Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 10 (7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 No. 10 Juli 1937 ^Nh*^^ SILBERSTEIN &CQ UMZÜGE NACH ALLEN ORTEN DER. WELT J( Zetymd in 7rpgikfM"/w7^ VERTRETER 1 PHIL SOHNER BVRNITZST*.6 FERN IL. 65751 werden. Und immer müsse die väterliche Religion als der älteste und. reinste Quell der Wahrheit empfunden werden, aus welchem endlich die ganze Menschheit ihre Segnungen schöpfen solle. So hoch aber Sigismund Stern auch die religiöse Erziehung stellte, über allen Sonderzielen stand ihm doch als letztes, höchstes Ziel, der von ihm geleiteten Schule dieses: harmonische Geistes- und Gemütsbildung; die Schule war ihm Bildungsanstalt für das Allgemein-Menschliche. Diesem Ziele hat er gedient durch eine große Zahl pädagogischer Schriften, durch Vorträge und Reden, wie jene Festrede zu Schillers 100. Geburtstag, die er im Kaisersaal halten durfte; durch seine Tätigkeit als Abgeordneter im „gesetzgebenden Körper" der freien Stadt, durch seine restlose Wirksamkeit als Lehrer und Leiter, durch sein lebendiges Beispiel, durch seine sittlich-religiöse Persönlichkeit. Die Schüler, die vor ihm gesessen, haben seines Geistes Hauch verspürt. Männer, wie Ludwig Geiger, Anton Hörckheimer, Heinrich Emden, Heinrich Stiebel — ihre Namen stehen in dem schmalen, braunen Notenbüchlein der Jahre 1857/59 — haben mit vielen anderen Altersgenossen, die Verpflichtung zu kulturellen Leistungen tief empfunden und bewährt, haben so bewiesen, daß ihnen die starken Eindrücke der Jugend nicht verloren gegangen. So hat Sigismund Stern nicht nur Bedeutung für die Schule gehabt; seine Wirksamkeit hat bleibenden Wert für die Gesamtkultur unserer Gemeinde. Besuch in der Gemeindegärtnerei von Alex H. Unsere Gemeinde unterhält auf dem Gelände des neuen Friedhofs eine Gärtnerei, die ihr unmittelbar untersteht, und deren Leitung Gartenmeister Albert Frohnhausen innehat. Ueber diese gemeindliehe Institution unterrichtet zu werden, mag manchem Gemeindemitglied erwünscht sein. Wir haben der Gemeindegärtnerei einen Besuch abgestattet, bei der uns Gartenmeister Frohnhausen eingehende Erklärungen gab. Die Gemeindegärtnerei beschäftigt z. Zt. 5 Gärtner, 2 Gärtnerinnen, 1 Arbeiter und 2 Lehrlinge. Zu diesen kommen 14 Umschichtler, darunter 1 Mädel. Wir sehen zuerst die grossen Treibhäuser mit Vorhaus, dann ein Meines „Erdhaüs", das ist ein kleines Treibhaus, das von den Angestellten der Gemeindegärtnerei selbst gebaut wurde. In den grossen Treibhäusern, die in erster Linie der Anzucht und Vermehrung der Jungpflanzen dienen, blühen jetzt die Hortensien, Begonien, Petunien und Ge- . ranien, die bereits im Januar gesät und gesteckt wurden. In ihrer Farbenprächtigkeit bieten sie. ein besonders schönes Bild. Unmittelbar daran schliessen sich die Frühbeetanlagen, die bereits im Februar angelegt werden? sie dienen ebenfalls zur Heranzucht von Blumen- und Gemüsepflanzen. Der Kundgang führt weiter zu umfangreichen Gemüseanpflanzungen, die ausschliesslich, im Gegensatz zu den Blumen, anderen gemeindlichen Institutionen nützbar gemacht werden. Von hier aus erhält z. B. auch das Krankenhaus den grössten Teil des Gemüsebedarfs. Das von den Umschichtlern herangezogene Gemüse ist Eigentum -der Jüdischen Beratungsstelle für Wirtschaftshilfe und wird von den Institutionen an diese bezahlt. Aber dies alles ist nur ein Nebenzweig der Gemeindegärt- . nerei. Besonderes Augenmerk wird auf die Gräberpflege gerichtet, in engem Zusammenhang damit auf die Blumenzucht. Die Gräberpflege umfasst zunächst die blumen- und pflanzlosen Gräber der konservativen Gemeindemitglieder. Diese nur griinbewaehsenen Gräber werden ständig gepflegt, während der Schmuck der mit Blumen versehenen Gräber der Jahreszeit entsprechend drei Mal umgepflanzt wird. Die an den Eingängen des alten und