidert auf die Ausführungen des Herrn Felix Meyer, die Vorlage habe trotz der prinzipiellen Bedenken seitens der liberalen Fraktion deshalb keine völlige Ablehnung erfahren, um den Appell, der aus anderen Kreisen der Gemeinde an sie herangetreten sei, nicht ungehört verhallen zu lassen. Grundsätzlich müsse, daran festgehalten werden, daß dieser Appell sich an Einzelpersonen und nicht an die Gemeinde hätte wenden müssen. Es müsse angesichts des Beharrungsvermögens, das einmal bewilligten Etatpositionen auch in künftigen Etatjahren zuzukommen pflege, ausdrücklich hervorgehoben werden, daß sowohl die Beschlüsse des Vorstandes als auch die Darlegungen des Vertreters der jüdischen Volkspartei sollten ausschliesslich auf das laufende Etatjahr beschränken. Die liberale Fraktion sei bei ihrem Antrage, den Beitrag zu den. Institution auf je KM. 1.000.— zu beschränken, von der Verantwortung für die Finanzgebahrung der Gemeinde getragen. Herr Dr. Freimann hebt nochmals hervor, daß es im Grund nicht Ziffern, sondern Prinzipien seien, die sich in' dieser Aussprache gegenüber standen. Er könne der geäusserten Meinung, daß die Unterstützung des Keren Hajessod heute ausserhalb jeglicher ideologischer Scheidung stehe, nicht beitreten. Es gäbe sehr wohl noch jüdische Menschen, die völlig ausserhalb des von Herrn Dr. Pomeranz angeführten . Gedankenbereich der erweiterten Jewish Agency ständen. Für nicht wenige sprächen hier auch religiöse Momente mit. Herr Dr. Pomeranz weist demgegenüber zum Abschluss der Aussprache darauf hin, dass die Zusammenarbeit trotz mancher ideeller Scheidung das Schicksal der Einheitsgemeinde überhaupt sei. Es wird nunmehr zunächst über den Beschluss des Vorstands zur Frage der Beitragsleistung an den Keren Hajessod abgestimmt, und der Beschluss mit 16 Stimmen gegen 15 Stimmen angenommen. Im Anschluss hieran wird über den Beschluss des Vorstands betr. Gewährung eines Beitrags anden HilfsT verein abgestimmt und dem Beschluß des Vorstands zugestimmt. Von Berichten der liberalen Kultuskommission und der Religionsunterrichts-Kommission wird Kenntnis genommen. ". Hieran schloß sich eine nichtöffentliche Sitzung. Persönliche Nachrichten Julius Bloch zum 60. Geburtstag (29. Juni 1937) Wer wie Julius Bloch im öffentlichen Leben steht und 60 Jahre alt wird, verdient es, daß die Mitwelt von diesem Ereignis Notiz nimmt und das Wirken und Wesen des Jubilars würdigt. Die Rolle, die Julius Bloch als Mitglied des Gemeindevorstands Herren-Konfektion Mass- Kleidung kaufen Sie günstig in NEU-ISENBURG Großes Stofflager. Fachm. Beratung M. Pscherowski Adolf Hitlerstraße 61 Telefon 03509 Ich besuche Sie auf Ihren Anruf Coraata nach Maß Großes Lager in fertigen Corsets, Gummischlüpfer Büstenhalter Goethe atraße 20 I. T. 23195 (i. Hause David & Meyer) ^^j^ Lebensmittel —-Weine — Spirituosen — 3% RABATT — Wittwe Hassan [toüil^^imcm | KAISER STRASSE 4 ' seit 1888 £ TAFELGERÄTE, BESTECKE M K MODESCHMUCK J GEORG MÜNZER Q. M. B. H. Holz u. Sperrholz für Jeglichen Bedarf Ffm.-West, Rödelhelmerldsfr. 19 Telefon 73723

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.