neuen Friedhofs zum Verkauf gelangenden Blumen," die ebenfalls^der Ausschmückung der Gräber dienen sollen, sind gleichfalls Erzeugnisse der Gemeindegärtnerei. Die reiche Auswahl ermöglicht jedem, seinen Blumenbedarf hier zu decken. Ueberdies nimmt die Gemeindegärtnerei Bestellungen auf Blumeii jeder Art, Aufträge für Pflanzen-Dekorationen in jeder Ausführung an. Es ist verständlich, daß man hier nur "Bestellungen aufgibt, deren Verbringung in die Stadt sich lohnt, d. h. nur Aufträge, die der aufgewandten Mühe entsprechen. In jedem Fall sind die Preise der Gemeindegärtnerei denen der übrigen Handelsgärtner angeglichen und müssen unbedingt eingehalten werden. Wer zu Schowuaus die wundervolle Blumen-Ausschmückung der Frankfurter Gemeindesynagogen gesehen hat, dem sei gesagt, daß auch diese von der Gemeindegärtnerei besorgt wurde. Alle dabei verwandten Materialien sind in der Gemeindegärt- Josephthal, nerei selbst erzeugt worden. Selbstverständlich werden auch durch die Gemeindegärtnerei Dekorationen zu jedem Anlass in Synagogen oder Privathäusern (Trauungen, Tischschmuck u. s. w.) ausgeführt. Sie übernimmt jeden Auftrag gärtnerischer Art, nur Gartenpflege ist ausgenommen. Die Löhne für diese Arbeiten sind tariflich festgelegt, können und dürfen also nicht geändert werden. Von der Gemeindegärtnerei werden im Augenblick ca. 1000 Gräber auf dem alten und ca. 900 auf dem neuen Friedhof betreut- Darunter sind auch 250 bezw. 20 Legatgräber. Hinzu kommt der Friedhof in der Sophienstrasse in Bockenheim, der heute nur noch zum Besuch nach vorheriger Anmeldung geöffnet ist und dessen Gräberpflege auch ausschliesslich der Gemeindegärtnerei untersteht. Es ist nicht einfach, diese grosse Arbeit im Sommer während einer Arbeitszeit von 50 Wochenstunden zu bewerkstelligen. Daß es doch möglich ist, ist einer genau durchdachten und streng durchgeführten Arbeitseinteilung zu danken, die von allen Beschäftigten genau eingehalten wird. Die Gemeindegärtnerei macht in ihrer ausserordentlichen Gepflegtheit und vorbildlichen Anordnung den denkbar besten Eindruck. Es ist nun Sa che der Gemeindemitglieder, ihr Teil beizutragen, damit die Gemeindegärtnerei soviel als möglich beschäftigt wird, wie es ihrer grossen Leistungsfähigkeit entspricht. Literarische Rundschau Fritz Rothgiesser: Das Knabenschiff. (Philo-Bücherei No. 5/6.) Eine Erzählung vom Leid und vom Heldentum jüdischer Kinder. Sie spricht durch ihre abenteuerreiche, bewegte Handlung zu der Jugend, aber sie fesselt durch ihren geschichtlichen Hintergrund wie durch ihre feine Seelenschilderung der führenden Knabengestalten auch die Erwachsenen. Der Leser erlebt die Vergangenheit — die verzweifelte Lage der spanischen Judengemeinde, die ins Elend ausgewandert ist, um ihrem Glauben treu bleiben zu können — wie ein Stück jüdischen Schicksals, das immer wieder Gegenwart wird. Er empfindet es als wohltuend, daß diese Erzählung nicht nur von Dulden und Entsagen berichtet, sondern auch von Tapferkeit und Entschlusskraft; er freut sich, daß sich gerade unter den von maurischen Piraten ihren unglücklichen Eltern entführten Kindern die Heiden finden, die das schwere Geschick meistern und sich und den Ihren wieder Hoffnung und Heimat geben. Die Vorgänge wirken, bei allem bunten Wechsel des Geschehens, doch glaubwürdig durch den Ton einfacher Menschlichkeit, in dem sie erzählt werden. Unaufdringlich, aber gerade darum ergreifend, ist die jüdische Art der Alten und der Jungen dargestellt, und wenn bei dem glücklichen Ende in Venedig bekannte Männer des jüdischen Geisteslebens — Leon Abravanel, Elia Levita und Salomon Üsque — als Helfer auftreten, so ist das so ungezwungen gestaltet, daß sich „das Knabenschiff" auch darin vorteilhaft von den schnell für unsere Zeit geschaffenen Erzählungen aus jüdischer Vergangenheit unterscheidet. Dr. S. H.